Probleme mit der Pyrotechnik Rohrkrepierer am Ammersee

Zahlreiche Menschen warteten an der Herrschinger Seepromenade am Mittwochabend auf das Feuerwerk. Doch ein Rohrkrepierer sorgte für eine Panne. Teile der Ausrüstung wurden ins Wasser geschleudert.

(Foto: Norbert Liesz)

Durch einen technischen Defekt fällt das Feuerwerk beim Herrschinger Nachtmarkt kürzer als geplant aus. Viele Tausende Besucher verfolgen das Spektakel auf dem Wasser.

Von Michael Berzl, Herrsching

Der Aufwand ist immens, um so ein großes Feuerwerk wie am Mittwochabend in Herrsching vorzubereiten. Der Pyrotechniker Martin Hellmuth aus Polling muss Abschussrampen auf einem schwimmenden Ponton installieren, Zündschnüre und Kabel verlegen, Treibladungen platzieren und ganze Batterien von Raketen vorbereiten. So war es auch diesmal beim Nachtmarkt am Ammersee. Doch ein Rohrkrepierer hat ihm die aufwendig vorbereitete Show verdorben. Tausende Zuschauer hatten sich am Ufer versammelt, einigen fiel gleich zu Beginn ein mächtiger Knall auf, und das war schon der Anfang vom Ende. Das Feuerwerk war viel kürzer als geplant. "So etwas ist mir in 15 Jahren noch nie passiert", sagte Hellmuth am Tag danach der SZ. Für ihn war es der "worst case". Der Sachschaden, der entstand, geht wohl in die Tausende.

Das Feuerwerk zum Auftaktabend beim Nachtmarkt auf der Herrschinger Seepromenade, der noch bis zum Dienstag dauert, ist einer der Höhepunkte im Programm mit viel Musik, lateinamerikanischen Tänzern und mehr als 80 Ausstellern. In entwaffnender Offenheit schildert der 40-jährige Feuerwerker in einer Facebook-Nachricht das Malheur. "Jeder, der unsere Shows kennt, hat sofort bemerkt, dass hier ordentlich was schief gelaufen ist", erklärt er dort und macht einen technischen Defekt in einer Feuerwerksbombe dafür verantwortlich. Sie wurde nicht herausgeschossen, sondern explodierte schon im Rohr. Die Druckwelle zerstörte Teile der Ausrüstung, eine elektronische Zündanlage wurde ins Wasser geschleudert, so dass ein großer Teil der Effekte nicht mehr gestartet werden konnte. "Somit ist das Feuerwerk für uns alle auch ohne Regen auf gut Deutsch ins Wasser gefallen", bedauert Hellmuth, der nach eigenem Bekunden "die Feuerwerkerei über alles liebt". Eine Vorführung mit knapp 1300 Schuss und einer Dauer von etwa zehn Minuten "oder vielleicht auch etwas länger" hatte er eigentlich angekündigt und auch mit den Veranstaltern des Nachtmarkts vereinbart. Doch nach etwa fünf Minuten war schon alles vorbei.

Mit seiner Firma "Pillar of fire" hat er schon bei zahlreichen Veranstaltungen einen krachenden und spektakulären Höhepunkt geliefert. Insgesamt dürften es mehrere hundert Feuerwerke gewesen sein, die er schon gezündet hat, darunter zum Beispiel beim Schloss Höhenried, bei einer Party in Greifenberg oder beim Volksfest in Weilheim. Aber einen Unfall wie am Mittwoch habe es noch nie gegeben. Umso mehr betont er, wie wichtig es in so einem Fall sei, dass Sicherheitsabstände eingehalten wurden und dass das Equipment möglichst gut befestigt wird, so dass es auch bei einer Panne wie dieser nicht umkippt.

"Das war wie ein kleiner Bombenanschlag", erklärt der Feuerwerker mit drastischen Worten. Die Folgen sind entsprechend. Bisher ist er noch dabei, sich einen Überblick zu verschaffen, was alles kaputt gegangen ist. Die Wucht der Detonation war so groß, dass Metallgestelle verbogen und Abschussmörser total zerstört wurden. In den Ponton wurde ein Loch gerissen. Es blieb aber bei den Sachschäden. Personen wurden nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Der offene Umgang mit dem Patzer wird jedenfalls mit großer Sympathie aufgenommen. "Großes Kompliment dafür, den Fehler ohne Umschweife zuzugeben", lautet ein Facebook-Kommentar. "Es kann immer etwas passieren", schreibt ein anderer. Mehrere Zuschauer des Herrschinger Nachtmarkts fanden die Vorführung zwar zu kurz aber trotzdem schön. Hellmuth kündigt an: "Die geplante Show muss irgendwann nachgeholt werden". Darauf freuen sich schon einige, die am Mittwoch nur eine Kurzversion erlebten.