Starnberg Ärger über ein Flugblatt

Tunnelgegner wollen Stadträte unter Druck setzen

Von Peter Haacke, Starnberg

Wenige Tage vor der erwarteten Abstimmung des Starnberger Stadtrats am Montag über eine Verkehrslösung für die Kreisstadt scheint sich das Stimmungsbild in Bevölkerung und Interessenverbänden zugunsten des B2-Tunnels zu wandeln. Vor der Sitzung will sich die Aktionsgruppe "Tunnel bauen, Umfahrung planen" bei der Schlossberghalle in Szene setzen. Doch auch die Befürworter einer Umfahrung sind nicht untätig geblieben: In den Briefkästen einiger Starnberger Haushalte fand sich ein Werbeflyer mit dem Motto: "Wissenswertes von Bürgern für Bürger", der Argumente aus der Anti-Tunnel-Kampagne der Wahlkämpfe in den Jahren 2014 und 2015 aufgreift. Als verantwortlich zeichnet der ehemalige "Starnberger Alm"-Wirt und WPS-Kandidat Willi Illguth. Das Papier erinnert 17 Stadträte an ein Versprechen: Die Kandidaten der "Allianz" hätten sich klar gegen den Tunnel ausgesprochen; nun gelte es, dieses Wahlversprechen auch umzusetzen.

Gegen diese Darstellung regt sich jedoch Widerstand. Angelika Kammerl und Sieglinde Loesti (beide "Parteifreie") sowie Angelika Wahmke und Johannes Bötsch (Bürgerliste) distanzieren sich vom Inhalt der Postwurfsendung, zumal sie in der Angelegenheit weder befragt wurden noch eine Genehmigung zum Abdruck ihrer Porträtfotos erteilt hatten. "Wir verwahren uns dagegen, dass wir unter Druck gesetzt und uns Entscheidungen unterstellt werden, die wir am Montag zu treffen haben", sagt Kammerl. "Wir haben mit diesem Flugblatt nichts zu tun." Die vier Mandatsträger erwägen nun sogar rechtliche Schritte gegen den Urheber des Papiers.

Als Unterstützer sind im Impressum des Flyers mehr als 3o Persönlichkeiten aufgeführt, die überwiegend der Bürgerinitiative "Pro Umfahrung - contra Amtstunnel" zuzurechnen sind. Genannt wird dabei auch eine Person, die gar nicht mehr lebt.