Pöcking Abschied vom Kaisersohn

Die Trauerfeierlichkeiten für Otto von Habsburg werden in München, Wien und Budapest fortgesetzt, tief bewegt nimmt die Bevölkerung anteil.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Fünf Tage nach dem Tod des ältesten Sohnes des letzten Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn, Otto von Habsburg, hat die Gemeinde Pöcking am Samstag Abschied von ihrem Ehrenbürger genommen. Die Anteilnahme am Tod des prominenten Mitbürgers, der 57 Jahre in Pöcking gelebt hat, war überwältigend: Hunderte Bürger säumten die Straßen beim Trauerzug, die Kirche St. Pius Pöcking war brechend voll. Viele Bürger, die keinen Platz mehr bekommen hatten, warteten geduldig vor der Kirche, um einen letzten Blick auf den mit einer Decke in den schwarz-gelben Farben der Habsburger sowie dem Reichs- und dem Familienwappen geschmückten Sarg werfen zu können.

Leichenzug Otto von Habsburg Pöcking Leichenzug mit dem Sarg Otto von Habsburgs durch Pöcking. Dem Sarg folgen die Söhne Karl und Georg von Habsburg.

(Foto: Traditionsvereine)

Als Glockengeläut den Beginn des Trauerzugs anzeigte, hielt das Alltagsleben in Pöcking für einen Moment inne. Schweigen breitete sich im Dorf aus. Bis dahin hatten dunkle Gewitterwolken am Himmel gestanden, doch jetzt kam die Sonne heraus. "Jetzt bekommt der Kaisersohn Kaiserwetter zum Abschied", sagte jemand. Tief ergriffen standen die Pöckinger am Straßenrand, viele in Trauerkleidung. Zur feierlichen Marschmusik der Pöckinger Blaskapelle setzt sich der Zug in Bewegung.

Angeführt von rund 20 Fahnenabordnungen, darunter Pöckinger Vereine, Vertreter der Paneuropa-Union sowie Studentenverbindungen, Gebirgsjägern und Schützenbataillonen aus Österreich, wurde der Sarg des Verstorbenen von der St.Ulrichskirche zur Pfarrkirche St. Pius gebracht. Das Requiem zelebrierten Diözesanbischof Konrad Zdarsa, Bischof Franjo Komarica von Banja Luka (Bosnien Herzegowina) und weitere Vertreter des Klerus. Der im Vorjahr wegen Missbrauchsvorwürfen zurückgetretene Diözesanbischof Walter Mixa hatte, so eine Sprecherin des Hauses Habsburg, auf ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen an der Zeremonie teilgenommen. Unter den Trauergästen befanden sich neben den sieben Kindern, 22 Enkeln und zwei Urenkeln des Erzherzogs von Österreich und Prinzen von Ungarn zahlreiche Vertreter des Adels und der Politik, darunter Bundesministerin Ilse Aigner und Staatsminister Georg Fahrenschon.

Der langjährige Europaabgeordnete und Ehrenpräsident der Internationalen Paneuropa-Union Otto von Habsburg war am Montag letzter Woche mit 98 Jahren auf seinem Anwesen in Pöcking verstorben. Posthum war ihm am Freitag das "Großkreuz der französischen Ehrenlegion" - die höchste Auszeichnung Frankreichs, die an Ausländer vergeben werden kann - verliehen worden. Den Orden nahm sein Sohn Karl von Habsburg vor dem Sarg entgegen. Papst Benedikt schrieb in einem Beileidstelegramm, von Habsburg habe sich als "großer Europäer" unermüdlich für Frieden, das Miteinander der Völker und eine gerechte Ordnung auf diesem Kontinent eingesetzt. Auch Bischof Zdarsa würdigte die großen Verdienste des Verstorbenen. Er habe sich aus einem christlichen Geist heraus für Frieden und Freiheit eingesetzt, wie 1989 in Sopron, als er mehr als 600 DDR-Bürgern zur Freiheit verholfen habe. "Da wurde im Osten erstmals ein Aufatmen sichtbar", sagte Bischof Zdarsa.

Als Otto von Habsburg Pöcking für immer verließ, wurde er mit Ehrensalutschüssen verabschiedet. Nächste Station ist München, dort wird Kardinal Reinhard Marx heute ein Pontifikalrequiem in der Theatinerkirche zelebrieren, ehe der Verstorbene nach Mariazell und am Samstag nach Wien überführt wird. Nach einem Requiem im Stephansdom wird er bei seinen Vorfahren in der Kapuzinergruft beigesetzt. Die Urne mit dem Herz wird nach alter Familientradition der Habsburger in Budapest beigesetzt.