Urlaub mit dem E-Bike Künstlicher Rückenwind im Fünfseenland

Ein sanftes Schnurren begleitet viele Urlauber bei Fahrradtouren im Landkreis Starnberg. Mit E-Bikes touren sie durch das Fünfseenland. Das Netz der Verleihstationen ist zwar noch dünn - das Potential der Elektroräder jedoch groß.

Von Otto Fritscher

Es gibt eine Geschichte, die Klaus Götzl, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Starnberger Fünfseenland, gerne erzählt. Sie handelt vom ehemaligen Sprecher der Gastronomen im Landkreis, Martin Weidenhiller, einer "nicht ganz ungewichtigen Person", wie Götzl durchaus doppelsinnig sagt. Weidenhiller, Wirt der "Alten Linde" in Wieling, sei eine "kritische Person". Aber schon die erste Testfahrt mit dem Movelo, einem speziellen Elektrofahrrad, habe ihn überzeugt: "Weidenhiller ist auf dem Elektro-Bike hinter einem Rennradler hergefahren. Der hat sich sehr gewundert, dass er den grinsenden Radler hinter sich einfach nicht abschütteln konnte."

Seit dieser Testfahrt gönnt sich nicht nur Weidenhiller ab und an den Genuss einer Tour, er gehört auch zu den Hoteliers, die sich der Verleihkette Movelo angeschlossen haben und E-Bikes vermieten - meist an Gäste, manchmal auch an Einheimische. "Elektro-Fahrräder sind ideal für unsere Urlaubsregion", ist Götzl überzeugt. Allein schon die hügelige Topographie begünstige das Radeln mit Unterstützung, "und auch bei älteren Gästen sind E-Bikes sehr beliebt."

Das Problem ist nur: Man muss erst mal an ein Movelo kommen. Gut ein dutzend Verleihstationen gibt es bislang im Fünfseenland, zu wenige, wie Götzl befindet. "Im Prinzip müsste es in jedem größeren Ort eine Stelle geben, wo man Elektroräder mieten und die Akkus bei Bedarf wechseln kann." Götzl will noch im Juni mit gutem Beispiel vorangehen und im Tourismus-Büro an der Wittelsbacher Straße in Starnberg zwei E-Bikes vermieten: "Mehr Platz haben wir nicht."

Es sind die ersten Gehversuche, das Fünfseenland zu einer Movelo-Region zu machen, wie es etwa die Gegend um Kitzbühel oder das Berchtesgadener Land seit mehr als fünf Jahren sind. Denn erst im Frühsommer vergangenen Jahres, erinnert sich Götzl, seien "die Movelo-Leute" auf den Tourismusverband Fünfseenland zugekommen. Ihr Plan, das Gebiet zwischen Ammer- und Starnberger See mit einem Netz von Verleihstationen zu überziehen, die Räder bereitzustellen und für den Service zu sorgen, habe die Gremien schnell überzeugt. "Es war das ausgereifteste Konzept", sagt Götzl.

Allerdings hat es noch Kinderkrankheiten im Fünfseenland: Rund um den Ammersee existiert bislang keine Verleihstation. Im Dießener Bahnhof hatte ein örtlicher Fahrradhändler bereits einen Vormietvertrag und zu renovieren begonnen: Christian Kotter wollte mit dem Verleih im März starten. Doch dann erwarb die Marktgemeinde das Gebäude und bot nur einen Vertrag bis zum Jahresende an - zu unsicher für Kotters Investitionen.

In Tutzing wiederum scheiterte das Movelo-Konzept am angeblich mangelhaften Marketing. Und noch gibt es im Landkreis keinen Fahrradhändler, der vor Ort den Service an den E-Bikes übernehmen würde, wenn etwas kaputt ginge. "Schweizer Qualität", sagt Götzl. Wenn dennoch mal ein Rad ausgetauscht werden muss, wird es aus Berchtesgaden herangekarrt. "Wir sind mit Radhäusern und Sportfachgeschäften in Gesprächen", erklärt Götzl. Auch das Marktpotential, um es kaufmännisch zu sagen, sieht der Tourismus-Experte noch lange nicht ausgeschöpft. Zirka 40 E-Bikes warten zurzeit im Fünfseenland auf strampelwillige Kunden - denn ohne aktives Treten setzen sich die Räder nicht in Fahrt. Eine Marktanalyse geht aber von bis zu 150 Movelos aus, die problemlos vermietet werden könnten. Allerdings ist das ein Saisongeschäft, denn sie werden von Mai bis Oktober angeboten, dann gehen sie ins Winterlager.

Ein Hotelier, der Verleihstation werden will, muss pro Rad eine Monatsmiete von 99 Euro zahlen. Für Urlauber kostet ein Movelo rund 20 Euro pro Tag, für ein Wochenende verlangen die meisten Verleiher 35 Euro. Götzl räumt aber mit einem Irrtum auf: "Wer glaubt, er kann mit dem Vermieten schnell Geld verdienen, ist auf dem Holzweg." Aber: "Movelo-Station zu sein, ist eine gute Möglichkeit, den Gästen einen Zusatznutzen zu bieten und sich von den Mitbewerbern abzuheben", sagt Götzl. Er ist überzeugt, dass die Zahl der Verleiher steigen wird.

Für die wachsende Beliebtheit des Radlurlaubs nennt er noch einen Grund: Endlich haben wir im Landkreis gut beschilderte Radwege." Was hilft, den Radl-Tourismus langsam in Schwung zu bringen: Im Oktober kommt etwa ein 70-köpfige Gruppe aus Norwegen, die das Fünfseenland erkundet - auf Movelos natürlich.