Starnberg Gereifte Boygroup

Aus alten Zeiten: die jungen "Yaks".

(Foto: privat)

Starnbergs alte Kultband "The Yaks" mischt beim Kulturspektakel mit

Von Gerhard Summer, Starnberg

Schuld war nur der olle Fasching. Die Wobbe-Brüder und ihr Freund hatten sich im Februar 1966 als Beatles verkleidet und waren mit kaputten Gitarren hinter einem der 15 Festwagen hergetrottet. Der Zug bewegte sich von der Starnberger Au, die damals noch nicht Au hieß, durch die Innenstadt. Und die drei Reserve-Pilzköpfe in weißen Malerkitteln müssen neben Kasperl, Prinzessin und anderem Fußvolk ein lustiges Bild abgegeben haben. Ab und zu schrien sie "Yeah! Yeah! Yeah!" in die Menge, was aber keiner hörte, weil die Blaskapelle so laut spielte.

Dieser Tag vor 50 Jahren ist fast schon die Geburtsstunde einer Starnberger Kultband, die 2005 ihr Revival erlebte und seitdem immer noch auf Achse ist - der Formation The Yaks. Ihre Geschichte hat durchaus Parallelen mit der Wiederauferstehung der Münchner Gruppe Sahara. Doch im Unterschied zu den Prog-Rockern verlegten sich die Yaks von Anfang an aufs Covern. Sie saßen Ende der Sechziger an der Quelle: Fast jede Woche kam ein neuer Hit auf den Markt, und die Jungs wollten die Nummern möglichst ein paar Tage später nachspielen: Songs von den Beatles, den Kinks, von CCR, den Who, den Small Faces, Jimi Hendrix und den Stones. Und was ihre Besetzung betrifft, können sie sich zwar nicht wie Sahara auf die Solos eines Nick Woodland verlassen, aber immerhin auf einen Bassisten, der sich auch mit Stadtpolitik auskennt: Winfried Wobbe war von 2008 bis 2014 Dritter Starnberger Bürgermeister, heute wirkt der einstige Bio- und Sportlehrer noch als Stadtrat der UWG und als Sportreferent.

Dass er und sein Bruder 1966 mit kaputten Instrumenten durch die Stadt zogen, hatte seinen Grund. Winfried Wobbe spielte damals nur Klavier und Flöte. Tags darauf sprach ihn ein Freund an. Sie könnten einen Gitarristen gebrauchen, sagte er, und Winfried spiele doch dieses Instrument, nicht wahr? Ja, sagte Wobbe nassforsch. Er ließ sich von seinem Bruder Hubi drei Griffe zeigen und merkte bei der ersten Probe mit der Band "The Gallow's Birds" (die Galgenvögel"), dass die anderen kaum besser waren als er. Wenig später stieß Hubi Wobbe zu ihm und den Koller-Zwillingen dazu, und Winfried Wobbe wechselte an den Bass. Blieb nur noch ein Problem: Der Schriftzug der Galgenvögel an der Bassdrum war so klein ausgefallen, weil "The Gallow's Birds" so viele Buchstaben hat. Die Band entschied sich bald für einen wesentlich kürzeren Namen: "The Yaks", die tibetanischen Hochlandrinder. Der prangte dann in 20 Zentimeter hohen Lettern auf der Trommel. Ein Jahr zog sich die Band zum Üben in ein winziges Waschhaus am Georgenbach zurück. Als Keyboard diente eine Heimorgel von Hohner, Hubi Wobbe hatte als einziger einen Verstärker, einen Eigenbau. Der Rhythmusgitarrist schrammelte unplugged mit, und Winfried Wobbe stöpselte das Kabel seines Basses in ein Röhrenradio ein.

Recht viel mehr brauchten die Musiker damals nicht, um eine kurze, aber intensive Karriere zu starten. Außer natürlich: ein gutes Gehör, Geduld und ein auf halbem oder doppeltem Tempo laufendes Uher-Tonbandgerät, um herauszufinden, ob Bill Haleys "Rock around the Clock" nun in E-Dur ist oder nicht. Noten hatten die Yaks nämlich keine, Youtube war in weiter Ferne. Doch genau das war ihre Stärke: Hits originalgetreu nachzuspielen, selbstredend mit dreistimmigem Gesang.

So eroberten die Wobbes, Martin Koller am Schlagzeug und Walter Stieglmeier (Keyboards, Trompete, Posaune, Akkordeon, Gesang) den Landkreis. Sie spielten im Januar 1967 auf dem Schulball und rüsteten von der Gage ihr Equipment auf. Sie gaben in der Schießstätte und in der TSV-Turnhalle Konzerte, sie gastieren in Penzberg, Peißenberg, Steinebach, Miesbach, Weilheim und München und gewannen einen Beatles-Wettbewerb in Starnberg.

1970 war es nach grob geschätzt 400 Konzerten erst mal vorbei mit der Musik. Der Hauptgrund: Hubi Wobbi zog es mehr in Richtung Prog-Rock, Koller wollte mit Tanzmusik Geld verdienen und der Rest als Coverband weitermachen. Es dauerte 35 Jahre, bis die Yaks wieder gemeinsam in einem Proberaum standen. Und auch das hatte mit einem Zufall und Winfried Wobbes optimistischer Art zu tun: 2005 radelte er nach dem Baden in Kempfenhausen an den Seestubn vorbei, wo zwei Rockbands spielten, darunter Remember aus Starnberg. Wobbe kam mit deren Chef Sigi Speyerer ins Gespräch, der stellte irgendwann die Frage, warum die Yaks nicht mehr auftreten. Und in Bierlaune sprach Wobbe: "Sigi, mit Handschlag - nächstes Jahr spielen wir mit euch mit."

Seither mischen die Yaks tastsächlich wieder in der Musikszene mit, wenn auch dezenter. Klar, zu ihren Glanzzeiten waren sie 16, 17 oder 18, jetzt sind sie mit 66, 67 und 68 Jahren eine stark gereifte Boygroup. Sie spielen nach wie vor das alte Repertoire, ein paar Lieder von den Eagles und Pink Floyd sind freilich dazugekommen. Ihr erster Auftritt nach dreieinhalb Jahrzehnten auf der Rock- und Jazznacht in Starnberg war "super", sagt Wobbe, im Juli treten sie nun wieder bei den Kulturtagen auf. Aus den alten Zeiten sind ihnen Fotoalben und ihre Notizen zu den Songs geblieben, aber leider keine Aufnahmen. Die tibetanischen Hochlandrinder waren nämlich sparsam und überspielten die Tonbänder immer wieder.