Ausstellung in Starnberg Zeitreise mit Föhn und Fleischwolf

Charly-Ann Cobdak zeigt im Landratsamt ihre poetischen, skurrilen und witzigen Konstrukte

Von Katja Sebald, Starnberg

Der Abfallwirtschaftsverband des Landkreises Starnberg feiert in diesem Sommer sein fünfzigjähriges Bestehen, und er feiert mit den "kinetischen Kunstmaschinen" von Charly-Ann Cobdak durchaus standesgemäß: Man darf sich das Atelier der Künstlerin als eine Art "Wertstoffhof" vorstellen, in dem sie ausrangierte Gerätschaften und Schrottteile zu ihren poetischen "Low Tech Instruments" verbaut. Ihre Ausstellung ist noch bis Ende August im Foyer des Landratsamtes zu sehen.

Für die "Tschaikowsky-Maschine" etwa montierte Charly-Ann Cobdak einen ausrangierten Plattenspieler auf dem Fahrgestell eines alten Kinderwagens. Auf dem Plattenteller dreht sich eine Konstruktion aus einer Filmrolle und einer Springform, dadurch wird ein Spinnrad so angetrieben, dass ein Hampelmann auf und ab springt und ein geflügelter Playmobil-Ritter eine Lampe ein- und ausschaltet. Gleichzeitig drehen sich zwei Fahrradreifen so, dass ganz oben eine Ballerina ihre Pirouetten zu Tschaikowskys "Nussknacker" tanzt. Der Sound kommt aus einem Kassettenrekorder, der wiederum im Gehäuse eines alten Staubsaugers verborgen ist.

Gute Fahrt: Charly-Ann Cobdak und Landrat Roth in der "Zeitmaschine".

(Foto: Georgine Treybal)

Die "Zeitmaschine" hingegen ist ein verwegenes Gefährt, in dem man sich von einem Zeitreisen-Taxifahrer wahlweise in die Zukunft oder in die Vergangenheit chauffieren lassen kann. Über einen Fußschalter schaltet man die Maschine an, setzt eine Bohrmaschine in Bewegung, die wiederum den Zeitreisenden durch einen Fleischwolf dreht, dann durch einen Föhn bläst und schließlich unter blinkenden Lichtern aus einem Trichter in einer anderen Zeit ausspuckt. Das alles aber verursacht glücklicherweise keinerlei Schmerzen, denn man sitzt während der ganzen Prozedur auf einem rückwärtig angebrachten Bänkchen wohlbehütet unter einer wundersam altmodischen Höhensonne.

Wem diese Maschine dennoch ein wenig Angst einflößt, der verliebt sich vielleicht in den "Portable Outdoor Personal Elephant mit integrierter Streichelzoo-App", der fröhlich wackelt und trompetet, wenn man kräftig über sein graues Teddybärenfellchen streicht. Dank integrierten Windmessers und Wärmelampe ist er auf seinem fahrbaren Untersatz auch in einer Stadtwohnung und bei schönem Wetter sogar auf dem Balkon zu halten, vorausgesetzt man hat sich wie die Künstlerin eine offizielle Genehmigung zur Haltung von gefährlichen Haustieren beschafft - die wiederum erteilt das Starnberger Landratsamt wesentlich kostengünstiger als das Kreisverwaltungsreferat in München, ließ Landrat Karl Roth mit einem Augenzwinkern bei der Ausstellungseröffnung durchblicken.

Poesie aus Schrottteilen: die Skulptur "Running Edward".

(Foto: Trey)

Die 1964 geborene Charly-Ann Cobdak steht mit ihrer Maschinenkunst in der Tradition von Jean Tinguely und vielleicht auch Dieter Roth, der merkwürdig hintersinnige Humor der Münchner Künstlerin aber lässt eher an Karl Valentin denken. Bevor sie sich der Kunst verschrieb, studierte Cobdak an der Münchner Fachhochschule für Gestaltung und arbeitete mehrere Jahre lang als Grafikdesignerin. Seit 2009 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig, ihre Arbeiten waren seither in zahlreichen Ausstellungen zu sehen.

Die Ausstellung "Low Tech Instruments - kinetische Kunstmaschinen" ist noch bis zum 28. August dieses Jahres im Foyer des Landratsamts zu sehen. Sie ist zu den üblichen Besuchszeiten der Kreisbehörde geöffnet.