Söder in Tutzing Der Held des idealen Bayern

Unter Freunden und Fans: Finanzminister Markus Söder im Tutzinger Festzelt am Montagabend.

(Foto: Nila Thiel)

Finanzminister Markus Söder weiß die CSU-Anhänger zu begeistern: Er rechnet, summiert und schimpft, das Festzelt tobt

Von Wolfgang Prochaska, Tutzing

So stellt sich die CSU das ideale Bayern vor: Ein weißblauer Himmel, ein Festzelt und viele Besucher, die frenetischen Applaus einem CSU-Minister spenden.

Das ideale Bayern der CSU fand am Montagabend in Tutzing statt. Das Festzelt war gespickt voll trotz der Hitze und Schwüle. Das hatte natürlich seinen Grund. Und dieser tauchte in menschlicher Form als Markus Söder auf, seines Zeichens Finanz- und Heimatminister. Söder kam nicht im Anzug, sondern ganz locker im Polo-Shirt und trug Sneakers. Seine Botschaft war deutlich: Ich bin einer von Euch. Und gleich am Anfang seiner Rede stellte er fest: "Es ist mir heute eine Freude mit vernünftigen Menschen zusammen zu sein." Diese Ranschmeiße ans Publikum zieht immer. Vorher, bei der Begrüßung, hatte er noch ein paar Elogen über sich ergehen lassen müssen, angefangen bei CSU-Kreischefin Stefanie von Winning, über die Landtagsabgeordnete Ute Eiling-Hütig bis zum Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan. Die schüttelte er aber lässig ab mit der schönen rhetorischen Volte: "Die lobenden Worte waren angemessen." Damit war klar: Es würde ein vergnüglicher Abend werden. Und die Söder-Show konnte beginnen.

Sie stand unter der Überschrift Stabilität und Sicherheit. Natürlich ging es um den Schuldenabbau, den Bayern vorbildlich anstrebe, und natürlich ging es um Griechenland. Söder rechnete vor und summierte und schimpfte mit der Überzeugung eines braven Familienvaters. "Schulden, die teilt man nicht, die muss jedes Land selber zahlen", lautete eine seiner Formeln. Die war so recht nach den Herzen der CSU-Anhänger, die aus dem Klatschen gar nicht mehr herauskamen. Ebenso seine Forderung nach einem Grexit. Wieder Applaus.

Dass in diesen Monaten die konservativen Herzen unruhiger schlagen als sonst, ist auch Söder bewusst. So beschränkte er sich nicht nur auf die Themen Finanzausgleich der Bundesländer - bekanntlich will Bayern weniger zahlen - und die Finanzpolitik im Allgemeinen, er ging vielmehr auch auf die Flüchtlings-Problematik ein, in diesem Fall auf das Asylrecht. Nein, er sprach nicht von Missbrauch. Der Heimatminister gab sich nachdenklich, bedankte sich bei den Helferkreisen, sieht aber das "klassische Asylrecht" in Gefahr, wenn sich immer mehr Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen, darauf berufen. "Ich habe für diese Menschen Verständnis, aber das Asylrecht darf nicht zum neuen Einwanderungsgesetz werden." Deutschland könne nicht alle Probleme lösen. Wieder Applaus. Die CSU wäre nicht die CSU, würde sie sich nicht um die Sicherheit sorgen. Also verlangte Söder mehr Polizeikontrollen, und will härter gegen Sympathisanten des IS vorgehen: "Wer ein Terror-Camp besucht, bucht keinen Wellness-Urlaub."

Bei Söder, das weiß man inzwischen, ist auch wichtig, was und wen er nicht erwähnt. Das gibt Einblick in seinen wahren politischen Kosmos. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, seine Konkurrentin um das Amt des Ministerpräsidenten, erwähnte er in seiner Rede kein einziges Mal. Horst Seehofer war ihm eine lächerliche Fußnote wert. Im Grunde hat er niemanden, der ihm das Wasser reichen kann. Das glaubt er: insgeheim.