SZ-Adventskalender Edding-Tricks und Country-Licks

Beim Benefizkonzert von "Hundling" in Gauting singt Frontman Phil Höcketstaller von den großen und kleinen Dramen des Lebens. Beim Gitarrensolo auf dem Bistrotisch kommt Festivalstimmung auf

Von Gerhard Summer, Gauting

Vollprofis am Werk: Klaus Reichardt, Dominik Scholz, Phil Höcketstaller, Christian Klos und Sebastian Osthold (v.li.) beim Benefizkonzert.

(Foto: Georgine Treybal)

Wer von der Musik leben und eigene Songs spielen will, muss schon mal Nebenjobs annehmen, um über die Runden zu kommen. Phil Höcketstaller, der Frontman von Hundling, hat schon Bücher im Antiquariat eingebunden und war Page im Münchner Hotel Mandarin Oriental. Damals durfte er Gitarrengott Eric Clapton die Tür aufhalten und eine Spritztour mit Boris Beckers Porsche machen. Höcketstaller kam mit touchiertem Auto zurück, doch der Oberpage wusste Rat: Schwarzer Edding wirkt Wunder.

Reich ist Höcketstaller bisher trotzdem nicht geworden. Er formuliert es so: Um an die Summe heranzukommen, die 24 600 Menschen im vergangenen Jahr für den Adventskalender der Süddeutschen Zeitung gegeben haben, müssten er und seine Gruppe in Gauting "schon lange spielen". Vermutlich reicht da ein Leben nicht aus: Bei der Spendenaktion kamen 8,67 Millionen Euro zusammen, wie der zweite Vereinsvorsitzende und SZ-Ressortleiter Christian Krügel vor dem Benefizkonzert der Münchner sagt. Das sei ein Zeichen der Solidarität in "einer Zeit, die das sehr gut brauchen kann".

Hundling spielen im Gautinger Bosco eingängigen Folk, Country, Blues, Reggae, Motown und Shuffle mit bairischen Texten, die vom kleinen Glück, Dramen, den Wonnen des Nichtstuns, Spießern oder vom Scheitern erzählen. Der Eindruck, den das durch Sängerin Steffi Sachsenmeier verstärkte Quintett hinterlässt, ist ein wenig zwiespältig: Es gibt Nummern, die schlagerhaft vor sich hin plätschern. Andere Stücke sind sehr wohl voran treibende Musik mit Hitqualitäten, erinnern aber sehr an den Country-Stil von Amy Mcdonald oder den Bierzelt-Rock'n'Roll der Spider Murphy Gang. Doch dafür gibt es auch Höhepunkte: "Odel" gehört zu den stärksten und rockigsten Liedern der Hundlinge, auch weil da fast wie in hypnotischen Songs von Depeche Mode viel Lässigkeit und ein gefährlicher Unterton mitklingen. "Wofür" schwingt sich im Finale zu einer großen, an die Beatles erinnernden Hymne auf, und als Höcketstaller für sein Gitarrensolo einen Bistrotisch in der vorderen Reihe erklimmt und der Publikumschor einsetzt, macht sich Festivalstimmung breit. Die Geschichte schließlich, die hinter der traurigen Ballade "Fr. Meindl" steckt, ist tatsächlich berührend: Ja, sagt Frau Meindl zu ihrem Nachbarn Höcketstaller, sie wisse schon, dass ihr Mann gestorben ist, "aber wenn's ihn sehen, sang's eam, dass as Essen fertig is."

Gut auch, dass der Bandchef so ausführliche Ansagen macht. So erfahren die Zuhörer nebenbei einiges übers Glockenbachviertel oder Giesing. Als Sänger überzeugt Höcketstaller mit sehr angenehmer und warmer, aber auch rockig rauer Baritonstimme. Seine Musiker sind ohnehin Vollprofis, allen voran Klaus Reichardt (Pedal Steel, Ukulele, Mandoline) und Sebastian Osthold (Keyboards). Beide sorgen für raffinierte Klangflächen im Stereoformat. Reichardt prägt oft den Klang und steuert Country-Licks und Soli bei, in denen kein Ton Blendwerk ist. Und Osthold driftet gern in Harmonien ab, die sich raffiniert mit den Grundakkorden reiben. Begeisterter Applaus, zwei Zugaben.