Segelkurse für Kinder Ab ins Boot und raus aufs Wasser

Am Starnberger See bieten vier Segelschulen Kinder- und Jugendkurse an. Den Absolventen macht es sichtlich Spaß.

Von Tabea Braun

"Klar bei Vorleine, Vorleine los!", ruft Segellehrer Werner Gerstl. Zusammen mit seiner Crew, bestehend aus fünf Buben zwischen 12 und 15 Jahren, fährt er auf der Elan, einer Jolle mit Gaffelsegel, um kurz nach 9 Uhr aus der Marina in Bernried. Jeder hat eine Aufgabe: Einer sitzt an der Pinne und steuert das Boot, zwei kümmern sich um die Leinen, zwei beginnen zu paddeln. Segel werden erst an der Boje vor der Hafeneinfahrt gesetzt.

Währenddessen bauen die Jüngeren ihre Boote noch auf: Die Sechs- bis Zwölfjährigen segeln auf Optimisten. Das sind speziell für Kinder entwickelte Einhandjollen, die besonders für erste Erfahrungen auf dem Wasser geeignet sind. Die Kinder verbringen bereits ihren vierten Tag bei der Segelschule Weiss-Blau, einige haben zudem schon im vergangenen Jahr einen Kurs gemacht. Am Starnberger See bieten vier Segelschulen Kinder- und Jugendkurse an. Hinzu kommen zahlreiche Segelvereine, die Nachwuchs ausbilden.

Leinen los! Die Segelschule Weiß-Blau in Bernried bietet Kurse für Kinder- und Jugendliche an.

(Foto: Georgine Treybal)

"Habt ihr den Niederholer alle richtig drin?" Vor der Fahrt kontrolliert Lehrer Angelo Pregler noch einmal jeden Opti. "Sicherheit steht an oberster Stelle mit den Kindern", erklärt Petra Schneller, Mitarbeiterin im Büro. Niemand darf ohne Schwimmweste aufs Wasser. Zudem müssen alle Kinder frei schwimmen können. Dass eines der Boote kentert, ist zwar unwahrscheinlich, ganz ausschließen kann man es aber nie. Am Vortag hätten sie besonders starken Wind gehabt, berichten die Lehrer, die Kinder konnten wählen, ob und wie lange sie auf dem Wasser bleiben wollen. Die größeren Jungen, die eigentlich Jugendjolle segeln, versuchten sich auf dem Optimisten und trainierten sogleich, wenn auch nicht ganz freiwillig das Kentern, konnten ihre Boote aber mit den Tipps, die ihr Lehrer vom Motorboot aus gab, wieder aufrichten.

Das Begleitboot ist immer dabei, ein Lehrer gibt Anweisungen und weißt auf Fehler hin. "Nicht anluven", heißt es, oder "Zieh die Pinne kräftig zu dir!" Ein paar mal fahren die Boote parallel zum Steg hin und her, dann dürfen sie in Begleitung des Motorboots mit Juniorchef Felix Haas weiter auf den See hinaus. "Da seht ihr, dass sich das Wasser kräuselt, dort ist ein bisschen mehr Wind", erklärt ihnen Pregler, der mit einem Schüler zunächst an Land bleibt um Theorie zu lernen: Leo möchte am nächsten Tag die Prüfung zum Jüngstenschein ablegen, mündlich und praktisch muss er seine Segelkenntnisse unter Beweis stellen. Ein bestandener Schein berechtigte ihn zum Fahren von Booten bis zu einer bestimmten Segelgröße unter fachkundiger Aufsicht und der Teilnahme an Regatten. Prüfen lassen können sich Kinder- und Jugendlichen von sieben bis vierzehn Jahre, die ihren zweiten Segelkurs absolvieren.

Doch geht es bei den Kursen keineswegs nur ums Segeln lernen. Wenn sie auf Grund des Wetters, sei es zuviel oder zu wenig Wind, Gewitter oder starkem Regen, nicht fahren können, werden die Kinder "nicht die ganze Zeit mit Theorie zugetextet", stellt Haas klar. Auch solche Tage sollen abwechslungsreich gestaltet werden und so kommen Spiele, Quizze und Knotenübungen nicht zu kurz. "Jugendsegeln in den Ferien soll kein Drill sein wie in der Schule, sondern etwas lockerer", daher hat auch Gerstl nichts einzuwenden, als die Jugendlichen auf der Jolle vorschlagen, Musik anzumachen, der Wind ist sowieso fast eingeschlafen. Die Kurse bei ihm sollen eine "Kombi aus Segeln lernen und Spaß sein". Wenn der Wind mitspielt, kennen die Jugendlichen am Ende der Woche die wichtigsten Manöver, von der Wende über die Halse, bis zum Boje-über-Bord Manöver, das die Gruppe gerade lernt: "Boje über Bord! Rettungsmittel auswerfen, Boje beobachten, Bootslängen zählen, fiert auf die Schoten auf raumen Wind", ruft der Steuermann, dann folgt die Q-Wende und ein Aufschießer, bis die Boje wieder sicher im Boot verstaut ist. Trotzdem bleibt noch genug Zeit, um Baden zu gehen, für Wasserschlachten und anderen "Blödsinn", wie Gerstl ironisch hinzufügt. Er will vor allem die Freude an dem Fortbewegungsmittel, mit dem man ganz ohne Motorkraft sein Ziel erreicht, vermitteln.

Sommerkurse

Die Segelschule Weiss-Blau bietet ihre fünftägigen Opti- und Jollenkurse auch in den Sommerferien an. Betreut werden die Kinder und Jugendlichen zwischen 9 und 16 Uhr. Ebenfalls fünf Tage dauern Kurse bei der Segel und Sportschule Tutzing. Zu viert segeln die Sieben- bis 13-Jährigen auf Jugendjollen der Klasse Pirat. Im Wassersportcenter in Sankt Heinrich können Interessierte zwischen sieben und 14 Jahren Katamaran-Kurse belegen. Katamaran-Jugendkurse bietet außerdem das Surf+Segel-Center im Tutzinger Nordbad an, hier wird an drei Tagen à vier Stunden gesegelt.sz