Segeln am Starnberger See Schwimmende Luxus-Immobilien

Über das Kontingent an Liegeplätzen wird die Zahl der Segelboote am Starnberger See begrenzt.

(Foto: Georgine Treybal)

So rar wie Silberfischchen in der Wüste: 4000 Euro müssen Bootsbesitzer für einen Liegeplatz am Starnberger See hinblättern. Auf eine günstige staatliche Boje wartet man 15 Jahre. Begeisterte Freizeitkapitäne verfallen deshalb auf unkonventionelle Lösungen.

Von Gerhard Summer

Schon Kinderbuchautor Max Kruse war klar, was der Segler unbedingt braucht: "Wellen, Wogen, Wind. . ." Am Starnberger See genügt das nicht. Wer seine Jolle nicht dauernd an- und abtransportieren will oder ein Boot mit festem Kiel hat, kommt ohne Liegeplatz im Wasser nicht aus. Und das ist der Haken an der Sache: Münchens nächstgelegenes Segelrevier ist so beliebt, dass freie Plätze in den grob geschätzt 50 Segelklubs und 14 Jachthäfen oder Bojen fast so rar sind wie Silberfischchen in der Wüste.

Wer einen ergattern will, braucht Glück und Geduld, am besten beides. Sogar ein heutiges Vorstandsmitglied in einem Starnberger Klub wartete 25 Jahre, bis ein Platz frei war. Manchmal schadet auch ein Lottogewinn nichts: Bootsbauer wie Ernst Simmerding aus Leoni vergeben eine ihrer Bojen nur, wenn ihnen der Interessent gleich noch ein neues Boot dazu abkauft. Kosten: 50 000 bis 100 000 Euro.

Begeisterte Freizeitkapitäne verfallen deshalb auch auf unkonventionelle Lösungen. Friedemann Greiner, der frühere Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, hatte sein privates Segelboot an einer Boje festgemacht und ein Seil von der "Buronia" zum Anlegesteg seines Hauses gezogen. So konnte er das Boot heranholen und trockenen Fußes an Deck kommen. Das Konstrukt hatte einen Schönheitsfehler: Laut Bayerischer Schlösser- und Seenverwaltung gab es keine Erlaubnis dafür. Und ohne Genehmigungen geht am Starnberger See, der dem Freistaat gehört, theoretisch gar nichts: Alle Segelboote, die Kajüte oder Hilfsmotor haben, müssen registriert sein, die Motorboote sowieso.

Für jeden Steg sind zwei Bewilligungen nötig: die private durch die Seenverwaltung und die öffentliche durch das Landratsamt. Und weil es nur ein begrenztes Kontingent an Liegeplätzen und Bojen gibt, ist automatisch auch die Zahl der zugelassenen Segelboote begrenzt, und zwar auf derzeit 2365. Sonst hätte das Wasser eben doch Balken.

In den späten Siebzigerjahren war Segeln noch ein eher günstiges Vergnügen. Eine Boje in Sankt Heinrich gab es damals für 150 D-Mark im Jahr. Längst haben sich die Preise hochgeschaukelt. In einem kommerziellen Hafen wie der Bernrieder Marina zahlt man für einen der 270 Plätze 1500 bis 4000 Euro. Und muss dazu einen Verzehrgutschein über 200 Euro fürs dazu gehörige Seerestaurant kaufen. Meist wechselt auch hier der Hafenplatz samt Boot den Besitzer.

Wer luxuriös an der Mole eines Segelklubs festmachen will, sollte neben Geld vor allem sportlichen Ehrgeiz mitbringen: Gefragt sind dort nur Leute, die bei Regatten mitmachen und die Vorfahrtsregel im Schlaf herbeten können (Segel Backbord vor Segel Steuerbord). Bojen für Freizeitsegler bieten wiederum die 35 Berufsfischer am Starnberger See an. Ihnen wurde ein Kontingent zugesprochen, damit sie nicht nur von ihren Fängen leben müssen.

Die billigste Lösung ist aber eine Boje für 450 Euro pro Jahr plus Mehrwertsteuer von der Seenverwaltung. 1200 Stück gibt es, auf der Warteliste stehen 1600 Namen. Wer sich heute anmeldet, kommt in 15 Jahren dran. Und muss das gute Stück nach der biblischen Frist von sieben Jahren wieder abgeben.