Teure Rathausstühle "Desaströse Ausschreibung"

Von den Freien Wählern im Gemeinderat hart kritisiert worden: Professor Horst Teppert.

(Foto: Fuchs)

Gilchings Freie Wähler üben heftige Kritik am Architekten

Von Christian Deussing, Gilching

Erneut musste sich der Projektleiter des neuen Gilchinger Rathauses, Professor Horst Teppert, in Sachen Büromöbel und den sehr teuren Designerstühlen für den künftigen Sitzungssaal rechtfertigen. So setzten am Dienstagabend im Gemeinderat vor allem die Freien Wählen (FW) den erfahrenen Architekten enorm unter Druck. FW-Sprecher Thomas Reich sprach von einem "desaströsen Ausschreibungsergebnis", das man wegen der gravierenden Fehler in dem Verfahren möglichst korrigieren sollte. Die gesamte Ausschreibung sei aus dem "Ruder gelaufen", klagte Reich. Bei der derzeit schwierigen Haushaltslage in Gilching befand Fraktionskollegin Pia Vilsmayer es "haarsträubend", derart überteuerte Möbel jetzt anschaffen zu müssen. Bei 2500 Euro pro Stuhl (Los 3 ) falle doch "jeder vom Hocker", meinte sie. Und dies sei doch "nur die Spitze des Eisbergs". Auch CSU-Sprecher Paul Vogl ärgerte sich über die "falschen und zu teuren Büromöbel" (Los 2) für das Rathaus und fragte sich, ob die Ausschreibung auf eine bestimmte Firma ausgerichtet worden sei?

Diesen Vorwurf wies Teppert energisch zurück. Die Ausschreibung für das Inventar bei Los 2 sei "absolut produktneutral" erfolgt. Bei den Sonderräumen (Los 3) habe es aus repräsentativen und ästhetischen Gründen die Vorgabe für unterschiedliche "Leitfabrikate" gegeben, so Teppert. Der Planer räumte jedoch ein, eventuell bei einem örtlichen Bieter der Büromöbel "zu wohlwollend gehandelt" zu haben. Zwar hatte diese Gilchinger Firma hier mit knapp 258 000 Euro das deutlich günstigste Angebot abgegeben, aber auch gegen Bestimmungen verstoßen, wie die Vergabekammer Südbayern erkannt hat.

Gegen diese Entscheidung wird die Gemeinde keine Beschwerde einlegen. Doch mit knapper Mehrheit beschlossen nun die Ratsmitglieder - gegen die Stimme von Bürgermeister Manfred Walter (SPD) - erst abzuwarten, welches Urteil die Vergabekammer bei den Saalstühlen fällt. Denn der Gemeinderat hatte es im Dezember abgelehnt, die 30 Ratsstühle für den Toppreis von insgesamt 75 000 Euro zu kaufen. Auch dagegen hatte der ausgewählte Bieter aus München eine Rüge eingelegt, der jetzt für 303 000 Euro auch den Zuschlag für die Büromöbel erhalten will.

Für den gescholtenen Architekten Teppert ist die Debatte um das Inventar nicht nachvollziehbar. Er verwies hierbei auch auf das "Gesamtpaket" der Baukosten fürs Rathaus - die noch unterhalb des Limits liegen würden.