Seufzerberg in Starnberg Der erste ist ein Geisterfahrer

Die Bürgermeisterin mit der Schere: Eva John durchschneidet das Band, um den Seufzerberg für den Verkehr freizugeben.

(Foto: Nila Thiel)

Nach viereinhalb monatiger Bauzeit ist die Fahrbahn wieder frei und der erste Autofahrer bahnt sich seinen Weg an der Bürgermeisterin vorbei den Hang hinunter

Von Otto Fritscher, Starnberg

Sie steht oben, die Fotografen warten unten, dort wo ein rotes Band den "Seufzerberg" noch für den Verkehr sperrt. Schließlich kommt Eva John doch herunter, um den Journalisten, Bauleuten und Zaungästen zu erklären, dass der Seufzerberg nach viereinhalbmonatiger Bauzeit wieder für den Verkehr freigegeben wird. Sie habe auf dem Weg bergab alles erklären wollen, sagt die Bürgermeisterin.

Sofort erkennbar ist, dass vor allem die Fußgänger profitieren von der Baumaßnahme, die laut John 600 000 Euro gekostet hat. Denn der zuvor an einigen Stellen äußerst schmale Gehweg hat nun auf dem gesamten, rund 200 Meter langen Berg eine Mindestbreite von zwei Metern, an manchen Stellen ist der Fußweg nun sogar komfortable drei Meter breit. Dafür ist die Fahrbahn etwas schmäler geworden, oben an der Ampel gibt es aber weiterhin zwei Fahrspuren. "Und bald auch eine kleine Grünfläche, links neben dem Seufzerberg an der Dinardstraße - dort, wo während der Bauzeit das Materiallager war", kündigt John an. Denn die Fläche hat die Stadt gleich gepachtet.

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Die Fußgänger haben jetzt richtig viel Platz

Die Baustelle war nicht einfach, denn es wurden auch Regenwasserrohre und Stromleitungen verlegt. Zudem musste die Straße in verschiedenen Phasen hergerichtet werden, damit die Zufahrt zu den Anwesen immer möglich war, wechselweise mal von der Bahnhofstraße oder auch von der Weilheimer Straße aus. Gleichfalls frisch asphaltiert wurde auch der Kreuzungsbereich der Possenhofener Straße, weil sich der Straßenbelag dort zu Bodenwellen gehoben hatte.

Die Bauarbeiten gingen ohne Unfälle über die Bühne, sie hätten aber "bis vorhin" gedauert, wie Bauleiter Andreas Ott vom gleichnamigen Starnberger Ingenieurbüro bei der kleinen Feierstunde am Mittwochmittag im Nieselregen sagte. Erst am Dienstag war im Kreuzungsbereich mit der Possenhofener Straße der letzte Baum gepflanzt worden, ein Birnbaum. Zu den Offiziellen gesellt sich dann noch Holger Knigge, langjähriger Stadtrat hinzu, der in der Nähe wohnt.

"Die Fahrschüler werden jetzt wieder fluchen",sagt Bürgermeisterin Eva John

Einheimische wissen, dass der Seufzerberg eine beliebte Route bei Fahrlehrern darstellt, die ihren Schülern das "Anfahren am Berg" nahebringen wollen - was oft damit endet, dass der Motor abstirbt und die nachfolgenden Autofahrer auch noch mit ihrer Huperei die Nerven des Fahranfänger strapazieren. "Die Fahrschüler werden jetzt wieder fluchen", sagt denn auch Eva John und lacht. Währenddessen bahnt sich der erste Autofahrer bereits seinen Weg auf dem Seufzerberg - hinunter. Ein Geisterfahrer also, denn der Seufzerberg ist bekanntlich seit Jahrzehnten eine Einbahnstraße, vom See hinauf zur Kreuzung mit der Weilheimer Straße.