Sie wollten unbekannte öffentliche Orte beleben - nun scheitern die Urbanauten an der städtischen Bürokratie.
Auf der schmalen Marmorsäule ruht der Bronzekopf Ludwig II., den Blick auf die Isar nach Süden gerichtet. Das Denkmal steht ziemlich verloren in der Mitte des von Silberpappeln gesäumten, mächtigen Balkons der Corneliusbrücke. Die rückwärtige Begrenzungsmauer ist voller Graffiti, in den Fugen der Balkonbrüstungen stecken Zigarettenkippen.
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Der Kulturstrand auf der Corneliusbrücke hat sich als beliebter Sommer-Treffpunkt der Münchner etabliert - nun droht dem Projekt das Aus. (© Foto: Robert Haas)
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Der ungepflegte Aussichtsplatz mitten in der Stadt ist die meiste Zeit im Jahr ein toter Ort. In den Sommermonaten aber fläzen sich an schönen Abenden Hunderte in den Liegestühlen, graben die nackten Füße in den Sand, trinken Caipis und fühlen sich zu Salsaklängen wie im Urlaub. Der "Kulturstrand" ist Kult. Doch noch ist völlig unklar, ob es ihn in diesem Jahr geben wird. Die Stadt zögert, wie berichtet, wieder einmal das Okay hinaus, und die Urbanauten sind mit ihrer Kraft am Ende. Sie denken ans Aufhören.
Der Verkehr geht vor
Ursprünglich verfolgte der Geograph Benjamin David, der Kopf der Urbanauten, gemeinsam mit seiner Studienkollegin Ulrike Bührlen die Idee, in München den öffentlichen Raum für die Bürger wieder erlebbar zu machen. Durchaus auch mit der Absicht der Provokation. Sie wollten auf Verkehrsinseln in München Kunstprojekte organisieren, die nach einer Woche weiterziehen. Sie würden gerne den Max-Joseph-Platz vor der Oper "bespielen", die Verkehrsinsel rund um das Siegestor beleben, die Insel gegenüber dem Isartor oder die Hackerbrücke.
Aus dem Kreisverwaltungsreferat kamen nur Absagen. Haben wir noch nie so gemacht. Zu gefährlich. Der Autoverkehr geht vor.
Seit vier Jahren organisieren "Urbanauten" wenigstens den Strand auf der Corneliusbrücke. Der Ort ist der einzige von ihren etwa 120 Vorschlägen für die Belebung öffentlicher Plätze, welchen die verschiedenen Verwaltungsebenen der Stadt München überhaupt für geeignet halten. Dennoch bedarf es jedes Jahr erneut eines Genehmigungsverfahrens, das sich über Monate hinzieht. Auch für diese Saison steht die Zusage noch aus.
Inzwischen hat das Thema Kulturstrand - wie schon 2009 - den Stadtrat erreicht. Die CSU-Fraktion will den Urbanauten die Genehmigung versagen, am 11. Mai soll in einer gemeinsamen Sitzung des Kreisverwaltungs- und des Bauausschusses ein Votum gefällt werden. Eigentlich wollten die Urbanauten am 6. Mai mit dem Strandbetrieb beginnen.
40.000 Euro kostet laut Veranstalter allein der Auf- und Abbau an der Corneliusbrücke. Etwa noch mal so viel stecken die Urbanauten in das Kulturprogramm. "Das Projekt ist wirtschaftlich unglaublich knapp kalkuliert", sagt Benjamin David, der Kopf der Urbanauten. David versteht nicht, warum das kleine Projekt nun sogar den Ältestenrat beschäftigt. "Da wird von den Wichtigen und Mächtigen der Stadt etwas ausgeheckt, was uns regelmäßig an den Rand des Wahnsinns treibt", mutmaßt er. Er stellt generell in Zweifel, ob in München "solche Experimente im öffentlichen Raum überhaupt gewollt sind".
Viele Städte
Dabei gibt es durchaus Fürsprecher in der Verwaltung. "Aus Sicht des Kulturreferates stellt das Konzept, vorübergehend öffentlichen Räume durch verschiedene Aktionen 'zu besetzen', nach wie vor einen interessanten und im wesentlichen unterstützenswerten Beitrag zum Diskurs über urbanes Lebensgefühl und über Lebensqualität in der Metropole München dar", schreibt zum Beispiel das Kulturreferat in einer Stellungnahme an das Baureferat. Und das Schulreferat beteiligt sich sogar seit 2006 am Kulturstrand mit einem Angebot für Kinder und Jugendliche.
Ohne Planungssicherheit sei der Kulturstrand einfach nicht mehr zu machen, sagt David: "Das Problem ist, dass niemandem klar ist, wer eigentlich zuständig ist. Es gibt nicht die Stadt München, sondern viele Städte."
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Die neueste Antwort
Warum so aggresiv. Ich würde sagen: Leben und leben lassen. Der Kulturstrand stört doch vor Ort keinen einzigen Anwohner, weil die Häuser so weit weg sind.
Und gleichzeitig haben hunderte Leute dort Ihr Vergnügen in einer sehr friedlichen Athmosphäre. Also: urbanauten. Dranbleiben. Ihr bekommt das schon hin oder wie der liebe Monaco Franze sagt: A bisserl was geht allerweil
Lieber Thai Maak, danke für die Initiative. Leider sehe ich, zumindest online, keine Chance, gegen die von den Veranstaltern und ihren Sympathisanten entfesselten Propaganda-Sturm. Zudem sind auch Sie in die Falle getappt und haben diese Gastro-Veranstaltung als "Kulturstrand" bezeichnet. Wenn man die Kommentare auf den diversen Websiten und Blogs beobachtet, ist von der PR-Abteilung der Urbanauten an ihre Schergen offenbar die Anweisung ausgegeben worden, in jedem Beitrag mindesten zweimal das Wort Kultur zu verwenden. Manche waren da ein bisschen übereifrig...
Ziemlich gewitzt finde ich allerdings den Antrag im Bezirksausschuss, den Alkoholausschank zu verbieten. Wenn der Antrag durchkäme, dann sähe man schnell, wie sehr es den Veranstaltern tatsächlich um Kultur geht!
An Thai Maak, wahnsinnig kreativ was Du da machst, muss schon sagen. Respekt.
Aber wenn Dir der Strand zu öde ist, dann geh doch einfach woanders hin, wenn Du im Viertel wohnst hast Du doch genügend Alternativen.
Ich find den super da und hoffe, dass er bleiben kann.
Und hier kann man gegen den öden Kneipenstrand stimmen ...
Bitte weitersagen!!
http://www.direktzu.de/ude/messages/25735
Toll, jetzt kann man schon direkt beim OB Ude für oder gegen den Erhalt des Kulturstrandes stimmen.
War grad auf http://direktzu.de/s/7w3tyj.
Ersaunlich: in weniger als 24 Stunden erhielt der Beitrag "Erhaltung des Kulturstrandes" 206 befürwortende Stimmen ...
Wer zögert da noch den Kulturstrand zu genehmigen?
Ich freu mich auf die Eröffnung...
Paging