Start-Up Ein E-Bike als Lifestyle-Produkt

Das Gründerteam von Ridetronic: Paul Klarhöfer, Maximilian Gassner und Thomas Janowski (von links).

(Foto: Ridetronic)
  • Ridetronic ist ein Münchner Start-Up, das ein nur 13 Kilogramm schweres E-Bike auf den Markt bringen will.
  • Mit ihrer Idee haben sie es ins Finale von Stefan Raabs neuer Fernsehshow "Das Ding des Jahres" geschafft.
  • Im Finale stehen sie mit acht anderen Kandidaten, unter anderem mit einem weiteren Münchner Start-Up Leaf Republic, das Einweg-Geschirr aus Laubblättern herstellt.
Von Jacqueline Lang

Die hellblaue Garagentür im Studio geht auf. "Vielleicht haben die drei das Rad tatsächlich neu erfunden", kündigt Moderatorin Janin Ullmann die drei jungen Männer von Ridetronic an. In diesem Moment treten Maximilian Gassner, 28, Paul Klarhöfer, 27, und Thomas Janowski, 37, mit ihren Fahrrädern vor die Jury.

Einige Wochen später wird die Folge von "Das Ding des Jahres" auf Pro Sieben ausgestrahlt, ein Millionenpublikum schaut zu. Auch Klarhöfer, Gassner und Janowski sitzen in ihrem Büro und starren gebannt auf den Fernseher - vor allem aber auf die Werte von Google Analytics auf dem Bildschirm daneben. Innerhalb von Sekunden schnellt die Besucherzahl auf ihrer Homepage von 17 auf 5000. Am darauffolgenden Montagmorgen haben 100 000 Menschen ihre Seite aufgerufen, sie haben zudem 800 neue Follower auf Facebook. Eine bessere Werbung für ihr Produkt hätten sich die drei Münchner nicht wünschen können.

Ridetronic, so heißt das Start-up, das Klarhöfer, Janowski und Gassner 2016 gegründet haben. Die Idee: ein Elektro-Fahrrad, das leicht und stylish zugleich ist. "Wir wollen unser Rad als Lifestyle-Produkt vermarkten", sagt Gassner. Mit dieser Idee haben sie sich für die neue Show von Stefan Raab beworben. Nun stehen sie im Finale - mit sieben weiteren Kandidaten. Auch ein anderes Start-up aus dem Großraum München hofft, den Werbedeal in Höhe von 2,5 Millionen Euro zu gewinnen: Leaf Republic, eine junge Firma aus Taufkirchen, die umweltfreundliche Teller herstellt, um genau zu sein: Einweggeschirr aus Laubblättern.

Natürlich ist ein Werbedeal in dieser Höhe verlockend, aber darum geht es dem Elektrofahrrad-Start-up gar nicht, glaubt man Maximilian Gassner. "Wir hätten niemals gedacht, dass wir ins Finale kommen. Deshalb ist es egal, wie die Entscheidung am Ende ausfällt: Wir haben schon gewonnen", sagt er. Gassner war der Letzte, der kurz vor Weihnachten 2016 zum Team dazugestoßen ist. Janowski und Klarhöfer haben schon mehrere Jahre zusammengearbeitet. Irgendwann hatten die beiden Tüftler dann die Idee, einen Elektromotor zu entwickeln.

Als sie sich mit einem Pitch für das Förderprogramm des Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) von der Hochschule München beworben haben, saß Gassner durch Zufall in der Jury. Der Innovationsmanagement-Student hat damals gerade bei SCE seine Masterarbeit geschrieben und war sofort begeistert von der Idee. Weil Ridetronic noch jemand suchte, der das Start-up bei der Produktvermarktung unterstützt, wurde Gassner als sogenannter Business Developer Teil des Teams. Seine Aufgabe ist es, das, was die anderen austüfteln, unter die Leute zu bringen. Für ihn die perfekte Möglichkeit, sich nach dem Studium auszuprobieren.

E-Bikes gibt es ja mittlerweile zuhauf. Was also ist das Neue an der Idee von Ridetronic? Anders als bei den meisten anderen E-Bikes werde der E-Motor mit seinen 250 Watt nicht angebaut, sondern in die Nabe integriert. Mit nur 13 Kilogramm sei das komplette Rad damit am Ende nicht schwerer als ein handelsübliches Fahrrad, sagt Gassner. Der Vorteil: Selbst wenn der Akku mal leer ist, könne man noch ohne großen Anstrengung treten. "Je nach Einstellung kann man zwischen 40 und 80 Kilometer mit dem Elektromotor fahren", sagt Gassner. Durch eine USB-Schnittstelle könne mit dem Akku außerdem Licht und Smartphone geladen werden. Ganz neu ist das alles natürlich nicht, immerhin bieten einzelne Hersteller ebenfalls leichte E-Bikes an, auch integrierte Ladegeräte gibt es schon auf dem Markt. Für den Preis und mit dem Design sei es aber trotzdem eine Neuheit, sagt Gassner.

Genau der Preis war es aber, der die Fernseh-Jury bislang noch nicht ganz überzeugen konnte. Etwa 2500 Euro soll ein E-Bike von Ridetronic kosten, 1500 ein Upgrade-Kit, sprich nur Akku und Motor. "Wir als Start-up haben das Problem, das wir noch keine Massen produzieren können", sagt Gassner. Deshalb wollen sie ihre potenziellen Kunden das Bike im Mai diesen Jahres nun erst mal testen lassen, von September an soll der offizielle Verkauf beginnen. Dann erst wird sich zeigen, ob Menschen bereit sind, so viel Geld für ein Fahrrad auszugeben - und ob das Start-up eine Zukunft hat.

Die drei Gründer können dabei entspannt in diese finale Phase blicken. Sie erhalten ein einjähriges Exist-Stipendium vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Noch bis August bekommt jeder von ihnen 2500 Euro monatlich, Coaching-Kosten und Gründungskosten noch nicht mitgerechnet.

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