Gilching/Starnberg Neue Pläne für Asylunterkünfte

Landkreis Starnberg sucht nun selbst nach Lösungen für Flüchtlinge und Obdachlose

Wöchentlich kommen inzwischen 70 Flüchtlinge in den Landkreis Starnberg und müssen noch vor dem Winter in einer geeigneten Notunterkunft versorgt werden. Den notwendigen Platz für bis zu 300 Asylbewerber bietet hierzu die Rathausturnhalle in Gilching: Dem Plan des Landkreises Starnberg folgten die Gemeinderäte am Dienstagabend einstimmig, es blieb ihnen wegen der politischen Vorgaben auch gar nichts anderes übrig. So werden in Kürze bereits die ersten Asylsuchenden in die Halle einziehen, die vorerst bis Ende Februar 2016 zur Verfügung steht - mit möglicher Fristverlängerung. Sportverein und Mittelschule müssen in andere Hallen ausweichen, die erweiterte Öffnungszeiten anbieten sollen.

In der Ratsversammlung bat der im Fünfseenland für Asylunterkünfte zuständige Starnberger Oberregierungsrat Stefan Derpa um Verständnis darum, die Gemeinde so "kurzfristig mit dem Thema überfallen" zu haben. Der Jurist wusste, dass die Gilchinger Kommunalpolitiker von der Turnhallen-Lösung überrascht wurden, weil diese Variante noch vor Kurzem noch gar nicht zur Debatte stand. Vielmehr war das Gremium davon ausgegangen, dass mit den langfristigen Unterkünften wie der Traglufthalle, die im Dezember auf dem Gilchinger Festplatz bezugsfertig sein soll, schon viel geholfen worden sei. Zudem wurde bereits vor Monaten dem Plan zugestimmt, dass auf dem Areal an der Landsberger Straße neben der Straßenmeisterei zügig eine Container-Wohnlage für Flüchtlinge errichtet wird. Doch auf dem pachtfreien Gelände, die dem Freistaat gehört, passierte bislang nichts.

Das versuchte nun Starnbergs Kreisbaumeister Christian Kühnel den Gemeinderäten zu erklären: Er berichtete, dass die Verträge schon unterschriftsreif gewesen seien, die Immobiliengesellschaft des Freistaates dann aber plötzlich darauf verwiesen habe, dass dieses Grundstück nicht bebaut werden dürfe. "Wir hatten es fast in der Hand, dann wurde es uns weggezogen", bedauerte Kühnel den Ablauf. Allerdings teilte er auch mit, dass seine Behörde im Landkreis jetzt selbst Flüchtlingsheime errichten dürfe. Das könnte voraussichtlich das Tempo für Unterkünfte erhöhen.

Auch an einer mittelfristigen Lösung für anerkannte Flüchtlinge und Obdachlose ist der Landkreis jetzt dran. Zusammen mit Vertretern des Verbands Wohnen hatten Landrat Karl Roth und Kühnel kürzlich in München einen Termin bei der Regierung von Oberbayern zur Vorgehensweise.

Das Ergebnis: In Kürze werde man dem Innenministerium eine Projektskizze zukommen lassen, so Kühnel, um Fördermittel auszuloten. Gedacht sei an ein System aus robusten Häusern in Ziegel- oder Holzständerbauweise. Der Grundriss soll standardisiert sein, aber so flexibel, "dass wir einfach eine Scheibe abschneiden könnten, wenn wir weniger Grund haben", wünscht sich Kühnel. Dazu soll ein Bieter-Wettbewerb ausgeschrieben und Planung sowie Bauleistung möglichst in eine Hand gegeben werden, was dann Sache des Kreistags wäre. "Flaschenhals" aller Vorhaben sei die Beschaffung von Grundstücken, wobei am ehesten Ortsränder in Frage kommen dürften.