Von Michael Berzl

Der Wasserstand des Starnberger Sees hat ein Rekordniveau erreicht und verharrt dort. Trotz Regenpause - denn an dem See gelten besondere Gesetze.

Rundherum drückt das Wasser nach. Äcker und Wiesen sind vollgesogen und können nichts mehr aufnehmen. So liefert jeder Regenguss, der jetzt noch kommt, dem Starnberger See Nachschub. Denn hier gelten besondere Gesetze.

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Hochwasser am Starnberger See: Es wird nicht weniger. (© dpa)

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Der fast 20 Kilometer lange und an manchen Stellen knapp 130 Meter tiefe See hat kaum nennenswerte Zuflüsse, doch strömt stetig Grundwasser von unten nach. Und so verharrt der Pegel auch bei dem derzeit trockenen und sonnigen Wetter auf Rekordniveau.

Seit 40 Jahren wird der Pegel aufgezeichnet. Und mittlerweile sei ein Stand erreicht wie seither noch nie, berichtete der Geschäftsführer der bayerischen Seenschifffahrt, Walter Stürzl, als sich Finanzminister Georg Fahrenschon Anfang dieser Woche auf der Seepromenade über die Lage informierte. Am Dienstag maß der Hochwassernachrichtendienst einen Pegel von 585,03 Zentimetern; das sind etwa 80 Zentimeter mehr als normal.

Und das dürfte auch noch eine Weile so bleiben. Günter Engel zum Beispiel, der Kapitän der MS Starnberg, rechnet damit, dass noch Wochen vergehen, bis sich der Stand normalisiert. Daher bietet er vorerst nur eine große Rundfahrt an: Passagiere können in Starnberg und Tutzing zu- und aussteigen; die anderen sieben Stopps sind gestrichen. So fällt auch die beliebte Tour zum Buchheim-Museum aus. "Das wirkt sich natürlich aus", sagt Museumssprecherin Sabine Bergmann. Täglich erkundigten sich viele Anrufer, wann sie wieder mit dem Schiff nach Bernried kommen können.

Das wird noch dauern, denn der Abfluss in die Würm am nördlichen Ende des Sees ist begrenzt. Das Wasser drängt durch drei Röhren unter dem Autobahnzubringer hindurch, ehe der Fluss durch das Leutstettener Moos und das Mühltal mit vielen natürlichen Hindernissen mäandert. In Leutstetten gilt immer noch Meldestufe 3; der Pegel ist dort seit Montag gerade einmal um einen Zentimeter zurückgegangen. Auch im weiteren Verlauf in Obermenzing sind kaum Veränderungen festzustellen.

Währenddessen kämpfen die Bewohner der Wassersportsiedlung in Starnberg weiter mit den Fluten. Dort stehen Straßen unter Wasser, um Häuser sind Sandsackbarrikaden errichtet, überall laufen Pumpen. Auch in der Stadt selbst sind Keller vollgelaufen, an der Wittelsbacher Straße zum Beispiel, wo der Tourismusverband seinen Sitz hat. Wie groß die Schäden hier und in Traubing sind, wo der sonst harmlose "Schwarze Graben" zu einem reißenden Fluss wurde, kann bisher niemand beziffern.

Die Würm rauscht immer noch bedrohlich hoch Richtung Norden, einzelne Gärten sind überflutet, auch über die Mauer am Schwimmbad schwappt das Wasser. Doch die Gautinger haben einen Joker, wenn es in Stockdorf und Richtung München wieder brenzlig wird. Die Gemeinde hatte am Freitag einen Auslauf zu einer Flutmulde im Grubmühler Feld aufgebaggert. Prompt sank der Pegel in Obermenzing. Nun ist das Uferstück wieder geschlossen, damit das Wasser versickern und die Vertiefung notfalls erneut geflutet werden kann.

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(SZ vom 11.08.2010/sonn)