Wirtschaftsserie, Teil 4: "Vater, Mutter, Firma" Zwei Brüder geben Gas

Stefan und Florian Koburger haben die Firma Montana zum internationalen Energielieferanten ausgebaut

Von Frederick Mersi, Grünwald

Betrachtet man die Firmenzentrale der Montana Group GmbH, erahnt man kaum, dass es sich um den Hauptsitz eines Unternehmens mit mehreren hundert Millionen Euro Jahresumsatz handelt. Der Gebäudekomplex umfasst zwei Stockwerke, das Firmenlogo neben der Eingangstür ist dezent gehalten. Doch in 55 Jahren hat sich das Unternehmen von einem lokalen Heizöllieferanten zu einem nationalen Energieversorger mit 190 Mitarbeitern gewandelt.

Die Firmengeschichte beginnt mit Karl Koburger, der sich 1960 als Manager beim Mineralölkonzern Esso mit einem Liefervertrag des Konzerns für die Region München selbständig macht. Fünf Jahre später kommt das Angebot von technischen Wärmeservices hinzu, im Jahr 1980 werden Kraft- und Schmierstoffe aufgenommen sowie Flüssiggas, schweres Heizöl und Bitumen, das unter anderem zum Schweißen verwendet wird. Zur Jahrtausendwende folgt der Umbruch: Zunächst werden Solarenergie, Pellets und Biokraftstoffe ins Angebot aufgenommen, wenig später gibt Koburger seine Position als Geschäftsführer an seinen ältesten Sohn Stefan weiter. "Ich wurde schon ein bisschen ins kalte Wasser geworfen", sagt dieser rückblickend. Als er einer von drei Geschäftsführern wird, ist er 27 Jahre alt und hat vor nicht allzu langer Zeit sein Wirtschaftsstudium in Hamburg abgeschlossen. "Die ersten Jahre waren eine Herausforderung. Man will sich selbst, dem Vater und den Mitarbeitern beweisen, dass man nicht nur in der Position ist, weil man eben der Sohn ist", sagt er. Die breite Mehrheit der Belegschaft sei damals älter gewesen als er, viele waren seit der Anfangszeit im Unternehmen tätig. Sein Bruder Florian, der vier Jahre später mit 26 Jahren in die Unternehmensleitung kommt, pflichtet ihm bei: "Es gibt einen gewissen Druck, den man sich vor allem selbst macht."

Es war damals keine Überraschung, dass die beiden Söhne Koburgers das Unternehmen übernehmen. Beide haben sich schon Jahre darauf vorbereitet. "Ich habe schon mit 15 hier meine ersten Sommerpraktika gemacht", sagt Florian Koburger. Die Schwester der beiden studiert währenddessen zunächst Volkswirtschaftslehre, später Psychologie. Auch sie hält Anteile des Unternehmens, steigt aber nicht in die Leitung ein. Daher sind mit den beiden Brüdern Koburger, Alexander Rappold und Clemens Wodniansky ausschließlich Männer in der Geschäftsführung. "Allerdings arbeiten heute bei uns im Unternehmen mehr Frauen als Männer", merkt Stefan Koburger an.

Jung und erfolgreich: die Brüder Stefan und Florian Koburger.

(Foto: Claus Schunk)

Der große Coup gelingt dem neuen Vorstandsteam 2008: Mit der Liberalisierung des Erdgasmarktes gelingt es Montana, zunächst in Bayern die Versorgung von Endverbrauchern anzubieten. Trotz anfänglicher Widerstände entwickelt sich die Expansion zur Erfolgsgeschichte: Das Angebot wird zunächst auf Baden-Württemberg, später auf ganz Deutschland und 2011 sogar auf Österreich ausgeweitet. In dieser Phase macht sich bezahlt, dass die Unternehmensgruppe mit den Stadtwerken Rosenheim kooperiert. "Für die war das ein Vehikel, um noch von der unaufhaltsamen Liberalisierung des Erdgasmarktes zu profitieren", erklärt Stefan Koburger. Der Deal lautet: Montana erhält Dienstleistungen der Stadtwerke, die sonst mit hohen Fixkosten verbunden wären. Im Gegenzug sichern sich die Stadtwerke 30 Prozent der Erdgasversorgung. Der Vorteil für Montana: Das Unternehmen benötigt zum Start kein aufwendiges und teures Softwaresystem für Abrechnungsprozesse, und nach fünf Jahren kauft man sich die Anteile der Stadtwerke in der Erdgasversorgung zurück.

