Starnberg Fette Beute

Die Weihnachtsgans erfreut sich weiter steigender Beliebtheit. Wer noch keine hat, könnte heuer leer ausgehen.

Von Armin Greune/Astrid Becker

Was für eine Schreckensmeldung! Ausgerechnet vor Weihnachten werden die Gänse in München und in der Region knapp. In Starnberg etwa können die Metzgereien nur noch wenige der begehrten Festtagsbraten anbieten, in der Kühltruhe des "Tengelmann" an der Leutstettener Straße fanden sich gestern Abend gerade noch zwei Exemplare. Die Pöckinger Metzgerei Lutz ist in dieser Hinsicht schon ausverkauft: 60 Bauerngänse hatte Inhaber Oliver Lutz bereits am Nikolaustag bei seinem Lieferanten in Niederaichbach bestellt - alle weg. Seit vergangenem Montag muss er seinen Kunden stattdessen Rinderfilet oder Rehschlegel aus Andechser Jagd empfehlen.

Lecker: Ein Gänsebraten steht bereit fürs Weihnachtsessen Foto: Tobias Hase/dpa

(Foto: dpa)

Beim Kollegen Alois Scholler in Starnberg sind am Donnerstag nur noch wenige, vier bis fünf Kilo schwere Gänse zu haben, berichtet Verkäuferin Angela Kirsch. Auch hier hatte man bereits am 7. Dezember 34 Stück in Niederbayern angefordert, die auch geliefert wurden - Nachbestellungen aber blieben heuer erfolglos. Wenige Meter weiter bietet sich in der Metzgerei Kandler ein ähnliches Bild: Fünf Gänse von einem Landwirt in der Nähe von Abensberg kann er noch anbieten, sagt Stefan Kandler - "sonst waren es um diese Zeit immer noch 15 bis 20 Stück". Seiner Meinung nach ist das Angebot auf dem Markt zurückgegangen, weil sich immer weniger Hilfskräfte finden lassen, die das Rupfen der Vögel in mühsamer Handarbeit übernehmen. Ein Indiz für diese Theorie sei auch, dass die gelieferten Gänse immer häufiger nachbearbeitet werden müssen, bevor er sie verkaufen kann, sagt Kandler.

Ob sich das Angebot verknappt hat oder nicht: Zweifellos ist die Nachfrage heuer besonders hoch und auch in den kommenden Jahren könnte es um diese Zeit Lieferschwierigkeiten geben. Sechs Millionen Gänse werden in Deutschland in der Zeit von Martini bis Weihnachten verzehrt: mehr als 80 Prozent kommen aus Polen und Ungarn. Einer der wenigen deutschen Enten- und Gänsezüchter ist Andreas Lugeder aus Pleiskirchen, der auch Münchner Feinkosthäuser beliefert. Mit 25 000 Gänsen und 200 000 Enten zähle er ja nur zu den kleinen Betrieben, sagt er: Und dass es heuer knapp werden könnte mit den Gänsen, habe er seit längerem geahnt. Denn es habe heuer zu wenig Gössel gegeben - aus zwei Gründen: Viele Züchter hätten wegen der Vogelgrippe die Betriebe aufgegeben, und der warme April habe die Vermehrung der Tiere in Europa gebremst. "Ich könnte Ihnen keine einzige Gans mehr verkaufen", sagt Lugeder. Seine Kunden mussten heuer ebenfalls mit weniger Gänsen als bestellt auskommen: "Ich musste bei allen die Menge um 13 Prozent reduzieren."