Landschulheim Kempfenhausen Schüler fordern mit Petition mehr Sicherheit auf Schulweg

130 Autos, sieben Busse, Radler und Fußgänger ballen sich morgens am Gymnasium. Joshua Grasmüller und seine Mitstreiter wollen Bushaltestelle und Parkplätze verlegen.

Von Sabine Bader

Es ist 7.30 Uhr. Vor dem Landschulheim Kempfenhausen herrscht reges Kommen und Gehen. Kein Wunder, der Unterricht beginnt hier bereits um zehn Minuten vor acht. An der Einfahrt zum Gymnasium bildet sich eine kleine Schlange von heranrollenden Eltern, die mit ihren Autos einbiegen und ihre Kinder vor der Schule abliefern wollen. Aus der Gegenrichtung rollt ein Bus heran. Schüler steigen aus. Ein Mädchen muss zur Seite springen, damit sie der Wagen einer Mutter in der schmalen Einbahnstraße nicht erfasst. Sie landet mit den Füßen im Matsch. Wieder andere Schüler kommen zu Fuß oder mit dem Radl. Die Situation vor Schulbeginn ist schlichtweg unübersichtlich.

Das finden auch die Schüler selbst. Sie wollen wachrütteln und haben darum eine Petition zur Neuordnung der Zufahrt und Parksituation am Landschulheim verfasst. Bereits 400 Unterschriften haben sie bei Mitschülern, Eltern und Lehrern gesammelt. "Und es werden täglich mehr", freut sich Mitinitiator und Schülersprecher Joshua Grasmüller. Der 15-Jährige, der die zehnte Klasse besucht, kann die Situation beurteilen. Seit der fünften Klasse geht er hier zur Schule und lebt auch unter der Woche im Internat. Er und seine Mitstreiter von der Schülervertretung haben ein Konzept erarbeitet, wie die Veränderungen aussehen könnten.

Der 15-jährige Schülersprecher und seine Mitstreiter finden die allmorgendliche Zufahrts- und Parksituation vor der Schule schlichtweg gefährlich.

(Foto: Nila Thiel)

Ihre Forderung ist klar: mehr Schulwegsicherheit beim Ein- und Aussteigen an der Bushaltestelle Bucentaurweg sowie auf dem Geh- und Radweg, der direkt am Schulgelände entlangführt. Die Schüler wollen erreichen, dass die Bushaltestelle in südliche Richtung in eine Haltebucht auf der Straße verlegt wird, deren Zugang barrierefrei sein soll. Hinter der Haltstelle sollen nach ihrer Ansicht fest ausgebaute Haltebuchten für Eltern entstehen und Parkplätze. Buchten für Schrägparker soll es auch entlang des Geh- und Radwegs geben, allerdings sollen direkt vor der Schule nur noch Lieferdienste und Rettungsfahrzeuge halten dürfen. Die Forderung richtet sich an die Gemeinde Berg, den Landkreis Starnberg und den Zweckverband Bayerische Landschulheime. Bei all dem, so die Schüler, müsse man erreichen, dass die Parkplätze an schönen Sommertagen nicht von Badegästen okkupiert werden, die nahe des Perchaer Badegeländes keine Parkplätze mehr finden.

Die Schüler haben sich wirklich viel Arbeit gemacht und sogar eine Evaluationen angefertigt. Diese hat ergeben, dass morgens zwischen 7 und 8 Uhr an der Bushaltestelle rund 190 Schüler, also knapp ein Drittel der gesamten Schülerschaft, in insgesamt sieben Bussen ankommen und aussteigen. Während dieser Zeit passieren durchschnittlich 130 Autos die Zufahrt zum Landschulheim und somit auch die Bushaltestelle.

Die Forderung nach mehr Schulwegsicherheit und einer Neuordnung der Halte- und Parksituation vor der Schule ist nicht neu. Bereits vor gut drei Jahren hat es zu dem Thema eine Ortsbesichtigung und etliche Gespräche mit Behördenvertretern gegeben, erinnert sich Bergs Bürgermeister Rupert Monn noch gut. Man habe sogar schon eine Planung gehabt, sagt er. Gescheitert sei das Ganze schließlich am Geld. "Der Zweckverband verweigerte es schlicht, sich in irgendeiner Form zu beteiligen". Er verwies damals offenbar auf seine Satzung, wonach er nur das bezahlen könne, was der Schule direkt zugutekomme. Dabei hätte die Gemeinde laut Monn ohnehin den Löwenanteil übernommen. Angedacht hatte man eine Beteiligung von 80 zu 20 Prozent. "Ich wollte den Zweckverband aber einfach mit im Boot haben."

Für einen sicheren Schulweg zum Gymnasium Kempfenhausen tritt Schülersprecher Joshua Grasmüller ein.

(Foto: Nila Thiel)

Für den neuen Direktor der Schule, Elmar Beyersdörfer, ist das "Absurde an der Geschichte", dass es sich, wie man es jetzt drehe und wende, um Steuergelder handele. Er findet es jedenfalls gut, dass seine Schüler die Öffentlichkeit wachrütteln, "bevor etwas passiert und das Geschrei groß ist". Und auch Bergs Bürgermeister Monn findet: "Wir müssen reden." Eben darauf hofft Joshua Grasmüller. "Dann hat es sich schon gelohnt."