Mit wenig Startkapital viel erreichen: Das habe schon Vater Karl Koburger getan, sagt Sohn Florian. Daher werden Investitionen des Familienunternehmens, wie zu Beginn in den Sechzigerjahren, ausschließlich mit Eigenkapital getätigt. "Wir sind absolut bankenunabhängig und mit unseren Entscheidungen niemandem Rechenschaft schuldig", sagt Stefan Koburger. Das mache Entscheidungen einfacher und eine nachhaltige Unternehmensentwicklung möglich: "Wir versuchen nicht, nur für fünf Jahre die Ergebnisse zu optimieren", fügt Bruder Florian hinzu. Schließlich soll das Unternehmen nach dem Willen des Vaters über weitere Generationen im Besitz der Familie bleiben. Ihre Anteile können die Brüder nur an ihre Geschwister verkaufen. Große Sorgen über eine höhere Erbschaftssteuer, wie sie zurzeit diskutiert wird, machen sich die beiden nicht. "Wir haben das Thema nicht im Detail verfolgt", bekennt Florian Koburger. Die Nachfolge sei bereits vollständig geregelt. "Bis wir uns damit wieder beschäftigen müssen, wird es wahrscheinlich schon wieder fünf Reformen im Steuerrecht geben", sagt Stefan Koburger.

Für die Firma drängendere Probleme sind erst einmal die Regulierung des Gasmarktes, die Einführung des Mindestlohns und das damit verbundene Mehr an bürokratischem Aufwand. "Das wird nicht weniger, sondern immer mehr", sagt Stefan Koburger. Als Beispiele nennen die beiden Brüder eine Verordnung der Europäischen Union, nach der seit 2011 alle Erdgaskäufe gemeldet werden müssen, um Marktmanipulationen erkennen zu können, sowie das neue IT-Sicherheitsgesetz, das Firmen verpflichten soll, sich besser gegen Angriffe im Internet zu schützen. Grundsätzlich habe man dabei Verständnis für die Politik, betonen die Brüder, aber: "Da schießt man aus unserer Sicht ein bisschen übers Ziel hinaus."

Statt sich auf diese Entwicklungen zu konzentrieren, richten die beiden Geschäftsführer den Blick lieber nach vorn. Ende des Jahres soll ein wichtiges Projekt abgeschlossen werden: Seit 2013 bietet Montana Strom in Deutschland an, auf Wunsch auch zu 100 Prozent aus Wasserkraft. Im vierten Quartal wird das Angebot auf Österreich ausgeweitet. "Gas und Strom gebietsunabhängig anbieten zu können, war unser großes Ziel. Das wollen wir jetzt konsolidieren", sagt Stefan Koburger. Nicht schnell, sondern nachhaltig und bei Aufrechterhaltung der Kundenbeziehungen will man sich bei Montana entwickeln.

Vater Karl Koburger sei stolz auf ihre Erfolge, sagen die beiden Brüder: "Er freut sich, dass es dem Unternehmen so gut geht." Die Firmenzentrale mit ihren 85 Mitarbeitern soll bis auf Weiteres in Grünwald bleiben. Man kennt sich innerhalb des Gebäudes, auch nach dem Generationenwechsel. "Die Gewerbesteuer ist natürlich vorteilhaft: 240 statt wie in München 490 Prozent", merkt Stefan Koburger, lacht und fügt hinzu: "Und wir mögen die gute Luft."