Ruhestörung Um 22 Uhr ist Schluss

Die Partys im Undosa genießen einen legendären Ruf. Allerdings beschweren sich immer wieder Nachbarn.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Weil sich immer wieder Bürger über Partys im Undosa beschweren, verkürzt der Stadtrat die Feierei auf der Seepromenade

Von Peter Haacke, Starnberg

Das Undosa am Ufer des Starnberger Sees genießt einen legendären Ruf als Partyort. Das einst gediegene Lokal, an das sich Ältere gern wegen seiner züchtigen Tanztees erinnern, bei denen man einen Partner fürs ganze Leben oder auch nur für eine Nacht fand, hat sich inzwischen ganz dem Zeitgeist verschrieben: Zwar gehen hier einige noch immer auf Partnersuche bei Ü30-Partys, Sommernachtsfesten, Techno-Events, White Nights oder Karibik-Nächten. Aber die Strahlkraft des Undosa abseits des normalen Betriebs geht bei Partygängern weit über die Stadtgrenzen hinaus - oft genug zum Leidwesen lärmgeplagter Anwohner, die sich zudem über eine verschmutzte Seepromenade bis hin zum S-Bahnhof und wild parkende Autos ärgern. Ludwig Beck, Leiter des Starnberger Ordnungsamtes, brachte die Sache am Montag im Haupt- und Finanzausschuss auf den Punkt: Es habe im Vorjahr "keine einzige Veranstaltung ohne Beschwerden" gegeben, sagte er.

Tatsächlich ist die ganze Debatte über nächtliche Ausschweifungen und Auswüchse im Umfeld des Lokals nicht ganz neu. Schon seit Jahren gibt es Beschwerden über das Undosa und seine Besucher. Waren es zuletzt jedoch vor allem wummernde Bässe, die sogar Anwohner auf dem gegenüber liegenden Seeufer in Percha oder Kempfenhausen teilweise bis 4 Uhr morgens um den Schlaf brachten, dürften es im Vorjahr wieder einmal die Begleitumstände gewesen sein, die über das Lokal und seine Besucher Anlass zur Beschwerde gaben. Anlässlich der Genehmigung von acht Undosa-Sonderveranstaltungen von Mai bis September, über die der Hauptausschuss zu befinden hatte, keimte wieder einmal die alte Debatte auf. Dabei machte Bürgermeisterin Eva John klar: Die Stadt hat - im Gegensatz zu den Vorjahren - nur Einfluss auf jene sechs Veranstaltungen, bei denen die Seepromenade miteinbezogen werden soll. Für alles andere - die Erteilung der Konzession, den Gaststättenbetrieb im Gebäude und auf den Freiflächen am See sowie die Überwachung der Lärmemissionen - ist fortan das Starnberger Landratsamt zuständig.

Im Gremium ergab sich dennoch wieder einmal eine Debatte über nicht eingehaltene Zusagen der Undosa-Verantwortlichen. Nachdem die Stadt die Anzahl der Sonderveranstaltungen 2016 auf nur drei Partys beschränkt hatte, fanden 2017 immerhin acht der insgesamt zehn beantragten Feste statt. Angesichts der allgemeinen Kritik mit den bekannten Vorwürfen gegen den Partybetrieb entschloss sich das Gremium nun aber, die Zeiten auf der Seepromenade weiter zu beschränken: Künftig darf hier nur noch bis 22 Uhr mit Musik gefeiert werden; danach gehen die Partys ausschließlich auf dem Undosa-Gelände weiter. Die Kontrolle über die Einhaltung der jeweiligen Auflagen obliege laut Beck der Polizei.

Undosa-Geschäftsführer Mathias Scheffel nahm die Entscheidung mit Unverständnis zur Kenntnis. "Ich finde das nicht in Ordnung", sagte er auf Anfrage, "wir haben die Auflagen erfüllt." Das Ordnungsamt habe 2017 keine Beanstandungen gehabt, der Lärmschutz sei eingehalten und die Promenade im Eingangsbereich der Gaststätte stets gereinigt worden, das Security-Personal wurde verstärkt und für die - oft defekte - Schranke an der Promenade sei die Stadt zuständig. Zudem habe er ein Lärmgutachten von 22 bis 24 Uhr für die Seepromenade beauftragt, was er nun nicht mehr braucht.