Wartaweil Grenzenlose Spiellandschaft

Der erste barrierefreie Naturerlebnispark des Fünfseenlands ist in Wartaweil eröffnet worden, Schüler halfen beim Bau.

Von Armin Greune

WartaweilDas Fünfseenland ist um eine Freizeitattraktion reicher: Für Einheimische und Urlaubsgäste, Behinderte und Nichtbehinderte, Kleinkinder, Schüler und Jugendliche, Eltern und Großeltern steht nun der Naturerlebnispark am Schullandheim Wartaweil immer offen. Reizvoll gelegen am Ammerseeufer ist eine Spiellandschaft mit 14 barrierefreien Stationen entstanden, die im weiten Umkreis beispiellos ist. Alle Erläuterungen sind in bewusst einfacher Sprache gehalten, die Infotafeln tragen auch Blindenschrift und Symbole - um niemand vom Spaß auszugrenzen.

Kunst aus Stahl und Spiegeln säumt den neuen Naturerlebnispfad am Schullandheim Wartaweil. Die Skulpturen und Objekte wurden mit Hilfe eines örtlichen Schmieds von den Schülerinnen der Dießener Mädchenrealschule geschaffen - die bereits bei der Konzeption des gesamten Projekts mitwirkten. Foto: Treybal

(Foto: Georgine Treybal)

Nur 135 000 Euro hat das mit EU-Mitteln der Leaderaktionsgruppe Ammersee geförderte Projekt gekostet. Möglich wurde dies durch die Mitarbeit von rund 500 Kinder und Jugendlichen in 30 Arbeitsgruppen - darunter vielen Schulklassen aus dem Fünfseenland. Das Ergebnis sei nur die Hälfte des Gewinns, sagte Landrat Karl Roth bei der feierlichen Eröffnung am Freitagvormittag: Mindestens ebenso wichtig sei, "was bei der Entstehung in den Köpfen vorging". Projektleiter Markus Blacek konnte das bestätigen: Auch wenn nicht bei allen Arbeiten die gewünschte Kooperation von Behinderten und Nichtbehinderten umgesetzt werden konnte, seien alle Kinder für die Probleme von Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen sensibilisiert worden. Aus diesem Grund wurde das Projekt bereits vor der Eröffnung vom Bundesbeauftragten für Behindertenfragen mit einem "Inklusionsfähnchen" ausgezeichnet. Auch für die Leaderbeauftragte Angelika Schaller ist der Naturerlebnispfad ein "beispielhaftes Projekt", das die Bildung von Netzwerken und einer regionalen Identität sowie die Wertschätzung für die Natur fördere.

An Konzeption und Bau der weitläufigen Anlage waren unter anderem Grundschüler aus Herrsching, Andechs und Pähl beteiligt, ebenso wie die Volksschüler aus Utting und die Montessorischüler Inning. Vor allem aber ist der Beitrag der Mädchenrealschule Dießen hervorzuheben, die bereits vor drei Jahren mit Gruppen aus dem Diakoniedorf Herzogsägmühle und dem Verein "Helfende Hände" in ideeller wie praktischer Weise den Grundstein des Projekts gelegt hatten. Und auch die letzte Bereicherung steuerten Dießener Schülerinnen bei: Kunstobjekte aus Stahl und Spiegeln sind nun entlang des Pfads aufgestellt.

Kräuter- und Obstgarten mit Grassofa, Barfusspfad, eine Weidenwildnis zum Verstecken, eine Kullerbahn auf der Wiese, ein Indianerzelt und zwei Pavillons gehören zu den Erlebnisstationen. Unter den 200 Schulkindern, die zur Eröffnung eingeladen waren, war der Wasserspielplatz mit Brunnen und 40 Meter langer Holzrinne besonders begehrt. Eine der beiden igluartigen Hörstationen unter Zweigen und Ästen hat schon eine Umnutzung als Teeküche erfahren - ganz im Sinne Blaceks, der weder der Kreativität der Kinder noch dem "Wildwuchs" der Natur zu enge Grenzen setzen will. Letztere hat sich schon eingefunden: Das Insektenhotel ist gut gebucht, am Steinhaufen daneben finden Zauneidechsen und Mauswiesel Lebensraum.