Steuerfahnder bei Maler Baselitz Eremit am See

Steuerfahnder haben das Haus des Malers Georg Baselitz am Ammersee durchsucht.

(Foto: dpa)

Seine Bilder kennt man auf der ganzen Welt, doch nicht einmal seine Nachbarn wissen viel über die Privatperson Georg Baselitz: Der Maler lebt zurückgezogen und ruhig am Ammersee. Diese Idylle wurde von Steuerfahndern jetzt arg gestört.

Von Christine Setzwein

Manchmal nimmt einer der Dampfer der weiß-blauen Flotte am Steg in Buch ein paar Fahrgäste auf. Nur selten steigen welche aus. Die Ausflügler und Touristen glauben einfach dem Kapitän, der ihnen über Bordmikrofon den guten Rat gibt, lieber sitzen zu bleiben. Denn: "Hier gibt es nichts zu sehen." Tatsächlich hat der kleine Ort am Ammersee, der zur Gemeinde Inning gehört, wenig Sehenswertes zu bieten. Es existiert nicht einmal ein Wirtshaus.

Gerade diese Ruhe hat Georg Baselitz gesucht und zog 2007 an den Ammersee. Ein weltberühmter Maler in einem verschlafenen Dorf. Diese Ruhe wurde jetzt empfindlich gestört. Steuerfahnder haben das Anwesen von Baselitz durchsucht. Sein Name soll auf der eingekauften Steuer-CD stehen.

"Ein netter Bürger", sagt der Inninger Bürgermeister Werner Röslmair. Er komme gut mit ihm zurecht. So gut, dass Röslmair mit seiner Frau sogar zur Feier anlässlich des 75. Geburtstags von Baselitz eingeladen war. Ein Fest mit internationalen Gästen, mit Galeristen aus der ganzen Welt - und mit dem Inninger Bürgermeister. Der hat schließlich Erfahrung mit Prominenten. Der Schriftsteller Gert Heidenreich war hier Bürger genauso wie Moderator Thomas Gottschalk.

Bilder mit Motiven, die auf dem Kopf stehen, damit ist Baselitz berühmt geworden. Auf Auktionen werden Millionen dafür geboten. Einige Millionen hat der gebürtige Sachse auch für das Grundstück in Buch bezahlt. Ein Filetstück am See, vom Wasser nur durch den Siebenbrückerlweg getrennt. Hier kann man abtauchen. Baselitz macht sich rar in der Gemeinde. Er kommt ins Rathaus, wenn er einen neuen Pass braucht, er spendet regelmäßig für soziale Zwecke, und er geht gern schwimmen im See. Auch in München sieht man Baselitz selten. Ab und an in der Galerie seines Sohnes Daniel Blau, zuletzt auf der Pin-Party der Freunde der Pinakothek der Moderne, auf der Kunst versteigert wurde, um Kunst von Baselitz für das Museum kaufen zu können.

In den Medien außerhalb der großen Feuilletons genannt zu werden, mag der 75-Jährige gar nicht. Der Zaunstreit hat ihn schwer verärgert. Gemeinde und Kreisbauamt hatten den zwei Meter hohen Metallzaun an der Seeseite seines Grundstücks moniert, weil in Inning höchstens 1,80 Meter hohe Maschendrahtzäune erlaubt sind. Baselitz gibt, um der lieben Ruhe willen, nach. Er lässt den teuren Zaun abbauen - und schenkt ihn der Gemeinde.

Das allein wäre noch kein Grund, den Mann zu schätzen. Weil er seine moderne Villa und sein Atelier mit modernster Energietechnik ausgestattet hat und die meisten Bäume auf dem 17 000 Quadratmeter großen Grundstück stehen ließ, das gefällt Röslmair. Über die Steueraffäre seines prominenten Bürgers kann und will der Bürgermeister nichts sagen. Er habe erst aus der Zeitung davon erfahren. Kein Grund, die Ruhe zu verlieren.