Schulbau Arm, aber glücklich

Die neue Grundschule hat viel Geld gekostet, aber die Wörthseer möchten sie nicht mehr missen und sind stolz auf das moderne Gebäude.

(Foto: Georgine Treybal)

Wörthsee muss für den Schulneubau noch einmal tief in die Kasse greifen: 3,4 Millionen Euro sind dafür im Haushalt 2016 vorgesehen. Obwohl die Schulden hoch sind und die Rücklagen schmelzen, sind die Gemeinderäte zufrieden mit den Finanzen

Von Christine Setzwein, Wörthsee

Nichts zu meckern hatten die Wörthseer Gemeinderäte an dem Zahlenwerk, das ihnen Thomas Dischner am Mittwoch vorgelegt hatte. Der Kämmerer erhielt ganz im Gegenteil sogar Zustimmung und Applaus für den Haushalt 2016. Dabei schaut der Gemeindeetat auf den ersten Blick gar nicht so rosig aus, werden die Schulden Ende des Jahres doch immer noch bei 4,35 Millionen Euro liegen, die Rücklagen dagegen auf magere 106 000 gesunken sein. Und die Aussichten auf die Finanzen der kommenden Jahre sehen auch nicht gerade rosig aus. Trotzdem "können wir uns das leisten, was wir brauchen", sagte Dischner. Das Gesamtvolumen des Etats 2016 liegt bei 14,1 Millionen Euro (2015 war es mit 18,4 Millionen allerdings noch um einiges höher).

Einnahmen

Steuern, Gebühren, Zuschüsse, Verkäufe - mit diesen Einnahmen bestreitet eine Kommune ihren Haushalt. Der höchste Posten in Wörthsee ist die Einkommensteuer. Sie wird heuer bei etwa 4,09 Millionen Euro liegen. Bei der Gewerbesteuer, ist der Kämmerer vorsichtig. Er rechnet mit 1,2 Millionen Euro, 2015 waren es 1,45 Millionen. "Einige Firmen sind doch abgewandert", sagte Dischner. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute: Einige haben sich im Gewerbepark Inning angesiedelt, den Wörthsee zusammen mit Inning betreibt. Darum steigen die Steuereinnahmen aus dem Gewerbepark: von 200 000 Euro in 2015 auf 250 000 Euro heuer. Mit 730 000 Euro ist die Grundsteuer ein wesentlicher Posten auf der Einnahmenseite. Stabil und verlässlich zeigt sich die Zweitwohnungssteuer. Sie liegt bei etwa 89 000 Euro. Mit 1108 Euro pro Einwohner liegt die Steuerkraft Wörthsees deutlich über dem Landesdurchschnitt vergleichbarer Kommunen (797 Euro). Im Landkreis Starnberg steht Wörthsee auf Platz Zehn.

Ausgaben

2,67 Millionen Euro muss Wörthsee an den Kreis überweisen. Damit bleibt die Kreisumlage der größte Brocken bei den Ausgaben, abgesehen von den restlichen 3,4 Millionen, die noch für den Schulneubau fällig sind. Die Personalkosten liegen bei 1,28 Millionen Euro. Viel Geld in Form von Umlagen muss Wörthsee für das Gymnasium Gilching (100 000 Euro), für die Realschule Herrsching (27 000 Euro) und für die Chirurgische Klinik Seefeld (42 000 Euro) zahlen.

Zuschüsse

Trotz magerer Rücklagen kann die Gemeinde freiwillige Zuschüsse zahlen. Das liegt unter anderm daran, dass 2015 nicht wie angenommen Kredite in Höhe von vier, sondern nur zwei Millionen aufgenommen werden mussten. Ein Beweis dafür, dass die hohen Kosten für den Schulneubau von Anfang an richtig durchkalkuliert waren. Zur Finanzierung musste nicht einmal Gemeindegrund verkauft werden. So könne sich über kleinere Beträge unter anderem Musikschulen, Frauenverein, Vogel- und Naturschützer freuen. Mehr Geld gibt es für die Nachbarschaftshilfe und den Sportclub Wörthsee. 600 000 Euro kann sich die Gemeinde für einen neuen Fuhrpark leisten: ein Unimog für den Bauhof, ein Löschfahrzeug für die Feuerwehr Etterschlag, ein Mehrzweckfahrzeug für die Feuerwehr Steinebach-Auing und ein Mannschaftstransportwagen für die Feuerwehr Walchstadt. Dazu kommen 260 000 Euro für die Schützenvereine und die Stockschützen. Ende 2016 liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei 872 Euro, 2015 waren es noch 916 Euro. Bis 2025 will der Kämmerer schuldenfrei sein. Kredite werden heuer keine aufgenommen.

Angesichts drohender steigender Umlagen für den Landkreis, die weiterführenden Schulen und die Klinik waren sich die Wörthseer Gemeinderäte einig, dass sie an der sparsamen Haushaltsführung der vergangenen Jahre festhalten müssen und auch wollen. "Wir können pro Jahr 1,5 Millionen Euro erwirtschaften", erklärte der Kämmerer. Das reicht für Schule, Kinderbetreuung, Altenclub und Bauhof, "was halt nötig ist". Der Etat 2016 wurde einstimmig verabschiedet.