Rettung Starnberger Klinik übernimmt Seefeld

Myriad Genetics 70 Jahre alt wird die private Schindlbeck-Klinik Herrsching in diesem Jahr. Gegründet hat sie 1946 der Internist Dr. Robert Schindlbeck, seine Nachfolger wurden die Söhne, Ullrich und Robert Schindlbeck, letzterer führt die Geschäfte der Klinik. Nach dem Tod seines Bruders Ullrich, der selbst Arzt war, 2012 hat Robert Schindlbeck dessen Anteile verkauft. Das bestätigte er im Gespräch mit der SZ. Neuer Miteigentümer ist die amerikanische Gen-Test-Firma Myriad Genetics, die nach eigenen Angaben der weltweit führende Anbieter in der molekularen Diagnostik von Krebserkrankungen wie Brust-, Ovarial-, Colon- oder Prostatakrebs ist. Die Schauspielerin Angelina Jolie hat bei Myriad einen Gentest machen lassen, dabei ihre Veranlagung zu Brustkrebs entdeckt und sich anschließend beide Brüste abnehmen lassen. Ein Krankenhaus gehört bisher nicht zum Portfolio von Myriad. Über die Pläne in Herrsching ist nichts bekannt. csn

Der Kreistag beschließt, das defizitäre Krankenhaus an das Kreiskrankenhaus anzugliedern. "Es geht weiter", sagt Bürgermeister Wolfram Gum erleichtert. Ein "Hurra" habe es aber nicht gegeben, so Landrat Karl Roth

Das Starnberger Klinikum bekommt eine zweite Tochter. Nach dem Penzberger Krankenhaus übernehmen die Starnberger zum 1. Januar 2017 auch Seefeld. Der Kreistag hat am Montag in nichtöffentlicher Sitzung der Fusion zugestimmt. Es soll nur zwei Gegenstimmen gegeben haben. Landrat Karl Roth, der Starnberger Klinikchef Thomas Weiler und Seefelds Bürgermeister Wolfram Gum informierten am Dienstag die Öffentlichkeit und die Belegschaft der Chirurgischen Klinik.

"Es geht weiter mit unserer Klink", das freute Gum, der auch Vorsitzender des Zweckverbands Krankenhaus Seefeld ist, am meisten. Nicht nur das. So schnell wie möglich wird nun für etwa 2,8 Millionen Euro ein weiterer Operationssaal gebaut, die Klinik wird eine internistische Abteilung bekommen und letztendlich auf mindestens 100 Betten vergrößert. Ob das in einem An- oder in einem Neubau realisiert wird, ist allerdings noch offen. Schon zum 1. April wollen die Starnberger mit den Seefeldern einen sogenannten Geschäftsbesorgungsvertrag schließen. Der als Interimsgeschäftsführer eingestellte Helmut Friedrich soll bleiben - "so lange er will", sagte Weiler. Er könne nun auf die gesamte Infrastruktur zurückgreifen. Die Stelle von Chefärztin Regine Hahn wird laut Weiler wieder besetzt. Hahn hat gekündigt und verlässt die Klinik zum 1. April.

Ein "Hurra" habe es im Kreistag nicht gegeben, räumte Landrat Roth ein. Schließlich ist das kleine Krankenhaus hoch verschuldet. "Aber wir wollten 3500 Patienten nicht im Regen stehen lassen", sagte Roth. Patienten, die in Starnberg nicht aufgenommen werden könnten. Das Klinikum mit seinen 300 Betten hat keinen Platz mehr zum Erweitern. "Wir haben schon zwei kommunale Häuser, da hat auch noch ein drittes Platz", meinte der Landrat und verwies auf die Synergieeffekte. Jedenfalls komme auf den Landkreis eine "Riesenaufgabe" zu.

Zunächst muss die Übernahme rechtlich geprüft, das Kartellamt informiert werden. Spricht nichts gegen die Fusion, wird der Zweckverband aus den Gemeinden Andechs, Gilching, Herrsching, Inning, Seefeld, Weßling und Wörthsee sowie dem Landkreis Starnberg aufgelöst. Bis Ende 2016 soll, wenn es nach dem Landrat geht, auch klar sein, ob die Klinik aus- oder neu gebaut wird. Wenn Thomas Weiler entscheiden dürfte, wäre es ein Neubau. Er könnte wesentlich funktionaler geplant werden, als es in dem alten Gebäude möglich ist. Außerdem könnte der Klinikbetrieb bis zum Umzug ungestört weiter laufen. Einig sind sich Geschäftsführer und Kommunalpolitiker, dass es eine zukunftsfähige Lösung sein müsse. Nur dann nämlich gibt es staatliche Zuschüsse. Weiler will aus dem bayerischen Gesundheitsministerium aber bereits positive Signale empfangen haben.

Der Betrieb des Seefelder Krankenhauses wird noch einige Zeit defizitär bleiben, da ist sich Weiler sicher. Wichtig ist dem Geschäftsführer, der das Starnberger Klinikum aus den roten Zahlen geführt hat und gerade dabei ist, das Penzberger Haus erfolgreich zu sanieren, dass die Seefelder Patienten nicht mehr hin- und hergefahren werden müssen. Bisher bringen die Seefelder ihre Patienten, die eine internistische Betreuung brauchen, in die Schindlbeck-Klinik nach Herrsching. Wenn die Seefelder eine eigene Innere haben, dürfte diese Art der Zusammenarbeit beendet sein. Ohnehin wisse man nicht, was der neue Eigentümer der Schindlbeck-Klinik, das amerikanische Unternehmen Myriad, mit dem Haus vorhabe, sagte Weiler. Seefeld soll eine autonome Klinik bleiben. Mit einer chirurgischen und internistischen Abteilung sei das möglich, als reine Fachklinik funktioniere das nicht. Weiler: "Wir halten eine Versorgung im Westen aufrecht, die zukunftsfähig ist."

Das Klinikum Starnberg hat 300 Betten und versorgt pro Jahr etwa 22 000 Patienten stationär und 40 000 in der Notaufnahme. "Da sind wir am Limit", sagte der Landrat. Penzberg zählt 100 Betten und jährlich an die 3900 Patienten. In Seefeld gibt es 72 Betten, 3500 Patienten werden stationär behandelt, 10 000 ambulant. "Wir werden unseren Weg gehen", erklärte Weiler. Bürgermeister Gum blieb nur eines: Dank zu sagen, dass die Seefelder Klinik erhalten bleibt.