Starnberg Immer schneller

Gut unterwegs ist der Landkreis Starnberg zu seinem Ziel, möglichst alle Bürger ans schnelle Internet anzubinden.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Der Landkreis erwägt, auch abgelegene Anwesen ans Breitband anzuschließen. Das kann teuer werden

Von Otto Fritscher, Starnberg

Es geht um Geld, viel Geld. Um ziemlich genau sieben Millionen Euro, die der Freistaat Bayern aus einem Fördertopf den 14 Kommunen des Landkreises Starnberg zugute kommen lassen will. Aber nur, wenn die Gemeinden diesen warmen Finanzregen auch tatsächlich abrufen. Und das ist noch nicht sicher.

Das Geld dient dem weiteren Ausbau des Breitbandnetzes im Fünfseenland, der schon seit knapp zehn Jahren im Gange ist. Vorangetrieben und koordiniert von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (Gfw) und deren Geschäftsführer Christoph Winkelkötter. Um an das Geld zu kommen, müssen die Gemeinden aber auch selbst in ihre Kassen greifen, denn die Zuschüsse decken nur 60 Prozent - in Tutzing und Inning 70 Prozent - der Investitionskosten für den weiteren Netzausbau.

Der Landkreis hat einen sehr guten Stand beim Ausbau der Breitbandversorgung erreicht. 37 300 Anwesen gibt es laut Steffen Kirchner, Leiter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, im Landkreis Starnberg, fast alle können mit mindestens 30 Megabit pro Sekunde ins Internet. Nur 720 Anwesen liegen im Außenbereich und haben noch kein schnelles Internet zur Verfügung. Dort muss man noch mit der Schneckengeschwindigkeit von zwei Megabit pro Sekunde surfen. Weitere 1700 Haushalte liegen im Nah- oder Innenbereich der Gemeinden, können aber auch noch nicht auf die künftig angestrebte Mindest-Bandbreite von 30 Mbit zugreifen. Zum Teil müssen die etwa 1000 Kabelverzweiger - die grauen Kästen am Straßenrand - noch aufgerüstet werden, die wiederum an den zwölf Hauptverteilern der Telekom hängen. Diese bilden sozusagen das Rückgrat des Breitbandnetzes im Landkreis. Im zweiten Förderprogramm, das bis Ende 2018 läuft, hat das Heimatministeriums Fördermittel in Höhe von 8,4 Millionen Euro für den Landkreis bereitgestellt. Abgerufen werden durch schon beschlossene Vorhaben aber lediglich 1,4 Millionen Euro. Damit sollen Unering, Traubing, Hochstadt und andere kleine Orte ans Glasfasernetz gebracht werden.

Um den Fördertopf nicht ungenutzt zu lassen, hat der Landkreis, wie Landrat Karl Roth in einem Pressegespräch erläuterte, untersuchen lassen, wo noch unterversorgte Gebiete zu finden sind - wobei als unterversorgt gilt, wenn die Bandbreite unterhalb von 30 Megabit liegt. Das sind zum Beispiel Teile von Inning wie Stegen, das Gebiet am Westufer des Pilsensees, einige Teile vom Ostufer des Wörthsees, Buchendorf und kleine Flecken an den Rändern der Gemeinde Berg. Ob diese "Alleinlagen", wie es im Fachjargon heißt, nun ebenfalls ans Breitbandnetz angeschlossen werden sollen, müssen die einzelnen Gemeinderäte entscheiden.

Glück haben Tutzing und Weßling, in denen die Telekom nach Angaben von Christian Hochhuber auch einen eigenwirtschaftlichen Ausbau vornehmen wird - also die Buddelei und alles andere selbst bezahlt. Hochhuber ist Telekommunikations-Fachberater, hat die Untersuchung über den Bedarf geleitet und den Landkreis auch beim Netzausbau in den vergangenen Jahren begleitet. Landrat Roth hat bei den Telekommunikations-Unternehmen inzwischen einen Bewusstseinswandel über die Bedeutung des Glasfaserausbaus festgestellt. "Am Anfang haben wir die Telekom regelrecht bitten müssen, jetzt kommt sie von ganz alleine auf uns zu." Im Landkreis Starnberg teilen sich die Telekom und Mnet, ein Ableger der Münchner Stadtwerke, den Glasfaser-Markt. Auch dies, so Winkelkötter, habe dazu geführt, dass der Landkreis im Vergleich zu den Nachbar-Landkreisen eine Spitzenstellung bei der Breitbandversorgung einnimmt.

Die Anfänge seien sehr mühsam gewesen, sagt Karl Roth. "Breitband - wofür brauchen wir das eigentlich, hat es damals immer geheißen", erinnert er sich. "Dann sind wir zum Zeil Martin nach München reingefahren, der damals Wirtschaftsminister war, und haben ihm erklärt, dass es doch unsinnig ist, wenn jede Gemeinde einzeln eine Ausschreibung für die Breitbandversorgung macht." Das war damals aber so vorgesehen. Man habe sich dann damit beholfen, dass an jedes Projekt gleich die Breitband-Vorhaben der anderen 13 Landkreis-Gemeinden geheftet worden seien.

Wenn es nach Winkelkötter geht, kann 2018 Vollzug gemeldet werden, dann könnte der Landkreis nahezu komplett von einem Glasfasernetz durchzogen sein. Wie wichtig Breitbandversorgung für die Wirtschaft ist, erfährt Winkelkötter "fast jeden Tag. Wenn eine Firma sich hier ansiedeln will, fragt sie erst nach dem Glasfasernetz, dann erst nach dem Autobahnanschluss."