Verkehr Streit um neue Anlieger-frei-Zone in Starnberg

Anwohner zwischen Hanfelder Straße und Bahn hoffen auf weniger Schleichverkehr. Die Polizei fürchtet Unfälle, auch das Bauamt kritisiert die Aktion der Stadt.

Von Christian Deussing

Die Autofahrer biegen wie immer von der B 2 in die Rheinlandstraße bei der Starnberger Polizei und dem Gymnasium ab. Sie ignorieren oder übersehen die neue Tempo-30-Zone mit den Anlieger-frei-Schildern. Ständig fahren auch Autos von der Hanfelder Straße in die Otto-Gaßner-Straße in Richtung Amtsgericht. Beide Routen sind Bypässe, um den Staus zu entgehen. Doch jetzt verbietet die Stadt auf Probe für eineinhalb Jahren den Schleich- und Durchgangsverkehr in dem Wohn- und Schulviertel zwischen der Hanfelder Straße und Bahnlinie, um das Quartier zu entlasten. Neue Schilder wurden montiert, entbehrliche entfernt. Allerdings wusste das Landratsamt von der Aktion am Dienstag offenkundig nichts.

Man hätte aber die "verkehrsrechtliche Anordnung erhalten müssen" und werde daher den Fall prüfen, sagte ein Sprecher der Kreisbehörde. Dagegen betonte Stadtsprecherin Lena Choi, dass bereits im Januar 2017 das Landratsamt über das Verkehrskonzept informiert worden sei und sich die Stadträte später dafür entschieden hätten. Weil nur städtische Straßen von den Änderungen betroffen seien, hätten die "verkehrsrechtliche Anordnung wie üblich Polizei und Feuerwehr" erhalten, erklärte die Rathaussprecherin.

"Ich glaube, die Aktion funktioniert nur, wenn die neuen Regelungen überwacht werden", sagt Michael Bauer, der sich über weniger Verkehr in seinem Viertel freuen würde. Derweil wundert sich Werner Hoffmann, dass an seiner Ecke Heinrich-Wieland-Straße und Max-Emanuel-Straße seit Kurzem eine andere Vorfahrt gilt, nämlich rechts vor links. "Es wird hier bald krachen", befürchtet der Anlieger. Ähnlich brenzlig sind wohl nun die Vorfahrten an den Einmündungen der Josef-Sigl-Straße und Max-Emanuel-Straße und Bozener Straße sowie zwischen der Josef-Sigl-Straße und dem Riedener Weg. Denn die Autofahrer müssen sich erst an die Situation gewöhnen.

Die neue Zone erfreut eine Anliegerin aus der Schießstättstraße, in die vor allem morgens im Berufsverkehr viele ortskundige Autofahrer vom Hanfelder Berg aus als "schnelle Abkürzung" nutzen würden. Dagegen hat Kersty Zuill ein gewisses Verständnis für genervte Starnberger, wenn sie durch das Wohnviertel fahren, um nicht zu viel Zeit zu verlieren. Die Tempo-30-Zone sei jetzt gut, "aber sicher wirksamer, wenn Schwellen eingebaut werden", betont die 52-jährige Lehrerin.

Die Stadt tritt zwischen Hanfelder Straße und Bahn auf die Bremse. Dort sollen Anwohner, Kitas und Schulen vom Verkehr entlastet werden.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Genervt äußern sich Autofahrer auch in sozialen Netzwerken. Sie befürchten zum Beispiel, dass ein "noch größeres Chaos am Tutzinger-Hof-Platz produziert" werde. Verärgert ist ebenso Fahrlehrer Thomas Schubert - denn man müsse sich an das Durchfahrtsverbot halten, während andere nur einen im Viertel wohnenden "Bekannten" nennen könnten und schon weiterfahren dürften. Fahrlehrer würden in ihrer "Arbeit massiv eingeschränkt".

Starnbergs Polizeichef Bernd Matuschek verweist darauf, dass seine Inspektion die neuen Anordnungen der Stadt nicht empfohlen habe. Sie seien zudem "fast nicht kontrollierbar", überdies müsse sich die Polizei vorrangig "um andere Sachen kümmern", erläutert Matuschek. Wir werden einem nicht hinterherfahren, um zu prüfen, ob er wirklich dort wohnt, jemanden besucht oder zur Post will", so der Polizeichef. Er glaube außerdem, dass die neuen Vorfahrtsregelungen zu mehr Unfällen in dem Gebiet führen. Kritisch äußert sich auch Christian Probst vom Staatlichen Bauamt Weilheim zum Starnberger Modell. Er verweist darauf, dass bislang die Straßen ein "entlastendes Ventil" für B 2 und Hanfelder Straße gewesen seien.