Starnberg Wolf auf Wanderschaft

Der Jungwolf gerät auf einer Lichtung im Landkreis Starnberg mitten in den Fokus der Kamera.

(Foto: Landesamt für Umwelt )

Eine Kamera, die eigentlich Wildschweine im Visier hat, fotografiert das Jungtier auf einer Lichtung im nördlichen Landkreis Starnberg. "Ich bin gespannt, ob er gekommen ist, um zu bleiben", sagt der Kreisjäger

Von Christian Deussing, Starnberg

Ein Wolf durchstreift die Wälder in der Starnberger Region. Der Rüde wurde jetzt mittags auf einer Lichtung von einer Tierkamera im nördlichen Landkreis aufgenommen, die eigentlich Wildschweine im Visier hat. Das genaue Gebiet wollte am Montag der Vorsitzende der Kreisjägergruppe Starnberg, Hartwig Görtler, vorerst nicht mitteilen. Es bestehe aber kein Grund zur Panik, der junge Rüde werde sicher keinen Menschen anfallen. Der Wolf benötige jedoch seine Ruhe und "keinen Tourismus", betont der Jäger-Chef. Die zufällige Entdeckung des Tieres ist den Schäfern, Landwirten und Behörden gemeldet worden. Zudem werden nun sämtliche Jagdpächter weitere Kameras installieren und diese rund um die Uhr scharfstellen.

Die Jäger wollen noch mehr Spuren des Wolfes ausfindig machen - über Fotos, Fährten, Kot- und Speichelproben. Es sind bereits gerissene Rehe in Revieren entdeckt worden, wobei aber noch nicht genau geklärt ist, ob diese Beute auf das Konto des Wolfes gehen. "Ich bin gespannt, ob er gekommen ist, um zu bleiben", sagt Görtler. Es sei wohl zu vermuten, dass das Tier weiterzieht. Denn der Rüde suche sicherlich ein Weibchen oder auch den Anschluss an ein Rudel. Görtler, der früher auch schon in der Lüneburger Heide mit Wölfen zu tun hatte, tippt auf einen Einzelgänger. Wichtig sei es, dessen "Wanderrichtung" zu erfahren. Kam der Canis Lupus aus dem Mittelmeerraum oder aus der nördlichen Heide, aus dem Westen oder Osten? Sämtliche Richtungen seien möglich. Aber eines ist für den Jäger-Vorsitzenden augenscheinlich: Bei wenig Schnee sind die Alpen für Wölfe "keine natürliche Barriere mehr" und der "Eiserne Vorhang" im Osten ist auch längst verschwunden.

Dennoch glaubt der Kreisjägervorsitzende nicht, dass sich in der Starnberger Region Wölfe ansiedeln würden. Dafür seien hier Flächen zu klein und es gebe zu viel Straßen und Menschen. Görtler: "Das ist hier kein Revier, der Wolf braucht lange Pirschwege und genügend Raum." Wölfe bewegten sich auf einer Fläche von etwa 60 Hektar und könnten sehr lange Strecke wandern - vor allem junge Wölfe in der "Pubertät", die auf der Suche seien. Wie zum Beispiel jener Wolf, der gewissermaßen auf seiner Durchreise vor zehn Jahren auf der Bundesstraße 2 bei Pöcking überfahren wurde. Experten konnten später nachweisen, dass sich der Einzelgänger von seinem Rudel im Raum Nizza entfernt hatte, um offenkundig auf Wanderschaft zu gehen. Sein trauriges Ende fand der Ausreißer erst im Fünfseenland.

Auch Jägerchef Görtler weiß natürlich von diesem Fall. Er rät nun dringend davon ab, dem gesichteten Wolf zu nahe zu treten oder sogar zu füttern. Diese Gattung sei scheu, aber auch "sehr neugierig und wachsam" - jedoch dem Menschen nicht gefährlich, wenn dieser sich an die Regeln halte. So sei es nicht sinnvoll - auch wegen anderer Tiere natürlich - nachts im Wald zu joggen oder mit Taschenlampen im Unterholz unterwegs zu sein. Als viel gefährlicher stuft der Jäger die vielen Wildschweine im Fünfseenland ein, vor allem, wenn sie ihre Frischlinge beschützen.Wichtig ist es laut Görtler ebenso, Hunde im Wald und auf Lichtungen nicht frei herumlaufen zu lassen.

Das Landesamt für Umwelt (LfU) empfiehlt bei Begegnungen mit dem Wolf, nicht wegzulaufen und sich nur langsam zurückzuziehen. Nach Angaben des Landeamt leben in Deutschland seit 1996 wieder Wölfe, 31 Rudel sind nachgewiesen. Nach Bayern könnten jederzeit einzelne Wölfe zu- oder durchwandern, entweder vom Alpenbogen oder aus dem Nordosten. Im Freistaat gebe es zur Zeit aber keinen Nachweis, dass sich der "große Beutegreifer" hier dauerhaft ansiedeln würde. Wölfe ließen sich dort nieder, wo sie "ausreichend Nahrung finden und genügend Rückzugsmöglichkeiten" hätten, betont die Landesbehörde. Doch hierfür ist das Starnberger Revier sicher nicht optimal.