Fund im Ammersee Mysteriöse Mördermuschel

Im Ammersee ist eine riesige versteinerte Muschel aufgetaucht, die "Mördermuschel" heißt. Die Bewohner rätseln: Hat sie ein Tourist aus dem Pazifik mitgebracht oder liegt sie womöglich seit 120.000 Jahren im Wasser?

Von Gerhard Summer

Willi Meyerhöfer mit seinem rätselhaften Fund. Foto: oh

(Foto: oh)

In der Karibik wäre so ein Fund nicht allzu sensationell, aber am Ammersee? Im Frühsommer, beim Baden stieß Willi Meyerhöfer, 62, südlich von Breitbrunn auf ein Relikt. Der See hatte niedrigen Wasserstand, deshalb fiel ihm an einer Stelle, wo man sonst schon schwimmt, dieses merkwürdige Stück in 1,50 Meter Tiefe überhaupt auf. Meyerhöfer legte es zuerst auf seine Pyramide aus spitzen Steinen, die er gebaut hat, um den Weg ins Wasser gemütlicher zu machen. Aber später kam dem Vorstandsmitglied der Grünen, der gelernter Mediengestalter ist, für Burda genauso wie für große Versandhäuser gearbeitet hat und jetzt einen Hol- und Bringservice für Senioren betreibt, das Ganze komisch vor.

Denn der vermeintliche Stein ist 2,7 Kilo schwer, 30 Zentimeter lang und sieben Zentimeter dick - womöglich hatte jemand eine Brunnenkeramik entsorgt, war der erste Gedanke des Herrschingers. Doch der Fund erwies sich als riesige versteinerte Muschel, und zwar als Tridacna, die nur in den Korallenriffen des Pazifiks vorkommt und landläufig "Mördermuschel" heißt.

Zu diesem Ergebnis jedenfalls kamen zwei Wissenschaftler der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie München. Sie schrieben aber kein Gutachten, sondern schauten sich das Stück nur genau an. Ihre Einschätzung: Diese Muscheln kommen lediglich in den Riffregionen des Indopazifiks vor.

Meyerhöfers Fund könnte aus dem Pleistozän stammen und damit 120.000 Jahre alt sein, was aber pure Spekulation sei, so der Paläontologe Winfried Werner: "Ich vermute eher, dass es sich um eine (sub-)rezente Muschel handelt, die also nur vor wenigen Jahren oder Jahrzehnten im indopazifischen Raum lebte." Hundertprozentig auszuschließen sei aber, dass sich die Muschel in der letzten Eiszeit von Alpengletschern durch Gesteinsgeschiebe im Ammersee abgelagert hat.

Bleibt die Frage, wie das gute Stück vom Pazifik nach Breitbrunn kam? Es sei wohl als Souvenir mit nach Deutschland gebracht und, weil es dem Besitzer irgendwann nicht mehr gefiel, im Ammersee entsorgt worden, so Werner. Meyerhöfer will die "Mördermuschel" nun der Öffentlichkeit zugänglich machen. Sollte die Gemeinde oder das Herrschinger Museum "Archäologischer Park" Interesse an dem Fund haben, würde er die Versteinerung auch verschenken.