Phänomen der Kraftorte Exponierte Lage mit positiver Lebensenergie

Der ehemalige Lehrer Fritz Fenzl führt Gäste zu Kraftorten.

(Foto: Benjamin Engel)

Fritz Fenzl erforscht Kraftorte und hat zwei Wanderungen erstellt, die zu magischen Plätzen in Münsing führen

Von Benjamin Engel, Münsing

Der Moränenhügel mit der Kirche Sankt Johann Baptist am höchsten Punkt prägt das Dorf Holzhausen. Der imposante Sakralbau ist sagenumwoben. Auf die Stelle sollen Vögel Holzscheite fallen gelassen und Ochsen den schweren Stein gezogen haben, ohne dass sie jemand antrieb. So erklärt ein Tafelbild im Inneren, wie der Standort für den Bau der Kirche gefunden wurde. In vorchristlicher Zeit soll die Erhebung im Südwesten von Holzhausen den Kelten als Kultstätte gedient haben. Lange prägte die sogenannte tausendjährige Linde den prominenten Aussichtsplatz, bis ihr Mitte der 1990er-Jahre ein Sturm das Ende setzte.

Aus Sicht von Fritz Fenzl ist der Platz um die Kirche ein energiegeladener Kraftort und Ausgangspunkt für eine der beiden Kraftort-Wanderungen, für die er Führungen anbietet. Die Interessengemeinschaft Tourismus Münsing hat zwei Flyer für die Touren von Holzhausen zur Maria- Dank-Kapelle auf dem Fürst Tegernberg sowie zwischen Buchsee und Weipertshausen finanziert. Noch im Frühjahr sollen die frisch gedruckten Flyer bei örtlichen Vermietern und Tourismusanbietern ausliegen. Der 66-jährige inzwischen pensionierte Lehrer für katholische Theologie und Deutsch beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit dem Phänomen der Kraftorte. Für ihn sind die oft exponierten Plätze mit Kirchen und Kapellen Lebensorte voll positiver Lebensenergie.

Was wissenschaftlich nicht bewiesen ist, ist für Fritz Fenzl trotzdem Physik. "Kraftorte hängen mit dem kosmischen Gefüge zusammen", sagt er. Diese Plätze seien Lebensorte. Wenn sich die runde Erde um ihre schräg stehende Achse drehe, wirkten zentripetale und zentrifugale Kräfte, erklärt er. Hinzu komme der Einfluss der Erdanziehungskraft. Außerdem habe jeder Kraftort mit Wasser zu tun. Und das gebe es in Münsing am Ostufer des Starnberger Sees reichlich.

Südöstlich auf einem Hügel ist als Ziel- und Endpunkt der Wanderung von Holzhausen über Attenkam die Maria-Dank-Kapelle auf dem Fürst Tegernberg bei Degerndorf zu sehen. Der Ort entging im Dezember 1944 nur knapp einem Inferno. Eine Woche vor dem Heiligen Abend trudelte damals ein britischer Lancaster-Bomber brennend über Degerndorf. Nur 500 Meter vom Ort entfernt explodierte das Flugzeug in der Luft. Die Überreste gingen auf einer Fläche von drei Quadratkilometern nieder. Die meisten Wrackteile fanden sich am Fürst Tegernberg. Nur eines der sieben Besatzungsmitglieder überlebte. Der Mann wurde den Wolfratshauser Behörden übergeben.

Die heutige Kapelle auf dem Fürst Tegernberg mit weiter Fernsicht errichteten die Degerndorfer zwischen 1947 und 1948 zum Dank, vor Schlimmerem verschont geblieben zu sein. So hätte das mit Phosphorbomben bestückte Flugzeug auch auf den Ort stürzen können. Noch jahrzehntelang fanden die Einwohner bei der Kapelle einen Kranz. Sie vermuteten, dass der einzig Überlebende des Absturzes das Gebinde ablegte, sahen aber nie jemanden. So wie die Kirche von Holzhausen und die Kapelle von Degerndorf verbinden Kraftorte laut Fenzl kerzengerade Linien. Indem sie sich schneiden, entstehen Rautenmuster. An deren Kreuzungspunkten lägen häufig Siedlungen.

Abseits größerer Orte liegt der Ausgangspunkt der zweiten Kraftort-Wanderung in Münsing am Buchsee. Links der Verbindungsstraße zwischen Münsing und Höhenrain sind rund 20 Hügelgräber aus der Hallstattzeit versteckt. Am Nordufer des Buchsees geht es Richtung Westen, an einem großen Bauernhof vorbei, dann rechts und wieder links bis nach Weipertshausen. Nördlich des kleinen Ortes steht auf einem Hügel die Kapelle Sankt Coloman. Der von Linden und Buchen dicht umstandene Sakralbau stürzte 1985 ein, wurde originalgetreu nach den Stifterplänen von 1608 wiederaufgebaut. Früher war der Hügel wohl eine heidnische Kultstätte. Fenzl erklärt, dass die Kirche solch vorchristliche Kultorte oft in Wallfahrtsorte umfunktioniert habe. Die Lebensenergie könne er an derartigen Plätzen spüren. Und das wolle er den Gästen seiner Führungen "als gefühliger Mensch vermitteln".

Was den Platz auf alle Fälle auszeichnet, ist der freie Blick nach Süden über das hügelige Alpenvorland bis zu den Bergen. Fenzl spürt diese Orte bewusst auf und hat bisher schon viele Bücher zum Thema veröffentlicht. Er verfasste Mundartlyrik und wurde Mitglied der Dichtervereinigung "Die Turmschreiber". Er war Vorsitzender im Münchner Literaturarchiv "Monacensia". Noch in diesem Jahr will der Autor ein Buch über Geheimgesellschaften in Bayern veröffentlichen. Es wird auch um den Bund der Guglmänner gehen, die unter anderem König Ludwig II. verehren, der im nahen Berg am Ufer des Starnberger Sees ums Leben kam.