Plage am Ammersee Rückschlag für Mücken-Bekämpfung

Zunächst sollten nur die Brutgebiete der Stechmücke kartiert werden, um Schäden für andere Insekten auszuschließen.

(Foto: dpa)

Der Einsatz des umstrittenen Mittels BTI ist nur dann sinnvoll, wenn alle Anrainer mitmachen. Der Gemeinderat von Herrsching hat sich nun dagegen ausgesprochen

Von Marcella Rau, Herrsching

Es ist ein Thema, das viele Menschen im Landkreis bewegt: Der Einsatz des biologischen Mückenbekämpfungsmittels Bacillus thuringiensis israelensis (BTI). Bereits in der Vergangenheit hatte das Thema wiederholt Aufmerksamkeit erregt. Jüngst erst übergaben Margit Vetter und Rainer Jünger von der Initiative "Mückenplage - Nein Danke" 60 Stellungnahmen Herrschinger Bürger an Rathauschef Christian Schiller. Ebenso leidenschaftlich wird jedoch auch gegen den Einsatz von BTI argumentiert. Um mehr Sachlichkeit in die emotionale Debatte zu bringen, lud die Gemeinde nun mit Norbert Becker und Carsten Brühl zwei führende Experten zum Thema Mückenbekämpfung durch BTI in den Gemeinderat ein, um die Vor- und Nachteile aus wissenschaftlicher Perspektive ausführlich darzustellen.

Während Becker, der sich als wissenschaftlicher Direktor der "Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage" für den Gebrauch von BTI einsetzt, von guten Erfahrungen berichtete, die bereits am Oberrhein mit BTI gemacht wurden, und versichert, dass ein Einsatz völlig unschädlich sei, argumentierte Brühl, dass mit negativen Langzeitwirkungen gerechnet werden müsse. Am Ende schließlich überwog der Zweifel: Der Gemeinderat entschied sich gegen die Kartierung der Brutgebiete als notwendigen Schritt für den BTI-Einsatz.

Das Votum könnte durchaus Auswirkungen über die Gemeindegrenzen hinweg haben: Überschwemmungsmücken bewegen sich in einem Radius von bis zu 15 Kilometern. Ihre Bekämpfung ist daher nur sinnvoll, wenn alle Gemeinden in der Region an einem Strang ziehen. Während die Entscheidung in anderen Gemeinden noch aussteht, hat Wörthsee der Kartierung der Brutgebiete jedoch bereits zugestimmt - unabhängig von der Entscheidung des Herrschinger Gemeinderats, betonte Bürgermeisterin Christel Muggenthal. Damit steht jedoch nicht fest, dass BTI am Ende auch eingesetzt wird. Wenn die Ergebnisse vorlägen, würde man sich sicherlich auch mit den anderen Gemeinden zusammensetzen, sagte Muggenthal. Sollten sich jedoch viele Gemeinden gegen einen Einsatz des Mückenbekämpfungsmittels entscheiden, sei eine sinnvolle Bekämpfung der Insekten voraussichtlich nicht möglich.

Rainer Jünger jedenfalls reagierte gefasst auf die ablehnende Entscheidung in Herrsching. Bedauerlich sei allenfalls, dass damit eine eindeutige wissenschaftliche Klärung der Sachlage verhindert wurde, meint der Initiator der Initiative "Mückenplage - Nein Danke". Denn zentrales Argument gegen den Einsatz von BTI war eine mögliche Schädigung der Zuckmücken, eine für den Menschen völlig unschädliche, für die Nahrungskette aber wichtige Insektenart, die durch BTI ebenfalls abgetötet wird. Durch die Kartierung hätte zumindest geklärt werden können, ob Beckers Einwand, die Brutgebiete von Zuckmücken unterschieden sich so grundlegend von denen der Überschwemmungsmücken, dass eine ungewollte Schädigung der Insekten ausgeschlossen werden könne, zutreffend sei.

Ein endgültiges Aus für die Bekämpfung der Mückenplage will Jünger im Votum des Herrschinger Rates jedoch noch nicht sehen. Auch am Chiemsee, wo BTI seit langem im Einsatz ist, gäbe es Gemeinden, die nicht mitmachen. Jahre habe es gedauert, bis die Entscheidung zu Gunsten des Stoffs ausfiel. Doch in Herrsching wird die Mückenplage, von der in diesem Jahr glücklicherweise nur wenig zu spüren war, wohl weiter nicht bekämpft werden. Denn der Eingriff der Menschen in die Natur habe noch nie Gutes bewirkt, stellte Gemeinderat Wolfgang Schneider (SPD) fest.