Wörthsee Aldi stößt weiter auf Ablehnung

Eine große Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach mit viel Grün - so hatte Aldi das Modell für das geplante Logistikzentrum an der Lindauer Autobahn präsentiert.

(Foto: Simulation: Aldi/oh)

Manager des Discounters will ausloten, ob sich die Stimmung im Wörthseer Gemeinderat zwei Jahre nach dem Bürgerentscheid gedreht hat. Doch die breite Mehrheit kann sich immer noch nicht für den Vorschlag erwärmen, an der Lindauer Autobahn ein Logistikzentrum zu bauen

Von Christine Setzwein, Wörthsee

Was sich die Wörthseer Gemeinderäte vom Auftritt Michael Klöters genau erwartet hatten, wussten sie wohl selber nicht so recht. Auf alle Fälle sollte es irgendwas Neues sein. Was sie am Mittwochabend zu hören bekamen, war dagegen Altbekanntes. Nicht einmal die vielen neuen Gemeinderäte erfuhren mehr, als sie ohnehin bereits wussten. Dirk Bödicker (Wörthsee-Aktiv) brachte es auf den Punkt. "Ich bin tief enttäuscht."

Offensichtlich wollte Klöter, der seit 26 Jahren Projektleiter bei Aldi-Süd ist, ausloten, ob sich die Stimmung in Wörthsee gedreht haben könnte. Per Bürgerentscheid hatten die Wörthseer im Februar 2014 die Ansiedlung eines Aldi-Logistikzentrums in Etterschlag abgelehnt. Obwohl der Discounter der Gemeinde zehn Millionen Euro für das 13 Hektar große Areal "Am Ziegelstadl" geboten hatte. Ein nicht erschlossenes Grundstück im Landschaftsschutzgebiet, aber direkt an der Lindauer Autobahn gelegen. Eine andere Fläche an der A 96 hat der Discounter in den vergangen zwei Jahren nicht gefunden. Seit längerem schon will Aldi aus Platzgründen aus Eichenau weg, und ein neues Logistikzentrum soll nahe der Autobahn sein, weil von dort aus etwa 50 Filialen im Münchner Westen und im Oberland versorgt werden sollen.

Zehn Millionen Kaufpreis, auf dem Dach die größte Fotovoltaikanlage des Landkreises, weniger Lkw-Verkehr auf den Landstraßen, dauerhafte Gewerbesteuerzahlungen an die Gemeinde und eine Verbesserung des Biotops auf dem Gelände: So lautete das Angebot Klöters vor zwei Jahren und so lautete es auch am Mittwoch. Trotzdem sprach der 50-Jährige von "dramatischen Veränderungen", die sich seit dem Bürgerentscheid ergeben hätten. Dazu gehörten die vielen neuen Gemeinderäte, die angespannte finanzielle Situation der Kommunen und der "Rückwärtsgang" bei der Energiewende. Diese könnte dank der großen Fotovoltaikanlage und des geringeren CO₂-Ausstoßes durch weniger Lkw-Verkehr wieder in die Gänge gebracht werden, sagte Klöter. Um den Etterschlagern die Sorge zu nehmen, es könnte irgendwann vom Ziegelstadl bis zur Ortsgrenze ein riesiges Gewerbegebiet entstehen, sei Aldi bereit, Ausgleichsflächen dort anzukaufen.

Was denn daran neu sein solle, fragte nicht nur Florian Tyroller (Grüne). Er sehe keinerlei Entgegenkommen von Seiten Aldis, sagte Bödicker. Alle Nachteile für die Gemeinde wie Versiegelung und mehr Lkw-Verkehr seien auch heute noch gültig, meinte Klaus Kaplaner (SPD). Ein Logistikzentrum am Ortseingang verändere die Seele dieses Ortes, "und die wollen wir nicht preisgeben".

Einzig Martina Jursch (CSU) sprach sich für die Ansiedlung aus, wie schon vor zwei Jahren. Der von Aldi vorgeschlagene Standort sei weit genug weg vom Ort, und mit dem Kaufpreis könne der Haushalt saniert werden. Angesichts drohender steigender Kreisumlage und der "Asylproblematik" betrachte sie den Verkauf des Ziegelstadls "als Chance".

Bürgermeisterin Christel Muggenthal (SPD) hatte schon im Vorfeld der Sitzung erklärt, dass sie weiterhin gegen ein Logistikzentrum in Wörthsee sei. Sollte die Mehrheit des Gemeinderats seine Meinung ändern, werde an einem neuen Bürgerentscheid kein Weg vorbeiführen. "Ich habe keine wirklichen Bedenken gehört, Sie sind nur dagegen", lautete das Fazit Klöters, bevor er die Sitzung verließ.

Zu Wort gemeldet haben sich auch schon die Kreisgrünen. Sprecher Bernd Pfitzner appelliert an die Wörthseer Gemeinderäte, "dass sie das eindeutige Votum der Bürger von vor zwei Jahren respektieren und bei der Ablehnung des Logistikzentrums bleiben".