Wörthsee Winklmeier ist der Jugendfavorit

Bei einer Probewahl nach einer Diskussion mit den Direktkandidaten liegt der Sozialdemokrat in der Gunst der Wörthseer Jungwähler vorne

Von Max Wochinger, Wörthsee

Ginge es nach den Jungwählern aus Wörthsee, würde Christian Winklmeier (SPD) am Sonntag in den Bundestag einziehen. Alle elf Stimmkreiskandidaten waren am Freitag ins Jugendhaus in Wörthsee gekommen, um auf einer Podiumsdiskussion mit den Erstwählern zu debattieren. Für den Kandidaten der SPD sprach sich in einer Probewahl nach der Diskussion eine deutliche Mehrheit aus.

Alle Kandidaten für den Wahlkreis 224 sind der Einladung des Jugendhauses gefolgt. Am Anfang hatte jeder Bewerber um das Direktmandat zwei Minuten Zeit, sein politisches Programm vorzustellen. Die Moderatorin Christine Rose gab das Mikrofon nicht aus der Hand. Aus gutem Grund: Viele Kandidaten hätten gerne länger über ihre Inhalte geredet. An dem Abend sollte es aber um die Erstwähler gehen, und um ihre Fragen. Sie haben die Möglichkeit genutzt und durchaus kritisch nachgefragt.

Nicht nur Eva Steinbeißer und Apollonia Schmidt hörten aufmerksam zu.

(Foto: Georgine Treybal)

Laut Bundeswahlleiter sind nur 3,6 Prozent der Wahlberechtigten zwischen 18 und 21 Jahren. Deshalb verwundert es nicht, wenn sich die Volksparteien mit einschlägigen Inhalten auf andere Wählergruppen konzentrieren. Nicht Rentenerhöhungen und Erbschaftssteuer stehen bei jungen Wählern im Vordergrund, sondern Themen wie Bildung und Klimawandel.

Für Erstwählerin Apollonia Schmidt sind das wichtige Punkte. "Vor allem die Umwelt ist mir wichtig. Es muss sich jetzt was ändern", sagt die 18-Jährige. Sie findet die Grünen-Kandidatin Kerstin Täubner-Benicke gut. Die Grüne verspricht den jungen Wählern, sich für weniger Autos und gegen den Flächenfraß einzusetzen. "Ich weiß noch nicht genau was ich wähle. Ich habe den Wahl-O-Mat ausprobiert. Grüne und Tierschutzpartei ist da rausgekommen", so Apollonia Schmidt. Ihre Freundin Eva Steinbeißer ist sich auch noch nicht sicher. Sie hat bereits die Parteiprogramme durchgelesen und sich im Internet informiert. "Heute hat mich Christian Winklmeier am meisten überzeugt. Er ist jung und sozial eingestellt", sagt die 19-jährige Studentin. Winklmeier kann beim Publikum punkten. Er zeigt sich an dem Abend sehr diskussionsfreudig. "Die SPD und ich wollen mehr Windräder, aber die CSU blockt den Ausbau", sagt der 26-Jährige, und richtet sich an Michael Kießling von der CSU. Winklmeier kritisiert Martin Hebner von der AfD für dessen Einladung von Andre Poggenburg nach Gilching. Poggenburg war wegen seiner Äußerungen im sächsischen Landtag aufgefallen. "Poggenburg bedient sich der NS-Sprache", sagt Winklmeier. Martin Hebner kontert, dass die "Sprache unglücklich gewählt war".

Die Direktkandidaten der Parteien für die Bundestagswahl diskutierten im Jugendhaus mit dem jungen Publikum.

(Foto: Georgine Treybal)

Fast zweieinhalb Stunden wurde im Jugendhaus diskutiert. Am Ende konnten sich die jungen Erwachsenen auf einem nachgemachten Stimmzettel für einen Kandidaten entscheiden. 60 Prozent der Stimmen erhielt Christian Winklmeier, 14 gab es für Michael Kießling und elf Prozent für Kerstin Täubner-Benicke. "Junge Wähler steigen eher Mitte-Links in politische Wahlen ein", sagt Ursula Münch von der Akademie für politische Bildung in Tutzing. Viele würden später konservativer wählen, sagt Münch. Für die Erstwähler hat sie einen Tipp: "Man sollte sich grundlegende Fragen stellen, ob man etwa mehr Sicherheit oder weniger Wettbewerb in der Wirtschaft haben will."