"Lebendiger Treffpunkt" Veränderung als Geschäftsidee

Friederike Müller hat neben ihrer Agentur "Die Starnbergerin" nun in der Kreisstadt ein Geschäft eröffnet. In dem Concept-Store in den ehemaligen Räumen von Mode-Münch kooperiert sie mit 20 Markenpartnern

Von Otto Fritscher, Starnberg

"Ich kann's nicht mehr hören, dass in Starnberg nichts geht", sagt Friederike Müller. Die blonde Frau lässt den Blick schweifen, aus dem großen Fenster über den Kirchplatz, wo gerade der Wochenmarkt stattfindet, und dann weiter über ihr neues Reich: Es ist 440 Quadratmeter groß und befindet sich dort, wo die Starnberger jahrzehntelang Mode-Münch gewohnt waren, ein Traditionsgeschäft, das im vergangenen Jahr geschlossen hat. Luftig, hell und großzügig hat Friederike Müller die Räume gestaltet, eher müsste man sagen: fein dekoriert: Es ist eine Mischung aus Mode, Interieur wie Möbeln, Teppichen, Accessoires - und einem kleinen Café im Obergeschoss. "Wir wollen hier einen lebendigen Treffpunkt schaffen, an dem man nicht nur ungewöhnliche Dinge findet, sondern wo man auch einfach mal hereinschauen, einen Cappuccino trinken und Ideen entwickeln kann", sagt Müller. Ideen entwickeln - das ist sozusagen das Leitmotiv der Frau, die seit Jahren schon mit der Agentur "Die Starnbergerin" in der Kreisstadt tätig ist. Nun ist sie - über einen kleinen Umweg - sozusagen zur Ladenbesitzerin geworden, wobei sie ihr Geschäft nicht als Geschäft sondern als "Concept-Store" bezeichnet. Ihr Sortiment bezieht Müller von ungefähr 20 verschiedenen "Markenpartnern", also direkt von den Produzenten, etwa der Taschen aus feinstem Leder aus Italien, oder von Modedesignern aus Berlin. "Viele Geschäfte sind so mit Waren vollgestopft, dass man den Überblick verliert und nichts mehr sieht", erklärt Müller. Bei ihr soll das nicht so sein, deshalb werden die Möbelstücke - etwa ein edler Champagner-Schrank oder Stühle aus den Fünfzigern oder Sechzigern, neu bezogen, oder Vasen und Gläser aus Südfrankreich sehr luftig präsentiert. Und dann gibt es auch zumeist noch großformatige Teppiche, etwa jenen Hochzeitsteppich mit einem Granatapfelbaum als Motiv aus Persien. Beinahe wie ein Spaziergang ist ein Bummel durch den Laden, man entdeckt ständig etwas Neues und Überraschendes.

Es ist Frühling, und das sieht man im Geschäft von Friederike Müller am Starnberger Kirchplatz. "Be change" nennt sie den Concept-Store.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das Obergeschoss ist der Damenwelt vorbehalten, während es im unteren Bereich eher um die Männer geht. Hier ist die Einrichtung noch nicht fertig, denn Müller bekommt noch ein Custom Made Bike, ein Motorrad der Marke Blitz, und das Interieur wird noch ein bisschen in Richtung Rallye-Sport aufgepeppt. Noch nicht fertig ist auch eine kleine "Reiseecke", wie Müller das nennt, denn die Hersteller verschiedener Waren wie der Taschen aus Italien haben Müller eingeladen, sie doch mitsamt einiger Kunden zu besuchen. "Das muss ich aber noch organisieren", erklärt Müller und lacht. Ideen hat sie also genug.

Mode und Interieur gehören zum Programm des Concept-Stores. Die Angestellte Christiana Peter berät eine Kundin.

(Foto: Arlet Ulfers)

Ungewöhnlich auch der Name für das Geschäft: "Be change". Was μMüller mit "Lebe Deine Veränderungen", oder verlasse eingefahrene Spuren übersetzt. Beim Einrichten des Ladens hat sie denn den alten Kaufmannsgrundsatz nicht beherzigt, der da sagt, viel Ware auf der Verkaufsfläche bringe auch viel Umsatz. Acht Mitarbeiterinnen hat das Be-Change-Team momentan. "Alles Frauen", sagt Müller und lacht.

Sie hat die Kleidungsstücke auch nicht nach Marken sortiert, sondern nach "Styles", wie sie sagt. Momentan scheint die Rockabilly-Mode wieder lebendig zu werden. Ein bisschen zu hören war das auch am Mittwochabend, als Müller zum ersten Konzert in ihrem Geschäft eingeladen hatte. Victoria Lake sang, und die Mellowtones spielten dazu. "Jeden Monat möchte ich eine Veranstaltung machen", erklärt die Geschäftsfrau, die in den Räumen von Be Change auch ihre Agentur weiterführt. Für den Mai ist eine Ausstellung mit der Starnberger Malerin Ludwika Härting geplant, Vernissage ist am 11. Mai. Wichtig ist Müller auch die Zusammenarbeit mit anderen Geschäften rund um den Kirchplatz und aus Starnberg überhaupt. Und darüber hinaus, denn es gibt Snacks von der "Bio-Mamma" aus Oberpfaffenhofen, die zum Team von "Il Plonner gehört".

Am Schaufenster prangt auch der Schriftzug von Tesla. Nein, Elektroautos verkauft Friederike Müller nicht, wer aber einen der gut vier Dutzend Teslas mit STA-Kennzeichen fährt, kann am sogenannten "Destination Charger" auf dem Parkplatz neben dem Haus sein E-Mobil während des Einkaufsbummels laden. Was noch fehlt, ist ein Online-Store, aber der kommt.