Herrsching Effektvoller Friedensappell

Große Momente: der Kammerchor Chorpertation.

(Foto: Georgine Treybal)

Kammerchor Chorperation und Mini-Orchester interpretieren Werke von Piazzolla bis Lennon

Von Reinhard Palmer, Herrsching

Wenn Chorperation in der Herrschinger Erlöserkirche ein Konzert gibt, dann ist ein volles Haus garantiert. Der Kammerchor unter der Leitung von Birgit Henke, der sowohl sakrale als auch profane Musikliteratur interpretiert, ist mit seinen zwölf weiblichen und vier männlichen Stimmen ein recht kompaktes Unternehmen. Das vergleichsweise niedrige Durchschnittsalter der Choristen macht sich andererseits in der stimmlichen Substanz deutlich bemerkbar, zumal sich einige auch solistisch geschulte Sänger darunter finden.

Doch es sollte kein reines Vokalkonzert werden, was da unter dem aktuell so hoch im Kurs stehenden Thema "Peace" konzipiert war. Für die internationale Ausrichtung des Repertoires hätten die Instrumentalisten kaum besser ausgewählt werden können, allen voran das Duo Klangzeit: Marie-Josefin Melchior an der Violine - sonst hochbegehrte Tonmeisterin, mittlerweile auch Dirigentin - und Johann Zellner am Akkordeon boten die Zwischenmusiken homogen und im klassischen Sinne sehr musikalisch dar. Zusammen mit Klavierbegleiter Valentin Schmitt, Klarinettistin Marita Gschwandtner und Cellistin Sophia Scheffels stand ein vielseitig einsetzbares Mini-Orchester zur Verfügung, das für ein farbenreiches Klangszenario sorgte, zumal mit Unterstützung an Perkussionsinstrumenten beim afrikanischen Lied.

Das Thema Frieden zieht sich durch die Musik aller Epochen und Kontinente, deshalb war es keine leichte Aufgabe, aus der Menge der Möglichkeiten ein schlüssiges Repertoire zusammenzustellen, das auch verschiedene Facetten der Thematik verdeutlicht. Was in erster Linie auffiel, war die wohlige Atmosphäre, die allen Chorsätzen anhaftete und vor allem mit solistischen Einsätzen aus den Chorreihen auch für Gänsehauteffekte sorgte. So etwa in den beiden Varianten des "Dona nobis" der US-Amerikanerin Mary Lynn Lightfood und des Russen Wladimir Wawilow als alles einrahmender Friedensappell an die Großmächte, nachdem eingangs "Peace on Earth" von Carl Strommen als hymnischer Gospel erklungen war. Die ohnehin effektvoll mit dramaturgischen Steigerungen arrangierten Vokalwerke erfuhren mit instrumentalen Einsätzen weitere Verstärkung, sodass geradezu euphorisierende emotionale Wogen von der Bühne her ins begeisterte Publikum schwappten. So etwa mit Michael Jacksons "Earth song" oder in voller instrumentaler Besetzung mit "Ose Shalom" in breit fließender Melodik. Aber auch a-cappella verstand es Chorperation, große Momente zu kreieren, beispielsweise mit "Slow me down" von Linda Spevacek, das mit seinem bluesigen Thema im Wechselgesang zwischen Chor und Solisten ordentlich unter die Haut ging.

Auch rein instrumentale Höhepunkte fanden sich unter den stimmungsvoll-balladesken Werken. Piazzollas leidenschaftlich-wehmütiges "Adios Nonino", die zutiefst berührende Erinnerung an seinen Vater, hätte nicht emotionaler erklingen können. Das Duo Klangzeit musizierte mit voller Gefühlshingabe, der sich wohl niemand im Publikum entziehen konnte.

Für Beifallsstürme sorgten dennoch vor allem die packenden folkloristischen Stücke. Die zum Quintett formierten Musiker - statt Cello nun Birgit Henke an der Tuba - gaben eine hebräisch betitelte Komposition der Klarinettistin Gschwandtner als schmissigen Klezmer. Und das Duo Klangzeit schmetterte die "Mamuschka Polka" und das augenzwinkender Stück "Glückliche Kamele" des Akkordeonisten Zeller, in dem orientalische und europäische Musik aufeinander treffen. Frenetische Ovationen wurden mit Lennons "Imagine" belohnt, im instrumentalen Nachsatz mit Posaune.