Tutzing Ritter der Mariensäule

Am 300. Geburtstag der vergoldeten Statue verkündet Bürgermeister Stephan Wanner, dass die Madonna nun den Tutzingern gehört

Von Gerhard Summer

TutzingDie Frage, wem die Mariensäule gehört, ist bisher eher aus dem Bauch heraus beantwortet worden. Genau genommen den Eigentümern des Grund und Bodens, auf dem sie steht, aber gefühlsmäßig doch eher den Tutzingern, wem sonst? Bürgermeister Stephan Wanner hat die Sache nun zum Glück geklärt. Bevor er an der Reihe ist, spricht Pfarrer Peter Brummer über Frieden, Glauben, Hoffnung und auch darüber, dass der Erlös dieser Feier der teuren Restaurierung der Mariensäule zugute kommt. "Trinken Sie heute möglichst viel, wir begleiten Sie auch nach Hause, wenn's sein muss", sagt Brummer in einem Anflug von Kühnheit. Aber was Wanner zu sagen hat, ist fast noch wichtiger.

Marienmesse und Historienspiel Tutzing Historienspiel und Marienmesse im Festzelt

(Foto: Sta Franz Xaver Fuchs)

Er habe recherchiert, wer nun wirklich Eigentümer der Statue ist, sagt er. Die Suche nach den Originaldokumenten sei leider erfolglos gewesen, letztlich spreche aber viel dafür, dass die Statue den Besitzern des Seehof-Areals gehört. Und es sei ihm gelungen, die neuen Mehrheitsgesellschafter Münchner Grund dazu zu bewegen, den Bürgern die Patrona Bavariae zu überlassen. "Die Tutzingerinnen und Tutzinger sind Eigentümer", ruft Wanner. Und fügt hinzu: Das Ganze werde darauf hinauslaufen, dass die Mariensäule auf die Kirche als juristische Person übertragen wird.

Das ist natürlich eine Nachricht, die gerade recht kommt zu diesem Fest. Denn Tutzing begeht den 300. Geburtstag der neu vergoldeten Mariensäule mit Festgottesdienst, Böllerschießen, Einlagen des Liederkranzes und Blasmusik. 300 Gäste sind am Samstag ins kleine Festzelt gekommen, darunter die Altbürgermeister Alfred Leclaire und Peter Lederer, Landrat Karl Roth, die evangelische Pfarrerin Ulrike Aldebert und Udo Hahn, der Direktor der Evangelischen Akademie, der zu seinem 50. Geburtstag ein Ständchen gesungen bekommt. Die Heimatbühne zeigt ein historisches Spiel zur Entstehungsgeschichte der Statue. Eher eine Lesung des Rezitators Winfried Hauer mit historischen Figuren, Schlachtenlärm vom Band und einem weiß gewandeten Verletzten, der sich im Staub vor der erhöhten Bühne wälzt und dabei von vielen Zuschauern unbeachtet bleibt.

Allerdings wirbeln die Eisheiligen das Programm durcheinander. Die Prozession am Samstag beispielsweise muss wegen des Dauerregens entfallen.