Unwetter in Starnberg Neuer Kreisel völlig überschwemmt

Von einer Schlammschicht musste die Fahrbahn des Kreisverkehrs bei Söcking am Mittwoch nach dem Unwetter freigeräumt werden.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Das Bauwerk bei Söcking ist erst wenige Monate alt, muss aber fast einen ganzen Tag gesperrt werden. Die Entwässerung ist nicht auf solch einen Wolkenbruch ausgelegt.

Von Otto Fritscher

Auch am Tag nach dem Gewitter ist der neue Kreisverkehr zwischen Söcking und Perchting noch gesperrt, "aus Sicherheitsgründen", wie aus dem Staatlichen Bauamt Weilheim verlautet. Bei dem Unwetter am Dienstagabend war der Kreisverkehr völlig überflutet worden, das Wasser stand zum Teil bis zur halben Höhe der Straßenbegrenzungspfosten. Die zufällig vorbeifahrende Söckinger Feuerwehr hatte den Kreisel laut Polizei gegen 17.55 Uhr gesperrt. Zwar lief das Wasser bald wieder ab, aber eine Schlammschicht auf der Fahrbahn blieb zurück. Diese musste am Mittwoch mit Baggern weggeräumt werden. Die Polizei konnte den Knotenpunkt erst gegen 16 Uhr wieder freigeben.

"Das war kein normales Gewitter. Es hat mehr geregnet, als das Entwässerungssystem aufnehmen konnte", erklärt Rainer Pittrich vom Staatlichen Bauamt Weilheim auf Anfrage der SZ. Und er fügt gleich hinzu: "Der Kreisverkehr ist nach den geltenden Vorschriften geplant und gebaut worden." Aber solche Wassermassen, wie sie am Dienstagabend herunterkamen, würden von den Bemessungsgrundlagen, nach denen ein Kreisverkehr gebaut wird, gar nicht erfasst. "Wir gehen von folgendem Wert aus: Wenn es 135 Liter pro Sekunde auf einen Hektar regnet, und das eine Viertelstunde lang, muss das das Entwässerungssystem schaffen." Einfacher ausgedrückt: Eine Regenmenge von 48 Litern pro Quadratmeter in einer Stunde würde in einem speziellen Entwässerungssystem mit Versickerungsrigolen - das sind unterirdische Pufferspeicher aus Kies - neben der Straße versickern. Es habe aber rund 65 Liter pro Quadratmeter geregnet.

Großer, brauner See: So sah der neue Kreisel bei Söcking am Dienstag gegen 18 Uhr aus.

(Foto: Alexandra Schulz)

Und Bauleiter Oliver Schneider verweist noch auf einen anderen Umstand: "Der Kreisverkehr ist eigentlich noch gar nicht fertig. Es fehlt noch die Begrünung an den Böschungen, die momentan noch aus Erde und Kies bestehen. "Wir wollten eigentlich diese Woche das Anspritzgrün aufbringen", sagt Schneider. Das ist eine "klebrige Grassamenmischung", die auf die Kiesböschung gespritzt wird. Bereits nach drei oder vier Tagen sei der erste Anwuchs sichtbar. Die Bepflanzung nimmt dann nicht nur Regenwasser auf, sie verhindert auch, dass "Feinmaterial", also Schlamm und Auswaschungen auf die Straße hinunter gespült werden. "Die Bepflanzung werden wir so schnell wie möglich in Angriff nehmen", sagt Bauleiter Schneider.

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Dass die Entwässerungsmaßnahmen funktionieren, sehe man daran, dass das Wasser zügig wieder abgelaufen sei, sagt Rainer Pittrich. Allerdings war die Fahrbahn eben danach von einer Schlammschicht bedeckt, die von den umgebenden Böschungen heruntergespült worden war. Am Mittwoch waren Straßenmeisterei und Baufirmen noch damit beschäftigt, die Fahrbahn zu säubern. Mit der Freigabe für den Verkehr wolle man warten, bis der Starkregen vorbei sei, erklärte Rainer Pittrich vom Staatlichen Bauamt. "Wäre so ein Unwetter vier oder sechs Wochen später gekommen, dann wäre so eine Überschwemmung nicht passiert", ist Bauleiter Oliver Schneider überzeugt. Starnbergs Bürgermeisterin Eva John erfuhr in einer Sitzung von der Überschwemmung. "Ich bin erschrocken, aber die Helfer haben dann schnell und gut gearbeitet", sagte sie.

Der Kreisverkehr mit einem Durchmesser von 50 Metern ist erst Ende Oktober 2017 in Betrieb genommen worden. Das Bauwerk hat rund 850 000 Euro gekostet. Momentan sind drei "Äste" an den Kreisel angeschlossen. Im November soll dann auch die vierte Anbindung in Richtung Mamhofen freigegeben werden, womit Starnbergs Westumfahrung fertig wäre.

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