Wirtschaft Webasto eröffnet 40-Millionen-Entwicklungszentrum in Stockdorf

Der Automobilzulieferer weiht den Standort mit viel Prominenz ein. Hier werden künftig etwa Autodächer geprüft, bevor sie in Serie gehen.

Von Otto Fritscher

Es sind ungeheure Kräfte, die hier auf die in feste Rahmen eingespannten Schiebedächer einwirken. Die Autoteile werden - hin und her, rauf und runter bewegt, geschüttelt und gerüttelt von einem 60 Tonnen schweren Betonblock - auf ihre Haltbarkeit geprüft. "Shaker" nennen die Ingenieure denn auch den Rüttelbock, der auf riesigen Luftpolstern im Keller des neuen Entwicklungszentrums von Webasto steht. Die Schwingungen dürfen sich keinesfalls auf das neue Gebäude übertragen. "Sonst fällt die Bude zusammen", sagt salopp einer, der es wissen muss, am Rande der Einweihungsfeier am Montag. Dazu gibt es elf Kältekammern, um die Materialfestigkeit von Cabrio- und Schiebedächern im Temperaturbereich von minus 40 bis plus 90 Grad zu testen - und eine Kammer, in der so viel simuliertes Sonnenlicht in zehn Tagen auf ein Dach geschossen wird, wie sonst in zehn Jahren in freier Wildbahn. "Das hier ist kein Spielplatz für Ingenieure, sondern dient dazu, unsere Produkte so haltbar zu machen wie möglich", erklärt Michael Stepanowitz, Leiter des Versuchszentrums. So wird ein Schiebedach 15 000 Mal geöffnet und geschlossen, bevor es in die Serienproduktion geht, x-mal mehr als es in einem Autoleben normalerweise vorkommt.

Webasto-Chef Holger Engelmann (l.) und Bernhard Mattes, Präsident des Verbands der Automobilindustrie.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Ein großer Kraftakt war es auch für Webasto, im laufenden Betrieb auf dem Firmengelände das Verwaltungs- und Entwicklungszentrum zu errichten. 40 Millionen Euro hat der dreigeschossige Komplex samt einer zweigeschossigen Tiefgarage für 220 Autos gekostet. Rund zweieinhalb Jahre betrug die Bauzeit, nun spiegelt sich in der abgerundeten, rund 150 Meter langen Fassade zur Kraillinger Straße hin die Vormittagssonne.

Auffallend das sogenannte Flugdach, ein freitragender Vorsprung über dem dritten Stock. Im Erdgeschoss und darunter sind die Quälmaschinen für die Dachkomponenten untergebracht, rund 100 Mitarbeiter, zumeist Ingenieure, arbeiten hier. In den Stockwerken darüber residiert die Hauptverwaltung, das Interieur ist hell und großzügig, es gibt kaum Einzelbüros, sondern offene Arbeitsplätze. Das Gebäude hat Architekt Achim Hoffmann aus Gräfelfing konzipiert.

Die Fassade aus Stahl und Glas des neuen Entwicklungszentrums von Webasto in Stockdorf folgt dem Verlauf der Kraillinger Straße.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Natürlich wird mit viel Prominenz gefeiert. Webasto-Chef Holger Engelmann kann den neuen bayerischen Wirtschaftsminister Franz-Josef Pschierer begrüßen; der Vorgänger von Engelmann und ehemalige Audi-Chef, Franz-Josef Kortüm, kommt als Aufsichtsratsvize standesgemäß mit einem Mercedes-Oldtimer. Auch Bernhard Mattes, ehemals Ford-Chef und jetzt Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, ist gekommen.

Natürlich ist auch die lokale Prominenz da. Landrat Karl Roth hat zwar in den letzten beiden Dienstwagen "kein Schiebedach mehr, weil ich es nicht gebraucht habe, aber in meinem jetzigen natürlich eine Standheizung, natürlich von Webasto." Gautings Bürgermeisterin Brigitte Kössinger zeigt sich "begeistert davon, wie sich die Fassade aus Stahl und Glas an die Straße anschmiegt, ein architektonisches Meisterstück." Und sie freut sich, dass die im Volksmund "Vereinigten Hüttenwerke" genannten alten Gebäude auf dem weitläufigen Werksgelände nun nicht mehr zu sehen sind. Kraillings Bürgermeisterin Christine Borst sagt nur "super".

Die Modernisierung des Stammsitzes ist mit dem neuen Entwicklungszentrum aber nicht abgeschlossen. In drei bis vier Jahren soll ein neues Gebäude spiegelbildlich in südlicher Richtung errichtet werden. Das Gebäude 1, das erste auf dem Firmengelände soll aber auf jeden Fall erhalten bleiben. Dies liege Firmeninhaber Werner Baier am Herzen, so hört man.