SZ-Adventskalender Eine Klangliege zur Welterfahrung

Die kleine Simone ist schwerstbehindert. Sie kann nichts fühlen und braucht dringend Stimulation von außen

Von Blanche Mamer, Gauting

Die kleine Simone ist schwerstbehindert. Sie ist gehörlos, blind und mit zweieinhalb Jahren noch nicht in der Lage, sich zu drehen. "Wir wissen nicht genau, ob sie etwas sieht und wenn, wie viel. Wir haben aber festgestellt, dass sie bestimmte Töne wahrnehmen kann", sagt Ilse Hoffmann-Klee, die Leiterin des Kinderhauses der Lebenshilfe in Gauting. Die Einrichtung auf der sogenannten Postwiese will das kleine Mädchen so gut wie möglich fördern und darum eine Klangliege anschaffen.

Unterhalb dieser Liege aus Holz sind Gitarrensaiten gezogen. Wenn die Therapeutin sie anschlägt, könne das Kind die Töne über den Resonanzboden fühlen. "Alle Reize müssen zu ihr gebracht werden, sie braucht Impulse von außen, von selbst kann sie nichts fühlen", sagt Hoffmann-Klee. Sie ist überzeugt, die Liege trage zur Stimulierung und "Welterfahrung" des Mädchens bei. Die Kleine bekomme daheim jede mögliche Förderung. Sie habe eine Spezialbetreuerin und ihre Mutter tue alles, was möglich sei. Zudem bekomme Simone Ergo-und Physiotherapie, um damit ihre körperliche Motorik anzuregen. Nun müsse das Kind aber in der Krippe untergebracht werden, um Kontakt zu Gleichaltrigen zu bekommen. Zudem sei der Umgang mit Simone auch eine wichtige Erfahrung für die anderen Kinder. Die Klangliege, die in einer Spezialwerkstatt in der Steiermark hergestellt wird, soll auch anderen Kindern mit chronischen Schmerzen oder Hörschäden zugute kommen. Gerade nach Operationen - und es gebe etliche Kinder, die mehrmals operiert wurden - könne die Liege beim Entspannen helfen, Schmerzen lindern und Blockaden abbauen. Allein das Gestell kostet 2140 Euro, ein spezielles Liegepolster, das die Vibrationen überträgt, weitere 700 Euro. "Es gibt keine Zuschüsse und aus unserem Budget können wir das nicht finanzieren. Darum hoffen wir auf Spenden aus dem SZ-Adventskalender", sagt die Pädagogin und erläutert ihre Arbeit: "In unserem inklusiven Kinderhaus fördern wir Kinder mit und ohne Behinderung vom ersten Lebensjahr bis zur vierten Klasse. Im Krippenalter betreuen wir 24 Kinder in zwei Gruppen, im Kindergarten und Hort haben wir ebenfalls zwei Gruppen mit bis zu 50 Kindern", sagt Hoffmann-Klee. Sie würde gern noch mehr Kinder mit schweren Behinderungen aufnehmen. Doch dafür fehlen die Kapazitäten.

In den Integrationsgruppen werden derzeit höchstens 17 Kinder betreut und gefördert. Etwa 50 Prozent der Kinder kommen aus Familien mit Migrationshintergrund, sagt die Leiterin. "Wir würden gern öfter Ausflüge mit den Familien machen, dafür Busse chartern und alle Eltern und Kinder mitnehmen, um die sozialen Kontakte untereinander zu fördern", sagt Hoffmann-Klee. Zum Beispiel zu den Bayernkamelen in Holzkirchen. Doch das sei sehr aufwendig und nur über Spenden zu finanzieren.