Seefeld Der Wort-Maler

Johannes Steck ist Theatermaler, Schauspieler, Sprecher und nun auch Coach. Im Schloss Seefeld hat der Hechendorfer, Vater von sieben Kindern, ein Tonstudio, in dem er Hörbücher produziert

Von Christine Setzwein, Seefeld

Der rote Teppich wird nicht für jeden ausgerollt. Darüber schreiten dürfen nur berühmte Stars, Fußballspieler, Präsidenten, Prinzessinnen und Fürsten. Johannes Steck geht jeden Tag über einen roten Teppich. Berühmt ist der Hechendorfer schon auch, aber dieser Teppich führt einfach nur in sein Tonstudio, ausgelegt im Silbersaal von Schloss Seefeld und nur zu dem Zwecke, dass der historische Holzboden nicht zu arg leidet. Fürstlich ist das Ambiente, in dem Steck für Verlage Hörbücher produziert und Coaching-Kurse gibt, allemal.

Seit gut vier Jahren hat Steck die Räume im Schloss gemietet. Davor hatte er ein Tonstudio im eigenen Haus, im Keller, ohne Tageslicht. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wenn Johannes Steck jetzt Krimis von Simon Beckett, Die drei ??? Kids oder Mystery-Geschichten einliest, schaut er aus dem Fenster auf den Pilsensee. Den Blick schweifen lassen können, "das wirkt sich auch auf meine Arbeit aus", sagt der 51-Jährige, da entstünden Geschichten und Personen im Kopf, die das Gelesene viel lebendiger machten.

Geboren wird Johannes Steck 1966 in Würzburg, in Trier wächst er auf. Schon als Kind malt er gern und erzählt Geschichten. Mit 17 verlässt er die Schule und beginnt eine Ausbildung zum Theatermaler am Theater in Braunschweig. Seine Prüfungsarbeit, die Allegorie des Wahnsinns, hängt heute überlebensgroß in seinem Büro. "Bei der Arbeit haben wir immer viel Radio gehört, vor allem Krimis", erzählt er. Außerdem lernt er im Theater viele Schauspieler kennen. Auch ein Beruf, der ihn fasziniert. Was also tun? "Sollte ich bei der Theatermalerei bleiben oder Schauspieler werden?" Die Frage treibt ihn um. Letztendlich kommt er zu dem Schluss, dass Theatermaler ein ziemlich einsamer Beruf ist, aber Johannes Steck will lieber mit vielen Menschen zusammenarbeiten. "Heute male ich mit Worten", sagt er.

Das große Wandgemälde - die Allegorie des Wahnsinns - in seinem Büro erinnert Johannes Steck an seinen ersten Beruf des Theatermalers.

(Foto: Nila Thiel)

Er geht nach Wien, besucht die Schauspielschule Krauss. Anschließend führt ihn sein Weg ins Schauspielhaus Chemnitz, nach Würzburg und Darmstadt. Steck hat mittlerweile Familie, und Theater zahlen schlecht. Da kommt ihm die Hauptrolle des Dr. Achim Kreutzer gerade recht. Von 2001 bis 2005 spielt Steck den Frauenschwarm in der ARD-Serie "In aller Freundschaft": 1,92 Meter groß, schlank, gut aussehend und mit beeindruckender Stimme. Dann nimmt er Abschied von der Sachsenklinik. Die Fahrerei von Hechendorf, wo er seit 2001 lebt, zum Drehen nach Leipzig ist ihm einfach zu viel, die permanente Trennung von der wachsenden Familie will er nicht mehr. Heute hat Steck aus erster Ehe eine 22-jährige Tochter, mit seiner zweiten Frau Judith, einer Psychotherapeutin, eine Tochter und fünf Söhne im Alter zwischen 13 Jahren und vier Monaten.

Nach dem Ausstieg aus der Fernsehserie macht er sich als Hörbuchproduzent selbständig, und das ziemlich erfolgreich. Er mag es einfach, Geschichten zu erzählen - Kino im Kopf. Die Liste der gesprochenen Bücher ist ellenlang, viele CDs stehen in den Regalen in seinem Studio. Neben Simon Beckett - "Die Chemie des Todes" ist sein Lieblingsbuch - sind Werke von Ken Follett, Edgar Wallace, Jack London, Val McDermid, T. C. Boyle oder Oliver Pötzsch dabei. Das erste Hörbuch, das er gemacht hat, war "Long John Silver" von Björn Larsson. Steck ist Werbestimme unter anderem von BMW und Ehrmann, von Senseo und Laura Biagiotti.

Das ist immer noch nicht alles. 2010 kommen "Die Zwerge", ein Fantasy-Epos von Markus Heitz, mit dem Steck und die Gruppe Corvus Corax auf Tour gehen. Am Karsamstag fand im Düsseldorfer Capitol- Theater die letzte Vorstellung statt. "Sieben Jahre sind genug", meint Steck, der schon wieder neue Pläne hat. Bei den Kaltenberger Ritterspielen macht er heuer nicht nur den Moderator, sondern spielt auch selber mit. Außerdem steht ein neues Großprojekt mit Corvus Corax an: "Der Fluch des Drachen", ein Mittelalter-Fantastical, ebenfalls aus der Feder von Markus Heitz.

Nach der Schauspielkarriere macht Johannes Steck sich als Sprecher und Produzent von Hörbüchern selbständig.

(Foto: Nila Thiel)

In der Hörbuchproduktion wird Steck unterstützt von einem Team aus Tontechnikern und Regisseuren. Auch seine Assistentin Alexandra Rakosi hilft mit. Die letzte Aufnahme waren "Die Kreuzritter" von Jan Goillou. Als nächstes steht der dritte Teil der Medici-Saga von Matteo Strukul an. "Ich will nur noch besondere Sachen sprechen", sagt Steck. Denn er hat festgestellt, dass er seine Stimme mehr pflegen muss.

Kein Grund, nicht auch noch ein weiteres Standbein aufzubauen: ein Stimmen-Coaching für Führungskräfte, Schauspieler, Sprecher und alle, "die Spaß am Sprechen haben". Einer der Dozenten ist der Schriftsteller und Sprecher Gert Heidenreich, ebenfalls ein Hechendorfer. Tipps zur richtigen Haltung beim Sprechen gibt Fernsehmoderator Alexander Mazza.

Bleibt da noch Zeit für Privates? "Mein Hobby sind meine Kinder", sagt Johannes Steck. Gemeinsame Spaziergänge im Wald, Schwimmen im Pilsensee und Garteln sind für ihn eine schöne Entspannung. Und schon wieder sprudeln die Ideen wie die eines Hörspiel-Sommercamps für Kinder. "Ich bin ein kreativer Geschäftsmann", sagte Steck heute über sich. In einem Regal stapeln sich Bücher, die er unbedingt noch lesen und vielleicht auch sprechen will. "Ulysses" von James Joyce wird noch warten müssen.