Pöcking Moderner Unterricht in der Kaserne

Fast 100 Millionen Euro fließen in Bau und Ausstattung des Bundeswehr-Campus bei Pöcking. In vier Jahren sollen die Fernmelder aus Feldafing in die neuen Gebäude umziehen

Von Christian Deussing, Pöcking

Drei große Kräne, viele Arbeiter und Baufahrzeuge zeugen davon, dass es auf dem Gelände der Maxhof-Kaserne bei Pöcking in gutem Tempo vorangeht. Auf einer Fläche von etwa sechs Hektar entsteht ein Lehrsaalgebäude mit drei Etagen und begehbarem Dach, auf dem 29 Antennen mit Satellitentechnik installiert werden. Angrenzend ist ein vierstöckiges Bürogebäude geplant, in dem 286 Dienst- und Besprechungsräume für die Fernmelder vorgesehen sind. Die Baukosten für den Campus-Komplex betragen 48 Millionen Euro. Etwa 50 Millionen Euro kosten nach Angaben der Bundeswehr zusätzlich der Umzug, die modernen IT-Systeme , das Mobiliar und die Außenanlagen. Dazu gehören eine neue Sporthalle und eine Bibliothek; Sanitärgebäude werden saniert. Gebaut werden außerdem zwei weitere Unterkunftshäuser für jeweils 120 Soldaten.

Ein weiterer Parkplatz wird nördlich der Kaserne errichtet, berichtet Oberstleutnant Renée Völkel, Kommandant der General-Fellgiebel-Kaserne in Pöcking, die wie die Feldafinger Kaserne zur Führungsunterstützungsschule der Bundeswehr gehört. "Seit hier die Kräne stehen, ist unser Standort endgültig gesichert", betonte Völkel am Donnerstag vor der Großbaustelle, die vom militärischen Gelände ausgenommen und von einem Zaun abgetrennt ist. "Sonst müssten wir ständig die Laster und Arbeiter kontrollieren und würden nie fertig werden", sagte der Kommandant und zeigte der Presse auf einer Behelfsbrücke den Plan für den Campusbau, auf dem täglich bis zu 60 Arbeiter tätig sind.

IT-Technik für viele Millionen Euro wird in das neue Lehrsaal- und Bürogebäude in der Maxhof-Kaserne eingebaut werden.

(Foto: Simulation: karl + probst architekten/münchen)

Es sei das "modernste Bauwerk der Bundeswehr", das hier entstehe, sagt Völkel. Es werde 83 Lehrsäle, darunter 35 spezielle Ausbildungsräume für Datenübertragung und Datenverarbeitung, geben. Es wird auch eine Vortragsaula für bis zu 350 Personen zur Verfügung stehen, multimedial und mit Simultan-Dolmetschern. Die Gesamtfläche der Lehrsäle in dem quadratischen Gebäude beträgt mehr als 6000 Quadratmeter.

Wenn alles nach Plan läuft, ist der Rohbau im Mai fertig. Zur Zeit ist eine Hochbaufirma aus Bad Kissingen auf der Baustelle beschäftigt. Täglich können die Bundeswehroffiziere und bis zu 600 Lehrgangsteilnehmer beobachten, wie die Neubauten an Konturen gewinnen. Das Staatliche Hochbauamt Weilheim, das für die Ausschreibungen zuständig ist, wird voraussichtlich in knapp drei Jahren die neuen Gebäude an die Bundeswehr übergeben. Danach soll der Umzug beginnen, den der Pöckinger Kommandant logistisch leiten wird. Die hochwertigen und sensiblen Ausbildungssysteme müssen von Feldafing aus in die Maxhof-Kaserne verlegt und dort eingebaut werden. Das geschehe während des laufenden Schulbetriebs und werde bis zu neun Monaten andauern, erläutert Völkel.

Damit könnten die Feldafinger Fernmelder wohl im Sommer 2020 nach Pöcking umziehen. Das 35 Hektar große Areal in Feldafing würde damit für die Gemeinde frei werden. Ein Szenario, das sich Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim stets gewünscht hat, um endlich Planungssicherheit zu erlangen. Der Rathauschef hat deswegen schon mehrfach an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen geschrieben, um feste Zusagen aus Berlin für den Umzugstermin der Fernmelder nach Pöcking zu erhalten. Der ursprünglich genannte Termin für den Umzug liegt inzwischen schon mehr als zehn Jahre zurück. Wenn die Soldaten ausgezogen sind, plant die Gemeinde eine "campusartige Bebauung", wie Sontheim erklärt.

Den Masterplan für den Ausbau der Pöckinger Maxhof-Kaserne zeigte Oberstleutnant Renée Völkel auf der Baustelle.

(Foto: Nila Thiel)

Zunächst wird auf dem nördlichen Teil des Kasernengeländes in Feldafing die Benedictus-Klinik der Artemed-Gruppe neu gebaut. Die Bauarbeiten beginnen in diesen Tagen. Das bestehende Krankenhaus im Feldafinger Ortszentrum entspricht nicht mehr heutigen Anforderungen.