Starnberger See Taucherin erliegt Verletzungen

Eine Münchnerin, die beim Tauchen im Starnberger See verunglückte, ist gestorben. Die Todesursache ist noch ungeklärt. Die Ausrüstung der Frau wurde jetzt sichergestellt.

Von Christiane Bracht und Christian Deussing

Die 29-jährige Münchnerin, die am Samstagabend an der Allmannshauser Steilwand beim Tauchen verunglückte, ist tot. Sie starb am Montagnachmittag im Klinikum Großhadern. Die verheiratete Frau war am Samstag mit einer Gruppe erfahrener Freizeittaucher aus München und Geretsried an der beliebten "Kante", wie es im Taucherjargon heißt, hinabgestiegen.

Nach einem ersten Tauchgang am späten Nachmittag teilten sich die Taucher in zwei Gruppen, um spätabends gegen 22 Uhr noch einmal die Steilwand hinunter zu schweben. Doch in einer Tiefe von etwa zehn Metern signalisierte die 29-Jährige ihrer Gruppe, dass sie Probleme habe und aufsteigen wolle. Ein 30-jähriger Mittaucher begleitete sie auf dem Weg nach oben. Beide hatten laut Polizei bereits die Wasseroberfläche erreicht, als die Münchnerin plötzlich wieder absackte und das Bewusstsein verlor.

Der 30-Jährige zog sie ans Ufer, wo sie sofort reanimiert wurde. Ein Rettungswagen brachte sie in die Großhaderner Klinik. Der Notruf kam laut Kreisbrandrat Markus Reichart gegen 23 Uhr. Vermutlich soll eine Obduktion die Ursache ihres Todes klären. Auch die Taucherausrüstung der 29-Jährigen hat die Polizei bereits sichergestellt, sie wird nun untersucht. Es hieß, dass die Frau Probleme mit einem Ventil an ihrer Weste gehabt habe, das den Auftrieb steuern soll.

Nicht ganz klar ist, ob die Gruppe gegen das Nachttauchverbot verstoßen hat. Denn laut Polizeichef Norbert Reller darf man eine Stunde nach Sonnenuntergang nicht mehr hinuntersteigen. Sonnenuntergang ist derzeit ungefähr um 21.10 Uhr.

Dies ist der erste Tauchunfall in diesem Jahr. Fast vier Jahre hat es nun keinen Toten mehr gegeben an der Seeburg, wo es mehr als 80 Meter hinunter geht. "Die Verschärfung der Vorschriften hat sich bezahlt gemacht", sagt Reller. Seit April 2008 müssen Taucher, die in den Starnberger See hinabsteigen, nicht nur gut ausgebildet sein und Erfahrung haben, sondern auch eine kaltwassertaugliche Ausrüstung besitzen.

Anders als früher darf ein Tauchlehrer nur noch einen, maximal zwei Schüler mit sich in die Tiefe begleiten. Denn 2007 verunglückte einer beim Training tödlich. Der Tauchlehrer war mit vier Schülern gleichzeitig hinuntergestiegen. "Früher war es bei manch einer Tauchschule der Kick, Anfänger die Steilwand mit hinunterzunehmen", weiß Dieter Popel, Präsident des Bayerischen Landestauchsportverbandes. Das geht jetzt nicht mehr. Außerdem seien die Sportler nun disziplinierter und vorsichtiger geworden.

Alleingänge sind ebenfalls verboten, denn das Wasser an der Allmannshauser Steilwand ist dunkel, trüb und hat ab etwa zehn Metern nur noch vier Grad Celsius. Manch einer hat dort schon eine Panikattacke bekommen. Trotz des Verbots erwischen die Kontrolleure aber ab und zu noch Taucher, die sich allein die gefährliche Stelle hinunterwagen. Einer hat dafür laut Markus Reichart, der im Landratsamt für Wasserrecht zuständig ist, bereits einen dreistelliges Bußgeld zahlen müssen. Denn kontrolliert wird regelmäßig. An manchen Tagen gleiten immerhin bis zu 50 Taucher an der Seeburg hinab.

"Ich bin stolz, dass wir die Verfügung gegen massive Widerstände von Tauchsportgewerbe und Vereine durchgesetzt haben, denn die Zahl der Unfälle ist seither massiv zurückgegangen", sagt Reller. Seit 1994 starben elf Taucher an der Steilwand, 35 verletzten sich schwer. "Oft hatten wir tagelange Suchaktionen unter äußerst schwierigen Bedingungen und nicht alle waren erfolgreich." Doch der Tod der 29-jährigen Münchnerin war nach ersten Erkenntnissen kein typischer Tauchunfall, denn alle anderen verunglückten in größerer Tiefe.