Andechs Wirt verlässt Kloster-Gasthaus: "Wie eine Ehe, die nicht mehr funktioniert"

Das Kloster Andechs ist ein beliebtes Ausflugsziel.

(Foto: STA Franz X. Fuchs)
  • Nach 25 Jahren habe man sich auseinander gelebt, sagt Alexander Urban. Der Wirt wird die Kloster-Gaststätte zum Jahresende aufgeben.
  • Dass eine höhere Pacht der Grund für die Trennung sein soll, sei falsch, sagen er und ein Kloster-Sprecher.
  • Das Kloster ist bei der Suche nach einem Nachfolger nach eigenen Angaben "auf einem guten Weg".
Von Christine Setzwein, Andechs

Steil bergauf geht es für die 30 000 Wallfahrer und die unzähligen Touristen und Ausflügler, die jährlich auf den Heiligen Berg zu Andechs pilgern. Die einen führt der Aufstieg zuerst zur berühmten Klosterkirche, die andern biegen vielleicht vorher schon ab ins nicht minder berühmte Bräustüberl oder in den Klostergasthof. Für Alexander Urban, seit 24 Jahren Pächter des Gasthofs, geht der Weg am 31. Dezember 2018 nur in eine Richtung: nach unten.

An Lichtmess hat der 50-Jährige seinen Vertrag mit dem Kloster gekündigt. "Es tut weh", räumt Urban im Gespräch mit der Starnberger SZ ein, "aber wir trennen uns friedlich." Kloster-Sprecher Martin Glaab sagt: "Wir bedauern diese Kündigung und bedanken uns herzlich bei Herrn Urban und seinem engagierten Team für die fast 25 Jahre dauernde langjährige Zusammenarbeit."

Für Urban ist nun jeder Tag "ein Abschied"

Woran es letztlich gelegen hat, dass Urban und die Andechser Benediktiner auseinander gehen, ist schwer auszumachen. Liegt es an einer höheren Pacht, am Investitionsstau - zuletzt wurde 1992 umfassend renoviert -, am Zwischenmenschlichen oder an allem? "Vielleicht ist es wie in einer Ehe, die nicht mehr funktioniert. Irgendetwas hat gefehlt, dann muss man sich trennen", meint Alexander Urban. Er werde nichts Schlechtes sagen über das Kloster, dazu sei die Zeit in Andechs viel zu schön gewesen. Das Gerücht, die Pacht sollte um fast 100 Prozent erhöht werden, "ist falsch", sagt der Wirt. "Das stimmt nicht", sagt auch Glaab. Über die Höhe der Pacht sei bis zur Kündigung durch Urban gar nicht abschließend verhandelt worden.

Ende vergangenen Jahres habe ein erstes Gespräch über die Verlängerung des Pachtvertrags und die anstehenden Investitionen stattgefunden. Glaab: "Ziel der Gespräche war die vertragliche Regelung einer weiteren langfristigen Zusammenarbeit. Leider konnten wir dieses Ziel aufgrund der Kündigung durch Herrn Urban nicht weiter gemeinsam verfolgen." Was die Nachfolge angeht, "sind wir auf einem guten Weg", meint der Kloster-Sprecher. Die Suche nach einem neuen Pächter werde "mit Nachdruck betrieben". Ob es einen nahtlose Übergang geben werde, könne er aber noch nicht sagen. Die Gäste sollten jedenfalls auf die benediktinische Gastfreundschaft auf dem Heiligen Berg nicht lange verzichten müssen.

Der Andechser Klostergasthof wurde bereits 1438 als herzogliche Tafernwirtschaft urkundlich erwähnt und ist damit älter als das Kloster selbst. Auch die Prominenz kehrt gerne ein auf dem Heiligen Berg. Otto von Habsburg feierte seinen 85. Geburtstag im Klostergasthof. Bundeskanzlerin Angela Merkel war da, Horst Seehofer auch. Die CSU kommt überhaupt gerne nach Andechs, wegen der schönen Landschaft, der großen Bühne, des guten Bieres und vielleicht auch wegen der Nähe zum Allmächtigen. Genauso lieb sind Urban aber auch die Theaterfreunde Machtlfing oder der Freundeskreis Krankenhaus Seefeld mit seinem Benefizessen.

Für Urban ist nun jeder Tag "ein Abschied". Wenn er morgens mit einer Tasse Kaffee draußen sitzt, den Blick auf die Berge, packt ihn die Wehmut. "Wir leben hier mitten im Paradies", schwärmt er. Was nach Andechs kommt, weiß er noch nicht. "Darüber mache ich mir erst 2019 Gedanken." Verlockende Anrufe gebe es genug. Ob der Hotelfachmann, der seine Lehre im Bayerischen Hof in München absolvierte und anschließend im Hofbräuhaus Assistent war, in der Gastronomie bleibt, sich künftig um Straßenkinder in Südamerika kümmert oder vielleicht auf einer Alm Käse macht - "nichts ist ausgeschlossen". Nicht einmal der Verbleib in Andechs. "Ich bin gesprächsbereit", sagt er.

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