Starnberg Radeln gegen den Verkehrsinfarkt

Mit dem Pedelec unterwegs: Martina Schwarzhuber ist Radbeauftragte.

(Foto: Thiel)

Der Landkreis Starnberg will den Anteil aktiver Radfahrer bis 2020 erheblich steigern. Um die Voraussetzungen dafür zu verbessern, kümmert sich Martina Schwarzbauer konsequent um Routen, Wege und Beschilderungen

Von Christiane Bracht, Starnberg

Innenminister Joachim Herrmann hat klare Vorstellungen: Bis 2025 sollen 20 Prozent der Verkehrsteilnehmer in Bayern mit dem Rad unterwegs sein. Wer denkt, dies sei ein ehrgeiziges Ziel, kennt die Starnberger Verkehrsmanagerin Susanne Münster nicht. Sie ist noch viel ambitionierter und hat sich vorgenommen, bereits in der Hälfte der Zeit den Anteil der Radfahrer auf 21 Prozent zu steigern. "2008 war der Anteil der Radfahrer im Landkreis Starnberg bei etwa 16 Prozent", sagt sie. Das habe eine Umfrage ergeben, die demnächst im Auftrag der Bundesregierung wiederholt werden soll. Um mehr Leute auch im Alltag auf den Sattel zu locken, hat Münster jetzt Unterstützung bekommen. Seit Mitte Dezember kümmert sich Martina Schwarzhuber praktisch nur um den Radverkehr. Die großen Planungen und Konzepte entwirft und betreut Münster auch weiterhin federführend, doch die Feinarbeit übernimmt nun Schwarzhuber.

Die 41-Jährige ist leidenschaftliche Radlerin. Solange sie in München wohnte, habe sie alles mit dem Rad erledigt, berichtet sie. Jetzt lebt sie im Nachbarlandkreis Wolfratshausen und der Weg zur Arbeit ist zu weit geworden, um ihn täglich mit dem Rad zurückzulegen. "Aber ich habe ein Klapprad im Auto", versichert die Radverkehrsbeauftragte. Mit diesem will sie nun das Fünfseenland erkunden. Denn die Perspektive des Radfahrers zu kennen, ist ihr wichtig. "Auf Karten und Satellitenbildern kann man einen ersten Eindruck von der Verkehrssituation bekommen. Aber die Realität schaut oft noch anders aus, wenn die Leute vor den Geschäften parken, einer plötzlich links abbiegen will, und man sich als Radler noch irgendwo vorbeiquetschen muss", weiß Schwarzhuber. Auf dem Tisch wirke eine Idee in der Theorie gut, aber in der Praxis merke man sofort, dass sie vielleicht nicht perfekt ist.

Momentan sind die beiden Damen vor allem mit der Untersuchung des Radwegenetzes auf seine Alltagstauglichkeit hin beschäftigt. Seit etwa zwei Jahren prüft ein Ingenieurbüro bereits, welche Verbindungen es gibt, überlegt, ob weitere nötig oder wünschenswert wären und welche Routen saniert werden müssten. Im Juli soll das Ergebnis präsentiert werden. Ein ganzer Ordner mit verschiedenen Maßnahmen sei bereits erarbeitet, verrät Münster.

Wie viele es genau sind, will sie noch nicht verraten - nur, dass ein Viertel von ihnen einfache und kostengünstige Verbesserungen sind, die leicht erledigt werden können. Darunter fallen etwa fehlende Markierungen oder Schilder, die an der falschen Stelle angebracht sind. Ein Drittel der Wege müssten verbreitert werden oder einen festen Belag bekommen. Teilweise müsste die Asphaltdecke erneuert werden, weil so viele Schlaglöcher darin sind. Natürlich sind auch einige neue Verbindungen nötig, doch das ist in vielen Fällen nicht so einfach, sagt Münster. Sei es, dass die Lage topografisch schwierig ist, oder dass, wie etwa im Mühltal, der Naturschutz entgegensteht. Denn für Radwege müssen natürlich Flächen versiegelt werden. Die größten Schwierigkeiten bereiten laut Verkehrsmanagerin jedoch Grundeigentümer, die sich quer komplett stellen, weil sie den Radverkehr am Wochenende nicht vor der Haustür haben wollen oder weil sie der Meinung sind, dass sie schon genug abgegeben hätten. "Für Straßen ist es schon schwierig. Aber für den Radverkehr ist es noch viel schwieriger, Grund zu bekommen", weiß Münster. Und so müsse man bei allem Verständnis für direkte Routen versuchen, Alternativen zu finden, die vielleicht nicht ganz optimal seien.

Derzeit ringen Münster und Schwarzhuber mit den Gemeinden und dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) um realisierbare Lösungen. "Wir wollen im Schulterschluss mit den Gemeinden die Empfehlungen des Ingenieurbüros durcharbeiten", sagt Münster. Denn das meiste werden die Kommunen nicht nur umsetzen, sondern auch finanzieren müssen. Das Landratsamt ist nur für Kreisstraßen zuständig. Ein Zwischenbericht wird dem Mobilitätsausschuss kommende Woche im Landratsamt vorgestellt.

Der Radverkehr umfasst aber nicht nur Wege, sondern auch Radständer, an denen man sein Zweirad sicher abstellen kann. In einigen Gemeinden gibt es bereits Abstellmöglihkeiten mit Glasüberdachung und Beleuchtung oder als Radstation. Oft sind sie nur an S-Bahnhaltestellen. Münster und Schwarzhuber wollen sich dafür einsetzen, dass auch in den Orten welche installiert werden, damit keine Gehwege zugeparkt werden. Bei allem Engagement fürs Radfahren sollen Konflikte mit Fußgängern vermieden werden. "Wir wollen ein Miteinander", sagt Münster.