Seefelder Unternehmen Kokon schließt seine Pforten

War ein fester Bestandteil der Geschäftswelt im Landkreis: das Kokon unmittelbar gegenüber vom Seefelder Schloss. Es schließt zur Jahresmitte.

(Foto: Nila Thiel)

29 Jahre lang verkaufte Helmut Ronstedt erfolgreich orientalisches Lebensgefühl und geschmackvolle Accessoires. Damit ist zum 30. Juni Schluss: Insgesamt 80 Mitarbeitern wurde gekündigt, im April beginnt der Räumungsverkauf

Von Christine Setzwein, Seefeld/München

Möbel aus Rattan, Tischdecken und Kissen aus bunter Seide, edle Stoffe, Geschirr und geschmackvolle Accessoires - dafür stand die Firma Kokon in den vergangenen 29 Jahren. Vor Schloss Seefeld und im Lenbach-Palais in München verkaufte Helmut Ronstedt orientalisches Lebensgefühl. Damit ist nun Schluss: Zum 30. Juni haben alle 80 Kokon-Mitarbeiter die Kündigung erhalten, Ronstedt schließt seine Läden. Überrascht davon wurde auch der Seefelder Bürgermeister Wolfram Gum. "Das ist sehr schade", kommentierte er am Dienstag das baldige Ende von Kokon.

Es sind wirtschaftliche, aber auch gesundheitliche Probleme, die den 73-Jährigen zum Aufgeben zwingen. "Ich bin seit 50 Jahren im Geschirr, das muss reichen", sagte er am Dienstag zur SZ. Nachfolger in der Familie gibt es nicht: Tochter Jule Ronstedt ist Schauspielerin, ihre Schwester studiert Kunst, der Bruder hat gerade Abitur gemacht. Außer den Läden in Seefeld und am Lenbachplatz wird auch die Zentrale in Neuaubing aufgelöst. Auf rund 4000 Quadratmetern in einem alten Dornier-Flugzeughangar sind dort 30 Mitarbeiter mit Annahme und Verteilung der Waren beschäftigt. Kokon hat auch Lizenznehmer in Bregenz und in Wien.

Viele Mitarbeiter hätten bereits neue Jobs, sagt Ronstedt. Für das Geschäft im Lenbach-Palais gebe es potente Interessenten aus dem In- und Ausland. Ebenso für den Laden in Seefeld. Im März werde sich entscheiden, ob Seefeld "in ähnlicher Form" dort weitergeführt werde. "Das ist so eine schöne Location", sagt Ronstedt, es gebe mehrere Bewerber. Seit 1992 betreibt der studierte Soziologe und Journalist das Geschäft im historischen Ambiente von Schloss Seefeld. Im Lifestyle-Haus - dem ehemaligen Marstall -werden Möbel und Co. verkauft, gegenüber gibt es Bücher. Bis Ende März findet der reguläre Handel in den Filialen statt, im April beginnt der Räumungsverkauf.

Der Start von Ronstedts Karriere in der Mode- und Möbelbranche fällt in die Hippiezeit. Es ist das Jahr 1969. Eigentlich studiert er Soziologie und Journalismus. Aber auf einem Basar in Istanbul kauft Ronstedt einen Schaffell-Mantel. Den wollen so viele haben, dass er einige einkauft und sie an nur zwei Wochenenden wieder verkauft. Einige Jahre später eröffnet er seinen ersten Laden in München, das Mashallah in Schwabing. Mit bunten Stoffen und Räucherstäbchen - so wie sich der Münchner seinerzeit fernöstliches Flair vorstellte.

1989 gründet Ronstedt, ehemals Geschäftsführer der Bekleidungsfirma Rosa Ronstedt, Kokon, zieht 1992 mit seinen importierten Textilien, Möbeln und Accessoires auf das Schlossgelände in Seefeld. 1995 bewirbt er sich für die Schrannenhalle in München, bekommt sogar den Zuschlag. Aber zwei Jahre später steigt er enttäuscht vom Stadtrat wieder aus, weil noch immer der Beschluss zum Wiederaufbau fehlt. Ein anderes Objekt lässt sich viel einfacher realisieren: die Kokon-Filiale im Lenbach-Palais, die er 1998 eröffnet.

Seit 1978 lebt Helmut Ronstedt in Hechendorf. Oberbayern ist dem gebürtigen Oberschlesier zur Heimat geworden. Hier engagierte er sich auch kommunalpolitisch: Von 1984 bis 1990 saß er für die Grünen im Starnberger Kreistag. Bei der Ökopartie gründete er den Arbeitskreis Recycling. Nun setzt sich der 73-Jährige bald zur Ruhe. "Gereist bin ich ja genug", sagt er. China, Java, Bali, Indien: Jahrzehntelang war er auf der Suche nach antiken Möbeln oder alten Bauhölzern. Jetzt ist Zeit für sein anderes Hobby: Er widmet sich wieder der Hühner- und Entenzucht.