Mitten in Bachhausen Rettungsaktion für Adam

Adam ist zwei Jahre alt und wird wohl noch ein bisschen wachsen.

(Foto: Astrid Becker)

Manchmal ist beherztes Eingreifen auch von Journalisten nötig - zum Beispiel, wenn ein Ziegenbock zum Metzger soll.

Kolumne von Astrid Becker

Es ist nicht immer einfach, Journalist zu sein. Just dann nicht zum Beispiel, wenn man sich in Gemeinderatssitzungen mit Schreibfehlern in Bebauungsplänen herumschlagen muss, über die das Gremium stundenlang debattiert. Dann kämpft sogar ein gestandener Redakteur gegen einen Tiefschlaf, den nicht mal ein Presslufthammer unterbrechen könnte. So ein Journalist ist ja nebenbei auch nur ein Mensch - wenngleich er beide Tatsachen in seinem Leben strikt trennen sollte. Normalerweise.

Wenn aber Termine wie das Goaßbockfest in Bachhausen im Kalender stehen, dann kann sich das schnell ändern. Schon zuvor verwandelt sich der Lokalreporter in ein Duracell-Häschen, das das Ereignis kaum erwarten kann. Selbst die Warnung von Goaßbockfest erfahreneren Kollegen: "Pass bloß auf, dass Du nicht mit einem Ziegenbock heimkommst", wirken nicht abschreckend. Schließlich steht nichts der Verfasserin dieser Zeilen ferner als das.

Doch als just an diesem Tag, auf diesem Fest, ein Wallgauer Ziegenbockbesitzer von der Bühne herab damit droht, seinen "Adam" gleich nach dem Fest zu "vakuumieren", hält es den sonst um Distanz bemühten Schreiberling nicht mehr auf seiner Bierbank. Er respektive sie respektive ich kann das nicht mitanschauen, schon gar nicht die großen, vor Entsetzen geweiteten Kinderaugen am Nachbartisch. Da bewirbt sich ein Tier um den Titel "Bock des Jahres", um dann in einer Wursthaut zu enden? Geht gar nicht. Also bleibt nur eines: Der Adam wird gekauft. Sofort. Der Deal mit dem Besitzer steht ebenfalls sogleich: Das Tier bleibt am Leben und auf seiner Weide bei all seinen Artgenossen in Wallgau. Per Handschlag - so wie es sich bei Viehkäufen gehört - wird der Handel besiegelt. Wenig später soll der Adam sogar noch richtig begehrt werden: Der "Hias" aus Erling will ihn haben. Drei Kinder fragen auch ganz schüchtern nach, was so ein Bock denn koste. Und da ist auch noch eine Dame aus Berg, die Anspruch auf die Rettung eines solchen Tieres erhebt.

Gut, das ist auch kein Wunder. Adam ist ja recht schön - und die Wallgauer zum Glück auch recht geschäftstüchtig. Die haben die Begehrlichkeiten, die sie mit ihren Böcken bei so einem Fest wecken, klar erkannt - und einfach mal genug Tiere eingepackt. Also werden an diesem Tag so einige Händel besiegelt. Bleibt nun bloß die Frage, welche Folgen das Ganze hat. Für die neue Adam-Besitzerin steht jedenfalls schon mal fest: Sie wird sich jetzt in Ziegenkunde fortbilden. Kann jedenfalls nicht schaden. Schließlich ist ja in vier Jahren schon wieder Goaßbockfest. Und da will sie dabei sein. Als Mensch. Am liebsten mit Adam.