Krailling Ein Stück Stromnetz

Krailling investiert eine Million Euro in die Würmtal Holding

Von Carolin Fries, Krailling

Die Gemeinde Krailling wird eine Million Euro in das regionale Stromnetz investieren. Mehrheitlich hat der Gemeinderat am Dienstagabend beschlossen, zehn Prozent der Würmtal Holding GmbH zu erwerben und damit einen Teil des Stromnetzes der drei Gemeinden Planegg, Krailling und Gauting. Die drei Kommunen hatten sich 2009 darauf verständigt, die Konzession zu übernehmen. Es folgten schwierige Verhandlungen und ein teures Gerichtsverfahren. Mit der finanziellen Beteiligung ist das Projekt nun besiegelt.

Es geht dabei um ein Netz von etwa 750 Kilometern Stromleitungen und 224 Trafostationen sowie Wegerecht auf öffentlichem Grund. Vereinbart wurde, dass eine von Gauting, Krailling und Planegg gegründete Holding mit einer 51-Prozent-Mehrheit bei der Stromnetz-Gesellschaft einsteigt. 49 Prozent blieben bei der Eon-Tochter Bayernwerke. Die Gesellschaft betreibt ein Stromnetz, an dem etwa 23 000 Häuser hängen. Vom kommunalen Anteil sollte Krailling 20 Prozent finanzieren, Planegg 30 und Gauting 50 Prozent. Doch Gauting hat die finanziellen Mittel nicht parat, für die Nachbargemeinde kommt lediglich eine Fremdfinanzierung infrage. 750 000 Euro aber muss die Gemeinde auch dafür aufbringen, weshalb derzeit eine mögliche Beteiligung der Bürger geprüft wird.

Die Gemeinde Planegg scheint das Geld zu haben: Am Montagabend hat der Gemeinderat beschlossen, 1,5 Millionen Euro in die Holding zu investieren. Auch Krailling, in diesem Jahr dank unerwartet hoher Gewerbesteuereinnahmen im Geldrausch - hat finanziell keine Schwierigkeiten, die erforderliche Million aufzubringen. Ursprünglich war geplant, den Haushalt lediglich mit 400 000 Euro zu belasten und 600 000 Euro über einen Kredit zu finanzieren, doch das wäre "ein Draufzahlgeschäft gewesen", berichtete Kämmerer Gerhard Friedrich am Dienstagabend. Sinnvoller wäre es, die Million sofort zu bezahlen, finanztechnisch sei das ja "Gott sei Dank möglich".

Die Mehrheit der Kraillinger Gemeinderäte hieß den Vorschlag für gut, Bürgermeisterin Christine Borst (CSU) nannte das Projekt "so rentabel, dass es sinnvoll ist". Daran hatte Sebastian Sefzig (FDP) allerdings Zweifel. "Die Erlöse sind angesichts der vorhandenen Risiken sehr niedrig." Über die zu erwartende Rendite hatte das Gremium Ende März nichtöffentlich beraten. Die Gewinne seien wichtig, wie Grünen-Gemeinderat Werner Engl sagte, doch nicht entscheidend: "Wir investieren in einen Wert, der Bestand hat." Eleonore Zwißler (CSU) bescheinigte der Regionalisierung des Stromnetzes einen "übergeordneten Wert". Letztlich stimmten Sebastian Sefzig sowie die FBK-Gemeinderäte Dietlind Freyer-Zacherl und Rudolf Heidrich gegen die Beteiligung.

25,5 Prozent der Holding sind damit in der Hand der Kommunen. Gauting soll bei besserer Finanzlage so bald wie möglich nachziehen. "Die Nachbargemeinde bleibt vorerst außen vor, behält den Fuß aber in der Tür", berichtete Kämmerer Gerhard Friedrich.