Wasserwacht Starnberg Ab ins Becken

Schwimmunterricht für Schulkinder im Starnberger Hallenbad.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Starnberger Retter hoffen auf eine baldige Wiedereröffnung des Hallenbads in der Kreisstadt. Ihnen fehlen ein Platz zum Trainieren - und die Einnahmen aus den Schwimmkursen.

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Starnberg

Die BRK-Wasserwacht Starnberg kämpft mit den Finanzen. Der Grund dafür ist der Steg vor der Rettungshütte am Badegelände in Percha. Er muss komplett erneuert werden. Die Kosten dafür wurden mit mindestens 40 000 Euro veranschlagt. Dabei fehlen dem Verein die Einnahmen aus den Schwimmkursen, die er bislang angeboten hatte. Weil das Hallenbad der Kreisstadt seit langem saniert wird, mussten diese ausfallen - ebenso wie das Training der Wacht. Nun soll das Bad im April wieder eröffnet werden. "Ich bin guter Hoffnung", sagte der Vorsitzende, Markus Bucher, in der Jahresversammlung am Freitag.

Obwohl die Wasserwacht den Steg vorwiegend in Eigenleistung baut, ist das Material sehr teuer. Etwa 20 000 Euro hat der Verein im vergangenen Jahr für den Abriss des Stegs sowie den Austausch eines Teils der Stegpfosten und Erneuerung des Belags investiert. Das brachte dem Verein ein Defizit von knapp 10 000 Euro ein. In diesem Jahr sind weitere 20 000 Euro fällig, um den Steg fertigstellen zu können. Die Bürgermeisterin Eva John sagte nun der Wasserwacht für den Neubau des Stegs eine Finanzspritze der Stadt zu.

Unterstützen will sie die Rettungskräfte auch bei der Frage, wo und wie sie in Zukunft ihr Training absolvieren können. Sie sei zuversichtlich, dass alle Nöte und Bedürfnisse der Wasserwacht berücksichtigt werden könnten, sagte sie. In den vergangenen Jahren sind sowohl die Übungseinheiten der Rettungsschwimmer und der Jugendlichen weitgehend ausfallen. Denn ein Ersatz für das Hallenbad konnte weder im Landkreis noch in den Nachbarlandkreisen gefunden werden. Das einzige Hallenbad in der Region, das über ein Trainingsbecken verfügt, ist in Pöcking. Es ist jedoch total ausgebucht. Leider würden nur noch Spaßbäder gebaut, in denen kein Training möglich sei, bedauerte Bucher am Rande der Veranstaltung. Lediglich in den Sommermonaten habe man trainieren können. Das sei zu wenig.

Auch die Schwimmkurse, mit denen der Verein seine Einnahmen aufgebessert hatte, mussten ausfallen. Weil die Zahl der Todesfälle durch Ertrinken zunimmt, hält die Wasserwacht Schwimmkurse für Kinder und Flüchtlinge für notwendig. Nun stehen die Aktiven der Wasserrettung in den Startlöchern, um den gewohnten Betrieb wieder aufnehmen zu können. Laut Bucher werden bereits erste Sondierungsgespräche mit dem Bademeister geführt, um die neuen Trainingszeiten festzulegen. Er hoffe, dass in seinem Rechenschaftsbericht unter der Rubrik "Rettungsschwimmkurse, Frühschwimmer-Abzeichen und Anfängerschwimmkurse" zum letzten Mal stehe "leider wegen fehlendem Hallenbad ausgefallen", sagte der Wasserwachtchef.

Die Wasserwacht Starnberg unterstützt auch die Wasserretter der Nachbargemeinden, beispielsweise bei den Tauchunfällen an der Seeburg oder bei einer Vermisstensuche. Zudem befreit sie den See von Müll. Die Taucher haben dabei 250 Pfandflaschen aus dem Wasser geholt. Insgesamt 6000 ehrenamtliche Arbeitsstunden wurden bei der BRK-Wasserwacht 2017 geleistet, darunter drei Lebensrettungen, zwölf Übergaben an den Rettungsdienst, aber auch eine Totenbergung. Meist finden die Rettungseinsätze während der Arbeitszeit der 74 Aktiven statt. Es sei besonders ärgerlich, wenn die Einsätze während der Anfahrt wieder abgesagt würden, sagte Bucher.