"Wirtshaus-Tour" Lächeln und noch einen Joint rauchen

Gesellschaftskritischer Liedermacher und bekennender Kiffer: Hans Söllner genießt Kultstatus auf bayerischen Bühnen wie im Traubinger "Dorfstadl".

(Foto: Nila Thiel)

Liedermacher Hans Söller empfiehlt in Traubing einen entspannten Umgang mit der Staatsmacht

Von Peter Haacke, Traubing

Noch nie hat er ein Blatt vor den Mund genommen, der Hans Söllner, selbst dann nicht, wenn es ihn teuer zu stehen kam. Gut 35 Jahre lang macht der Liedermacher das schon, kritisiert Ungerechtig- und Schlechtigkeiten dieser Welt, schimpft auf Politiker, dass es nur so kracht, prangert Bauern an, dass sie ihren Hendln kaltherzig die Schnäbel abschneiden und gleichzeitig beteuern, wie lieb sie ihre Tiere doch haben. Und er predigt freien Marihuana-Konsum, was ihm schon reichlich Ärger einbrachte. Im Rahmen seiner laufenden Wirtshaus-Tour gastierte der 60-Jährige am Samstag im ausverkauften Dorfstadl in Traubing und bot etwa 200 eingeschworenen Fans eine Show, bei der er Anekdoten, Kuriositäten und Widersprüche aus dem prallen Leben mit Liedern kombinierte, mit denen er jedoch niemals in der Hitparade landen wird.

Söllner steht im Schottenrock auf der Bühne, nuschelt in breitestem Bairisch vor sich hin und muss oft selbst darüber lachen, was er da so gerade erzählt: Dafür lieben sie ihn, den Rasta aus Reichenhall, den bayerischen Marihuana-Freiheitskämpfer aus dem Berchtesgadener Land, der scharfsinnige Texte munter plaudernd mit Kuriosem, Nachdenklichem und Privatem vermischt. Und, ja: Irgendwie ist das alles auch sehr traurig, die Angst vor der Zukunft und vorm Sterben. Vielleicht wird alles gut, vielleicht auch nicht. Verstehst? Trostlosigkeit, Leere, Einsamkeit, Liebe, Gott und der gegenseitige Respekt: Auch das sind Themen, denen Söllner sich in seinen Liedern widmet.

Vor allem das zerrüttete Verhältnis zur Obrigkeit hat Söllner geprägt. Im vergangenen Jahr in Feldafing habe es ihm die Staatsmacht wieder mal gezeigt, berichtete Veranstalter Sepp Hofrichter. Zu seinem Auftritt sei der Liedermacher deswegen eine Stunde zu spät gekommen. Die Polizei habe sein Auto durchsucht, rund um die Gemeinde seien Uniformierte mit fünf Mannschaftsbussen stationiert gewesen.

Dass im Publikum Beamte in Zivil sitzen könnten, die jede Beleidigung gegen Politiker oder Richter notieren, daran hat sich Söllner gewöhnt. Was ihn aber nicht davon abhält, weiter zu machen - auch mit seinem Marihuana-Konsum. Wenn er mit der Kettensäge durchs Publikum gehen würde, scherzt er in Traubing, im Drogenwahn ein Massaker im Publikum veranstalten würde: "Mei, ihr habts es doch gewusst", sagt er und lacht über seinen derben Scherz ebenso wie sein Publikum vom zarten Jugendalter bis hin zu Senioren, die meinen, dass der Söllner längst die bayerische Verdienstmedaille verdient hätte.

Wehmut kommt auf, als er im Stil von Bob Dylan seine Botschaften mit Gitarre und Mundharmonika verkündet. "Ich hab' dich kennengelernt im Frühling, da warst du aufrecht, frech und laut", singt er. Jetzt wird's Winter, und alles ist anders. Manchmal beschleicht Söllner sogar das Gefühl: Es merkt keiner, dass es ihn schon so lange gibt. Zwischen den Songs tauchen immer wieder die Hühner auf, die man einfach nicht mehr essen sollte, und die Polizei. Aus "Der Huaba", ein antifaschistisches Lied vom Deppen, der sich zum Vollidioten entwickelt, macht er den "Hofer" und stellt fest: "Des is wia a neies Lied."

Nach der Pause dreht Söllner richtig auf: "Ich find', dass alle Politiker blöd sind", sagt er. Für Bestecher, Verschwender, Heuchler, Verpester, Volksverhetzer hält er sie. Er erzählt von seiner Vision, wie Polizisten Söllner in der Eisdiele am Nebentisch beim Joint drehen beobachten, und der eine Beamte sagt zum anderen: "Hey, lass den, des ist der Söllner. Das gibt sonst Ärger." Dazu der Tipp, dass man Polizisten bei Kontrollen stets anlächeln sollte: "Sie können nicht mit lachenden Leuten umgehen". Ach ja, die Polizei war auch da. Aber nur einmal, kurz vor Söllners Auftritt.