Krailling Zwei Mädchen ermordet aufgefunden

Eine Mutter hat nach einem Kneipenbesuch ihre Töchter tot im Kinderzimmer entdeckt. Die Polizei hat noch keine Spur.

Von Christian Deussing und Susi Wimmer

Es war ein grausiger Fund im Morgengrauen: Eine 41-jährige Mutter aus Krailling hat bei der Heimkehr von einem Kneipenbesuch mit ihrem Lebensgefährten Donnerstagfrüh ihre beiden Töchter tot in deren Kinderzimmern entdeckt. Die Mädchen, acht und elf Jahre alt, waren wohl mit großer Brutalität erstochen und erschlagen worden. Oberstaatsanwältin Andrea Titz sagte, es gebe bislang keinerlei Erkenntnisse, weder zum Motiv, noch zu einem Tatverdächtigen. Auch das Obduktionsergebnis wolle man noch nicht herausgeben.

Ein Wirtshaus, eine Dorfkapelle, gelegentlich ein Spaziergänger, der vorbeikommt und sich über die zugeparkte Margaretenstraße wundert. Die ländliche Idylle in Krailling ist am Donnerstagmorgen ins Wanken geraten: Vor einem orangefarbenen Haus hat die Polizei rot-weiße Flatterleinen gespannt, der Tatort ist abgeriegelt, die Spurensicherung im Einsatz. Hier, oberhalb der Änderungsschneiderei, im ersten Stock des Hauses sollen die achtjährige Chiara und die elfjährige Sharon in der Nacht auf Donnerstag gewaltsam ums Leben gekommen sein. Die Mordkommission ist da, Ermittler sprechen von einem "zweifachen Tötungsdelikt". Man verweist auf die für den Nachmittag angesetzte Obduktion.

Nach Informationen der SZ war die die 41-jährige Anette S. Mittwochabend gegen 22.30 Uhr noch ausgegangen und hatte ihre beiden Töchter alleine in der Wohnung zurückgelassen. Die Frau ist mit dem Pächter einer Musikkneipe in Krailling liiert und hat dort auch als Bedienung mitgeholfen. An diesem Abend jedoch soll dort eine private Feier stattgefunden haben.

Gegen 4.40 Uhr früh kam das Paar nach Hause, wollte noch nach den Mädchen schauen. Chiara lag tot in ihrem Kinderzimmer, die elfjährige Sharon soll nach SZ-Informationen noch gelebt haben, wenig später aber den schweren Stich- und Schlagverletzungen erlegen sein. In der Wohnung fand sich auch ein Messer, ob es sich dabei um die Tatwaffe handelt, ist noch unklar. Dem Vernehmen nach sollen auch nachts die Haus- und Wohnungstür nicht immer versperrt gewesen sein - was offenbar nur wenige Personen wussten. So wurden auch keine Einbruchspuren gefunden.

Blonde Haare, freche Grimassen: die Fotos, die Chiara von sich in einem Internetforum eingestellt hat, zeigen ein lebenslustiges Mädchen, das auf Miley Cyrus steht und Sponge-Bob, auf Reiten und Pferde. Auch ihre Schwester, die das Kurt-Huber-Gymnasium in Gräfelfing besuchte, war offenbar gerne online. Der Vater der Kinder und Anette S. hatten sich bereits vor längerer Zeit getrennt. Er lebt in München, pflegte einen guten Kontakt zu den Mädchen und hatte eine neue Familie gegründet.

"Wer begeht bloß so ein schreckliches Verbrechen?"

Freunde der Mutter können die schreckliche Tat nicht fassen und fragen sich: "Wer begeht bloß so ein schreckliches Verbrechen?" Es habe sich doch in den letzten Jahren alles gut in der Familie mit dem Vater eingespielt. Sie sind sich sicher: Der Vater sei es nicht gewesen, der habe kein Motiv gehabt. Ein Bekannter schildert, wie fröhlich die beiden Mädchen noch am Montag von einem Synchronstimmen-Casting für einen französischen Zeichentrickfilm nach Krailling zurückkamen. Vor allem Sharon soll gute Chancen auf ein Engagement gehabt haben.

Ein Freund fuhr am Morgen an der Absperrung und etwa 20 Reportern und Kameraleuten vorbei und hielt vor dem Mordhaus. Am Abend vor der Tat habe er noch seinen Sohn im ersten Stock abgeholt, wo Anette S. manchmal Nachhilfe gab. "Die Kids waren so gut drauf, es war wie immer", erzählt der Mann. Während die Kamerateams abrücken, sitzen noch einige Kraillinger auf einer nahen Bank. Sie kennen die Mutter und die Töchter gut - und haben Tränen in den Augen.

Bereits am frühen Morgen waren viele Kraillinger aufgeschreckt worden. Bei der Sofortfahndung kreiste ein Polizeihubschrauber über die Dächer, Streifen und Spürhunde prüften Passanten in der gesamten Umgebung - darunter auch Jogger. Kraillings Bürgermeisterin Christine Borst sagte am Donnerstag der Süddeutschen Zeitung: "Es ist noch nie zuvor solch ein Kapitalverbrechen in unserem Ort passiert."