Kempfenhausen/Seefeld Kliniken in der Krise

Durch die Schließung des Krankenhauses in Kempfenhausen verlieren 200 Menschen ihren Arbeitsplatz. Das 72-Betten-Haus in Seefeld dagegen kann durch eine Fusion mit Starnberg gerettet werden

Von Sabine Bader und Christine Setzwein, Kempfenhausen/Seefeld

Der 13. Oktober ist zweifellos ein rabenschwarzer Tag für die 200 Beschäftigten der Schön-Klinik in Kempfenhausen. Denn an diesem Tag erfahren sie in einer außerordentlichen Personalversammlung, dass ihr Arbeitgeber die Klinik zum Jahresende schließen will. Die Nachricht kommt für sie völlig überraschend - ebenso wie für Bergs Bürgermeister Rupert Monn: Auch er erfährt an diesem Oktobermorgen im Rathaus durch die Unternehmensspitze von den Schließungsplänen. "Die Nachricht hat mich getroffen wie ein Blitz aus heiterem Himmel", sagt Monn. "Das ist ein schwerer Schlag für die Akutmedizin am Ostufer des Starnberger Sees."

Die Schön-Gruppe führt ausschließlich wirtschaftliche Gründe für ihre Entscheidung an. So hieß es, man habe das Haus "trotz Investitionen von mehr als 50 Millionen Euro in den vergangenen 15 Jahren nicht auf Erfolgskurs" bringen können. Mit einer geringen Größe von nur 60 Patientenzimmern gehöre es zu jenen Einrichtungen, die von den Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen und dem dadurch entstehenden Kostendruck besonders betroffen seien. Die Klinik ist schlicht uninteressant für die privaten Klinik-Betreiber geworden, seitdem feststeht, dass sie laut Richterspruch auf dem Areal in Kempfenhausen nicht erweitern dürfen.

Das Ende der Schön-Klinik im Berger Ortsteil Kempfenhausen kommt überraschend. Nur noch die beiden Transparente am Zaun weisen auf die Schließung hin.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Dass das Haus seine Pforten dann nicht - wie geplant - zum Jahresende, sondern schon einen Monat eher, am 1. Dezember, dicht macht, liegt laut Geschäftsführung an personellen Engpässen und Patientenmangel. Viele Mitarbeiter haben schon Angebote von anderen Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern in der Umgebung, einige wechseln an andere Standorte der Schön-Klinik - vor allem nach Harlaching oder Bad Aibling.

Und so erinnert dieser Tage nur noch ein großes Transparent mit der lapidaren Aufschrift "Der Klinkbetrieb ist eingestellt" an den Krankenhaus-Betrieb in Kempfenhausen.

Viel mehr Glück haben da die Mitarbeiter und Patienten der Chirurgischen Klinik Seefeld: Das kleine 72-Betten-Haus bleibt trotz roter Zahlen bestehen, wird sogar ausgebaut. Möglich ist das, weil die Krankenhaus Starnberg GmbH die Klinik unter ihre Fittiche nimmt. Starnbergs Geschäftsführer Thomas Weiler wird zum rettenden Engel. Seit diesem Jahr ist das Haus fest in Hechendorfer Hand. Weiler, Geschäftsführer Helmut Friedrich und der neue Chefarzt Markus Wagner - alle drei sind Hechendorfer. Im Februar übernimmt Friedrich die Geschäfte. Er kennt sich aus, denn er ist seit vielen Jahren Geschäftsführer der "Privatklinik Schindlbeck".

Drei Hechendorfer vor der Seefelder Klinik (von links): Geschäftsführer Thomas Weiler, Chefarzt Markus Wagner und Geschäftsführer Helmut Friedrich.

(Foto: Nila Thiel)

Nur ein paar Tage später ein Rückschlag: Chefärztin Regine Hahn wirft das Handtuch. Sie wollte zwar mit Starnberg kooperieren, aber nicht übernommen werden. Schon im Mai stellt der Zweckverband Krankenhaus Seefeld Markus Wagner als Nachfolger vor. Er kommt vom Rotkreuzklinikum in München. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die onkologische Chirurgie, die Bauchchirurgie und die Operation von Weichteilbrüchen. Auch der Kreistag steht hinter der Fusion und genehmigt den Zusammenschluss. Einen Haken hat die Sache dann doch: Weil Starnberg Seefeld nur schuldenfrei übernehmen will, müssen der Landkreis und die Zweckverbandsgemeinden Andechs, Inning, Herrsching, Seefeld, Gilching, Weßling und Wörthsee noch einmal tief in die Taschen greifen. Insgesamt müssen sie in diesem Jahr noch 2,35 Millionen Euro aufbringen.

Im Freundeskreis Krankenhaus Seefeld hat die Klinik auch weiterhin einen starken Verbündeten, auch wenn Ingrid Frömming, Gründerin und Vorsitzende des Vereins, nach 18 Jahren ihr Amt abgibt. 367 000 Euro sind in ihrer Ära für die Klinik gespendet worden. Zu ihrem Nachfolger wird im November der Herrschinger Bürgermeister Christian Schiller gewählt.